Russland schützt Madagaskars Regierung

Nach Präsidentengarde und Spezialkräften hat Russland nun auch den Personenschutz der madagassischen Regierung ausgebildet. Moskaus Sicherheitskooperation mit Antananarivo erreicht damit eine weitere zentrale staatliche Einheit.

Russische Ausbilder haben erstmals Angehörige des Sicherheitsbataillons der madagassischen Regierung für den Personenschutz des Premierministers und der Kabinettsmitglieder geschult. Die sechswöchige Ausbildung endete am 17. Juni. Zehn Soldaten trainierten den Umgang mit Waffen, die Abwehr von Bedrohungen und verschiedene Kampftechniken. Der Kurs erweitert eine Sicherheitskooperation, die Antananarivo und Moskau seit dem Machtwechsel im Oktober 2025 deutlich ausgebaut haben.

Das Bataillon für die Sicherheit der Primature ist unmittelbar für den Schutz von Premierminister Mamitiana Rajaonarison und weiteren Regierungsmitgliedern zuständig. Die madagassische Regierungszentrale kündigte nach Abschluss der Ausbildung neue Ausrüstung und Uniformen für die Einheit an.

Die Schulung folgt auf mehrere russische Ausbildungsprogramme für die Streitkräfte, Spezialeinheiten und die Präsidentengarde. Damit erstreckt sich die russische Unterstützung inzwischen auf mehrere bewaffnete Einheiten, die für die Führung des Staates und den Schutz seiner Institutionen eingesetzt werden.

Von der Präsidentengarde zur Primature

Bereits am 5. Mai hatte das dem russischen Verteidigungsministerium zugeordnete Africa Corps eine Ausbildung für 127 madagassische Soldaten abgeschlossen. Zu den Teilnehmern gehörten Angehörige der Spezialkräfte und der Präsidentengarde. Die Militärführung Madagaskars und die russische Botschaft begleiteten die Abschlusszeremonie in Antananarivo.

Die madagassische Präsidentschaft hatte das Programm im Januar zunächst für 140 Soldaten angekündigt. Die achtwöchige Ausbildung umfasste Schießtraining, den Einsatz von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen, Pionieraufgaben sowie die Vorbereitung von Angriffseinheiten.

Eine erste Gruppe erhielt Anfang März ihre Abschlusszertifikate. Die zweite Ausbildungsphase konzentrierte sich stärker auf Spezialkräfte und den Schutz des Präsidenten. Mit der anschließenden Schulung des Sicherheitsbataillons der Primature wurde nun auch der Personenschutz der Regierung in die Zusammenarbeit einbezogen.

Die russischen Ausbilder waren bereits Ende Dezember 2025 nach Madagaskar gekommen. Madagascar-Tribune.comberichtete damals über eine etwa 40-köpfige Delegation unter Leitung des russischen Generals Andrei Awerjanow. Er gilt als führender Vertreter des militärischen Nachrichtendienstes und als Verantwortlicher des Africa Corps.

Die Organisation entstand Ende 2023 nach dem Tod des Wagner-Gründers Jewgeni Prigoschin. Russland überführte damit einen Teil der bisherigen Wagner-Strukturen in eine Organisation unter direkterer Kontrolle des Verteidigungsministeriums. Das Africa Corps setzt sich aus ehemaligen Wagner-Kämpfern, früheren Kommandeuren und neu angeworbenem Personal zusammen.

Russland liefert Waffen, Fahrzeuge und Baumaschinen

Die Ausbildungsprogramme sind Teil einer Reihe militärischer Lieferungen und politischer Kontakte. Am 14. Januar kündigte die madagassische Übergangsregierung den Erhalt eines ersten russischen Rüstungspakets an. Es umfasste Sturmgewehre, Drohnen und Präzisionsausrüstung.

Am 1. April folgten leichte gepanzerte Fahrzeuge und Militärlastwagen. Russland lieferte zudem Hubschrauber und schwere Fahrzeuge, die nach dem Zyklon Gezani auch bei Wiederaufbauarbeiten eingesetzt wurden.

Am 9. Juni übergab Moskau auf dem Militärstützpunkt Ivato weitere technische Geräte. Zu der Lieferung gehörten ein Kettenbulldozer, ein Radlader, ein Mobilkran, ein Bagger, mobile Stromgeneratoren sowie Anlagen zur Wasseraufbereitung und zur Notstromversorgung.

Die Geräte sollen nach Angaben der russischen Botschaft bei Naturkatastrophen und beim Bau öffentlicher Infrastruktur eingesetzt werden. Organisiert wurde die Lieferung von der für internationale Militärkooperation zuständigen Abteilung des russischen Verteidigungsministeriums.

Der russische Geschäftsträger Alexei Burjak bezeichnete die Übergabe als „eine neue Etappe der russischen Unterstützung für Madagaskar“. Der Schritt zeige, „dass wir ein verlässlicher Partner sind“. Russland verbinde die militärische Zusammenarbeit zunehmend mit Unterstützung für zivile Aufgaben, erklärte Burjak.

Kontakte zwischen Antananarivo und Moskau nehmen zu

Die neue Intensität der Zusammenarbeit setzte nach dem Machtwechsel im Oktober 2025 ein. Damals übernahm Oberst Michaël Randrianirina nach einem Staatsstreich die Führung Madagaskars.

Am 19. Februar empfing der russische Präsident Wladimir Putin Randrianirina in Moskau. Ende März wurde eine russisch-madagassische Handelskammer eröffnet. Eine russische Wirtschaftsdelegation besuchte im Mai zudem Antsiranana, um eine mögliche Wiederbelebung der strategisch gelegenen Schiffswerft Secren zu prüfen.

Beide Staaten unterhalten bereits seit mehr als fünf Jahrzehnten militärische Beziehungen. Ein großer Teil der Ausrüstung der madagassischen Streitkräfte stammt aus sowjetischer oder russischer Produktion. Seit Ende 2025 hat sich jedoch die Zahl der Waffenlieferungen, Ausbildungsprogramme und hochrangigen Kontakte deutlich erhöht.

Die madagassische Führung begründet die Zusammenarbeit vor allem mit der inneren Sicherheitslage. Dazu gehören bewaffnete Viehdiebstähle im Süden und Westen des Landes. Randrianirina erklärte, die russischen Ausbilder könnten Veränderungen bei den für seinen Schutz zuständigen Sicherheitskräften bewirken.

Africa Corps erreicht den Indischen Ozean

Mit dem Engagement in Madagaskar weitet das Africa Corps seinen Einsatzraum über seine bisherigen Schwerpunkte in der Sahelzone und Zentralafrika hinaus aus. Die Organisation ist unter anderem in Libyen, Sudan, Mali, Burkina Faso, Niger und der Zentralafrikanischen Republik aktiv.

Großbritannien setzte das Africa Corps im November 2024 auf seine Sanktionsliste. Die britische Regierung wirft der Organisation weitreichende Menschenrechtsverletzungen und die wirtschaftliche Ausbeutung natürlicher Ressourcen in afrikanischen Staaten vor.

Madagaskar liegt mehr als 6.000 Kilometer von den bisherigen Einsatzgebieten des Africa Corps im Sahel entfernt. Die Insel grenzt an den Kanal von Mosambik, eine wichtige Schifffahrtsroute zwischen dem südlichen Afrika, dem Indischen Ozean und internationalen Energiemärkten.

Der Ausbau der russischen Zusammenarbeit fällt zugleich in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Antananarivo und Paris. Die madagassischen Behörden verlangten Ende April die Ausweisung eines Mitarbeiters der französischen Botschaft. Ihm wurden Verbindungen zu mutmaßlichen Versuchen vorgeworfen, die politische Ordnung des Landes zu destabilisieren.

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