Auswärtiges Amt warnt vor russischem Afrika-Korps in Madagaskar – USA und Frankreich ringen um Einfluss

Russische Militärangehörige sind in Madagaskars Hauptstadt bewaffnet präsent und übernehmen teilweise Aufgaben lokaler Sicherheitskräfte – das bestätigt das Auswärtige Amt. Während Moskau seine Partnerschaft mit der Übergangsregierung ausbaut, investieren die USA in seltene Erden und Frankreich in Hafenprojekte. Gleichzeitig erschüttern neue Putschvorwürfe das Regierungslager.

Das Auswärtige Amt warnt vor der bewaffneten Präsenz des russischen Afrika-Korps in Madagaskar, dessen Angehörige teilweise Aufgaben der örtlichen Sicherheitsbehörden übernehmen. Der entsprechende Abschnitt ist bereits in den Reisehinweisen vom 16. Oktober 2026 dokumentiert und weiterhin in der Fassung vom 29. Oktober enthalten. Gleichzeitig vertieft die madagassische Übergangsregierung ihre Beziehungen zu Russland, während die USA in strategische Rohstoffprojekte investieren und Frankreich seine wirtschaftlichen Verbindungen ausbauen will. Die internationale Konkurrenz trifft auf eine politisch instabile Lage, in der sich selbst Mitglieder des Regierungsumfelds gegenseitig Putschvorbereitungen vorwerfen.

Berlin bestätigt bewaffnete russische Militärpräsenz in Antananarivo

In seinen aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen widmet das Auswärtige Amt dem russischen Afrika-Korps einen eigenen Abschnitt. Die dem russischen Verteidigungsministerium unterstellte Einheit sei nicht nur in Madagaskar stationiert, sondern auch im öffentlichen Raum der Hauptstadt Antananarivo bewaffnet sichtbar.

„Vereinzelt übernimmt das Afrika-Korps auch Handlungen, die in den Aufgabenbereich der madagassischen Sicherheitsbehörden fallen“, erklärt das Ministerium.

Zugleich verweist Berlin auf schwere Menschenrechtsverletzungen, die der russischen Einheit bei ihren Einsätzen in anderen afrikanischen Staaten vorgeworfen werden.

Damit bestätigt die Bundesregierung eine militärische Präsenz, deren Aufbau bereits seit Ende 2025 dokumentiert ist. Eine Untersuchung von Radio Free Europe/Radio Liberty und dem Recherchenetzwerk AEOW/INPACT hatte am 23. September Einzelheiten über die russischen Aktivitäten veröffentlicht.

Demnach reiste bereits im Dezember 2025 der russische Militärgeheimdienstgeneral Andrei Awerjanow mit rund 40 Angehörigen des Afrika-Korps nach Madagaskar. Die Ermittler stützten ihre Angaben unter anderem auf Flugunterlagen.

Im Januar begannen russische Ausbilder mit der Schulung madagassischer Fallschirmjäger. Gleichzeitig erhielt die Armee russische Waffenlieferungen. Weitere russische Militär- und Geheimdienstvertreter waren an der Zusammenarbeit beteiligt.

Das Afrika-Korps ist inzwischen in mehreren afrikanischen Staaten tätig, darunter Mali, Niger und die Zentralafrikanische Republik. Es steht unmittelbar unter der Kontrolle des russischen Verteidigungsministeriums und hat wesentliche Aufgaben früherer Wagner-Strukturen übernommen.

Madagaskars Präsident sucht in Moskau neue Wirtschafts- und Sicherheitspartner

Die militärische Zusammenarbeit ist Teil einer breiteren Annäherung zwischen Moskau und Antananarivo.

Madagaskars Übergangspräsident Michaël Randrianirina nahm am 28. und 29. Oktober am dritten Russland-Afrika-Gipfel teil. Zuvor führte er Gespräche mit russischen Wirtschaftsvertretern über Finanzdienstleistungen, Energieversorgung, Bildung und zusätzliche Investitionen.

Besonders konkret wurde das Angebot eines alternativen internationalen Zahlungssystems. Russische Vertreter stellten der madagassischen Delegation die Plattform A7 vor, mit der grenzüberschreitende Transaktionen unabhängig von bestimmten westlichen Finanzwegen abgewickelt werden sollen.

Die Plattform gehört zu den russischen Bemühungen, die Auswirkungen internationaler Sanktionen auf den Außenhandel zu begrenzen. Eine verbindliche Entscheidung Madagaskars zur Nutzung des Systems wurde bislang nicht bekannt gegeben.

Daneben diskutierten beide Seiten über eine stärkere Zusammenarbeit in der militärischen Ausbildung sowie über russische Unterstützung für soziale, wissenschaftliche und kulturelle Projekte.

Randrianirina verteidigte die Annäherung an Russland ausdrücklich gegen politische Kritik.

„Trotz der zahlreichen Destabilisierungsversuche und Hindernisse, die durch diese Zusammenarbeit zwischen Madagaskar und Russland hervorgerufen werden, bleiben wir entschlossen, diese Partnerschaft weiterzuentwickeln“, erklärte er nach Angaben der madagassischen Präsidentschaft.

Beim Gipfel in Moskau bezeichnete der Präsident insbesondere die Energieversorgung als dringende Aufgabe seines Landes. Russische Investitionen sollen nach seinen Vorstellungen auch dazu beitragen, heimische Rohstoffe stärker vor Ort zu verarbeiten.

Russland baut seine Präsenz zugleich über kulturelle Einrichtungen und Medienangebote aus. Geplant ist unter anderem ein russisches Kulturzentrum in Antananarivo. Bereits bestehende Initiativen unterstützen russischsprachige Bildungsangebote und Medienkooperationen.

USA investieren in seltene Erden, Frankreich setzt auf Hafenprojekte

Während Moskau vor allem militärische, finanzielle und technologische Zusammenarbeit anbietet, konzentrieren sich die Vereinigten Staaten auf strategisch bedeutende Rohstoffe.

Die amerikanische Entwicklungsfinanzierungsinstitution DFC unterstützt das Seltene-Erden-Projekt Ampasindava im Nordwesten Madagaskars mit rund vier Millionen Euro für die Projektentwicklung.

Die Lagerstätte enthält unter anderem Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium. Diese Metalle werden für leistungsfähige Magnete benötigt, die in Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen, elektronischen Geräten und militärischer Ausrüstung zum Einsatz kommen.

Die USA wollen damit ihre Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten verringern. Die DFC bezeichnete das Vorhaben im August als ersten amerikanischen Bergbauinvestitionsschritt dieser Art in Madagaskar.

Am 8. Oktober wurde die Bergbaulizenz für das von Harena Rare Earths entwickelte Projekt formalisiert. Für den Beginn der Bauarbeiten fehlen allerdings noch weitere umweltrechtliche Genehmigungen.

Der amerikanische Unterstaatssekretär für Wirtschaftsangelegenheiten, Jacob Helberg, verwies am 28. Oktober ausdrücklich auf Madagaskar als Partner zur Diversifizierung strategischer Rohstofflieferungen.

Auch Frankreich versucht, seine wirtschaftliche Stellung auf der Insel zu behaupten. Ein besonders sichtbares Beispiel ist der Hafenstandort Antsiranana im Norden, an dem Paris die Modernisierung ziviler Hafenanlagen und der maritimen Wirtschaft unterstützen will.

Russische Delegationen haben ebenfalls Interesse an dem Standort gezeigt und die dortige Schiffswerft besichtigt. Die Hafenregion liegt an einer strategischen Position nahe dem nördlichen Eingang des Mosambikkanals, einer wichtigen Schifffahrtsroute im westlichen Indischen Ozean.

Frankreich hatte bereits im Februar eine entsprechende Absichtserklärung mit Madagaskar unterzeichnet. Die französische Regierung betont den zivilen Charakter ihres Hafenprojekts.

Neue Putschvorwürfe innerhalb der madagassischen Führung

Die zunehmende internationale Aufmerksamkeit fällt in eine Phase anhaltender politischer Spannungen.

Randrianirina hatte im Oktober 2025 nach landesweiten Protesten gegen die damalige Regierung von Andry Rajoelina die Macht übernommen. Teile des Militärs hatten sich zuvor auf die Seite der Demonstrierenden gestellt. Der neue Präsident versprach einen politischen und institutionellen Neuanfang.

Ein Jahr später werden jedoch auch aus dem eigenen Regierungslager neue Destabilisierungsversuche behauptet.

Der Präsidentenberater Harifidy Ramanadraibe beschuldigte mehrere politische Persönlichkeiten, einen Staatsstreich gegen Randrianirina vorzubereiten. Unter den Genannten befindet sich der pensionierte General Ferdinand Razakarimanana, der früher die Hauptstadtverwaltung leitete.

Razakarimanana wies die Anschuldigungen bei einer Pressekonferenz am 29. Oktober zurück und kündigte eine Strafanzeige gegen den Präsidentenberater an.

Auch ein weiterer beschuldigter Politiker, Tahina Razafinjoelina, bestritt eine Beteiligung an entsprechenden Plänen.

Präsident Randrianirina hatte zuvor selbst erklärt, dass Mitglieder seines unmittelbaren Umfelds an Versuchen zur Destabilisierung der Übergangsregierung beteiligt sein könnten. Unabhängig bestätigte Belege für die öffentlich erhobenen Putschvorwürfe liegen nicht vor.

Die politischen Auseinandersetzungen begleiten einen Übergangsprozess, dessen Führung zugleich internationale Sicherheits- und Wirtschaftspartner sucht.

Das Auswärtige Amt weist weiterhin auf das Risiko kurzfristiger Demonstrationen und gewaltsamer Auseinandersetzungen hin. Nach seiner Einschätzung hat sich die Sicherheitslage seit dem Regierungswechsel zwar weitgehend beruhigt, bleibt aber anfällig für neue Spannungen.

Hinzu kommen steigende Kriminalität und eine Zunahme bewaffneter Überfälle. In Antananarivo und Umgebung verzeichnen die deutschen Reisehinweise seit Mai 2026 außerdem vermehrt Entführungs- und Vermisstenfälle, darunter auch Fälle mit tödlichem Ausgang.

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