Somalia warnt: “Israel will das Rote Meer!”

srael vertieft seine Beziehungen zu Somaliland und akkreditiert seinen ersten Botschafter in Hargeisa. Somalias Präsident sieht dahinter vor allem militärische Interessen am Roten Meer.

Israel und Somaliland haben ihre diplomatischen Beziehungen mit der offiziellen Akkreditierung des ersten israelischen Botschafters in Hargeisa weiter ausgebaut. Die Übergabe der Beglaubigungsschreiben erfolgte nach Angaben aus Somaliland am Donnerstagabend, dem 29. Oktober 2026. Der Schritt folgt auf Israels Anerkennung der seit 1991 von Somalia abgespaltenen Region und vertieft eine Partnerschaft an einer der strategisch wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Somalias Präsident Hassan Sheikh Mohamud wirft Israel vor, mit der Anerkennung vor allem einen Marinestützpunkt am Golf von Aden errichten zu wollen.

Israel und Somaliland bauen diplomatische Beziehungen aus

Somalilands Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi, bekannt als Cirro, empfing den israelischen Diplomaten Michael Lotem zur Übergabe seiner Beglaubigungsschreiben. Lotem war bereits im April zum ersten israelischen Botschafter in Somaliland ernannt worden.

Israel hatte Somaliland am 26. Dezember 2025 als unabhängigen Staat anerkannt. Es war damit der erste UN-Mitgliedstaat seit Somalilands einseitiger Unabhängigkeitserklärung 1991, der diesen Schritt vollzog.

Die diplomatische Annäherung hat sich seither beschleunigt. Israels Außenminister Gideon Saar besuchte Hargeisa im Januar, während Somaliland im Mai seinen ersten Botschafter in Israel akkreditierte. Im Juni reiste Präsident Abdullahi zu einem offiziellen Besuch nach Israel.

Beide Seiten haben Interesse an einer Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Energie, Technologie und Handel bekundet.

Die Beziehungen sind für Somaliland auch Teil seiner Bemühungen um internationale Anerkennung. Die Region unterhält seit mehr als drei Jahrzehnten eigene staatliche Institutionen, Streitkräfte und eine eigene Währung. Die Bundesregierung Somalias betrachtet Somaliland jedoch weiterhin als Bestandteil ihres Staatsgebiets.

Die Afrikanische Union, die Europäische Union und mehrere arabische Staaten lehnen Israels Anerkennung ab und unterstützen die territoriale Einheit Somalias.

Somalias Präsident wirft Israel militärische Interessen vor

Der somalische Präsident Hassan Sheikh Mohamud bestreitet, dass Israel mit seiner Anerkennung hauptsächlich die Bevölkerung Somalilands unterstützen wolle. Er sieht darin vielmehr den Versuch, einen strategischen Zugang zum Roten Meer zu sichern.

„Israel will das Rote Meer. Das ist der einzige Grund“, erklärte Mohamud am 29. Oktober in einem Interview mit Sky News.

Israel habe kein besonderes Interesse an der Unabhängigkeit Somalilands oder dessen wirtschaftlicher Entwicklung. Nach seiner Darstellung gehe es darum, einen Marinestützpunkt in der Region zu errichten und näher an die Golfstaaten und andere strategische Ziele heranzurücken.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht die Hafenstadt Berbera am Golf von Aden. Sie liegt gegenüber dem Jemen und in der Nähe der Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet.

Über diese Route verläuft ein bedeutender Teil des internationalen Seehandels zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten. Angriffe der Huthi-Miliz auf Handelsschiffe sowie der Konflikt im Jemen haben die militärische Bedeutung der Region erhöht.

Mohamud erklärte, Somalia werde die Errichtung ausländischer Militärstützpunkte gegen den Willen der Bundesregierung nicht akzeptieren.

„Wir werden Ländern, die auf unserem Staatsgebiet Stützpunkte für Stellvertreterkonflikte errichten wollen, niemals eine solche Möglichkeit geben“, sagte der Präsident.

Ein verbindliches Abkommen über einen israelischen Marinestützpunkt in Somaliland ist bislang nicht öffentlich bestätigt. Somalilands Verteidigungsminister Mohamed Yusuf Ali hatte im Juni erklärt, Israel unterhalte dort weder einen Militärstützpunkt noch eine militärische Präsenz. Verhandlungen über eine solche Einrichtung fänden nicht statt. Zugleich bestätigte er eine israelische Unterstützung bei der Ausbildung von Polizei und Streitkräften.

Die Zusammenarbeit berührt damit auch die Sicherheitsinteressen weiterer Staaten am Horn von Afrika, darunter Äthiopien, Ägypten, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Regionale Rivalitäten verschärfen Somalias politische Krise

Die wachsende internationale Präsenz fällt mit einer innenpolitischen Krise in Somalia zusammen. Präsident Mohamud steht seit Monaten im Konflikt mit der Opposition und mehreren föderalen Gliedstaaten.

Hintergrund sind Verfassungsänderungen vom März 2026, durch die die Amtszeiten des Präsidenten und des Parlaments von vier auf fünf Jahre verlängert wurden. Mohamuds Regierung leitet daraus eine Amtszeit bis Mai 2027 ab. Oppositionspolitiker und die Führungen von Puntland und Jubaland bestreiten die Rechtmäßigkeit dieser Verlängerung.

In Mogadischu und Baidoa kam es bereits zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Regierungskräften und oppositionellen Verbänden.

Das britische Forschungsinstitut Chatham House warnt in einer Analyse vom 16. Oktober davor, dass regionale Rivalitäten diese innerstaatlichen Konflikte weiter verschärfen könnten.

Afrikaexperte Aweis Ahmed beschreibt dabei ein Geflecht internationaler Partnerschaften, das sich zunehmend entlang politischer und militärischer Interessen organisiert. Die Türkei unterstützt vor allem die Bundesregierung in Mogadischu, während die Vereinigten Arabischen Emirate enge Beziehungen zu Somaliland sowie den föderalen Gliedstaaten Puntland und Jubaland unterhalten.

Auch Israel und Äthiopien werden von Chatham House als außenpolitisch enger miteinander verbundene Akteure beschrieben. Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei verfolgen in der Region teilweise andere Sicherheitsinteressen.

Somalische Konfliktparteien suchten zunehmend ausländische Unterstützung, um ihre eigene politische und militärische Stellung zu stärken. Dabei würden auch Hafeninvestitionen, Transportkorridore und mögliche Militärstützpunkte als Angebote an internationale Partner genutzt.

UN-Mission endet während anhaltender Machtkämpfe

Zusätzliche Veränderungen ergeben sich durch das Ende der politischen UN-Mission in Somalia.

Die Übergangsmission UNTMIS stellt ihre Tätigkeit am 31. Oktober 2026 ein. Der UN-Sicherheitsrat hatte den Abschluss nach einer zweijährigen Übergangsphase auf Wunsch der somalischen Bundesregierung beschlossen.

Die Aufgaben der Mission wurden schrittweise an somalische Institutionen und andere UN-Einrichtungen übertragen. Eine neue politische UN-Mission mit einem vergleichbaren Vermittlungsmandat wurde bislang nicht eingerichtet.

Die bisherige Mission hatte unter anderem politische Gespräche, Verfassungsprozesse und die Zusammenarbeit zwischen der Zentralregierung und den föderalen Gliedstaaten unterstützt.

Die Afrikanische Union bleibt mit ihrer Unterstützungs- und Stabilisierungsmission AUSSOM militärisch in Somalia präsent. Gleichzeitig kämpfen die somalischen Sicherheitskräfte weiterhin gegen die islamistische Al-Shabaab-Miliz, die große ländliche Gebiete im Süden und Zentrum des Landes kontrolliert.

Präsident Mohamud verteidigte im Interview seine Bemühungen um Gespräche mit den oppositionellen Gliedstaaten und Somaliland. Er verwies darauf, dass Somalia und Somaliland 1960 einen gemeinsamen Staat gebildet hätten und Mogadischu weiterhin eine politische Verständigung anstrebe.

Die letzten offiziellen Gespräche zwischen beiden Seiten fanden nach seiner Darstellung im Dezember 2024 in Dschibuti statt.

Während die somalische Bundesregierung die Einheit des Landes verteidigt, setzt die Führung in Hargeisa ihre eigenständige Außenpolitik fort. Mit der Akkreditierung des israelischen Botschafters verfügt Somaliland nun auch über eine formalisierte diplomatische Vertretung Israels auf seinem Gebiet.

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