Russland treibt den Ausbau seines politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Einflusses in Afrika voran und will seine Partnerschaften durch neue Abkommen und gemeinsame Institutionen dauerhaft festigen. Am Mittwoch, dem 28. Oktober 2026, begann in Moskau der dritte Russland-Afrika-Gipfel. Delegationen aus 48 afrikanischen Staaten nehmen nach Angaben des Kremls teil, darunter 22 auf Ebene der Staatsoberhäupter. Während Moskau seine Zusammenarbeit bei Energie, Rohstoffen, Rüstung und Handel ausweitet, zeigt eine neue pollytix-Umfrage, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen den wachsenden russischen Einfluss kritisch sieht.
Russland will Afrika langfristig an sich binden
Russlands Präsident Wladimir Putin und Burundis Präsident Évariste Ndayishimiye, der derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union (AU) innehat, leiten das zweitägige Treffen. Nach den Gipfeln von Sotschi 2019 und Sankt Petersburg 2023 setzt Moskau damit seine institutionalisierte Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten fort.
Die russische Regierung hat ein umfangreiches politisches und wirtschaftliches Programm vorbereitet. Im Zentrum stehen Handel, Investitionen, Energie, Landwirtschaft, Rüstung, Ernährungssicherheit sowie die Zusammenarbeit bei Wissenschaft, Bildung und neuen Technologien.
Die Teilnehmer sollen einen gemeinsamen Aktionsplan für die Jahre 2027 bis 2029 verabschieden. Daneben sind eine politische Abschlusserklärung und eine Vereinbarung über die zivile Nutzung künstlicher Intelligenz vorgesehen. Nach Angaben des Kremls werden zudem 33 zwischenstaatliche und weitere Kooperationsdokumente zur Unterzeichnung vorbereitet.
Die Vereinbarungen waren zum Gipfelauftakt noch nicht verabschiedet.
Bereits vor der Eröffnung hatte der außenpolitische Berater Putins, Juri Uschakow, zahlreiche bilaterale Gespräche angekündigt. Dazu gehören Treffen mit den Staats- und Regierungschefs Ägyptens, Äthiopiens, Malis, Ghanas, Mauretaniens und weiterer afrikanischer Staaten. Auch Vertreter regionaler Organisationen sollen mit der russischen Führung beraten.
Mit 22 angekündigten Staatsoberhäuptern liegt die Beteiligung auf dieser Ebene über den 17 Staatschefs beim Gipfel 2023. An der ersten Ausgabe 2019 hatten allerdings noch 43 Staats- und Regierungschefs teilgenommen.
Die russische Diplomatie hat ihre Präsenz auf dem Kontinent parallel ausgebaut. Seit 2022 eröffnete Moskau nach eigenen Angaben drei neue Botschaften und nahm fünf zuvor geschlossene Vertretungen wieder in Betrieb. Insgesamt verfügt Russland inzwischen über 48 Botschaften in Afrika. Eine weitere soll in Liberia entstehen.
Vom Wagner-Netzwerk zu einer breiteren Afrika-Strategie
Russlands Einfluss in Afrika beruht auf unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit. Neben traditionellen Partnerschaften aus der Sowjetzeit hat Moskau insbesondere seit dem vergangenen Jahrzehnt seine militärische und sicherheitspolitische Präsenz ausgeweitet.
Zu den wichtigsten Partnern zählen Mali, Burkina Faso und Niger, deren Militärregierungen ihre Beziehungen zu Frankreich und anderen westlichen Staaten zurückgefahren haben. Russland liefert militärische Ausrüstung, bildet Sicherheitskräfte aus und unterstützt einzelne Regierungen bei der Bekämpfung bewaffneter Gruppen.
Eine zentrale Rolle spielte zunächst die russische Söldnerorganisation Wagner. Nach dem Tod ihres Gründers Jewgeni Prigoschin im Jahr 2023 wurden wesentliche Teile der russischen Aktivitäten in Afrika unter staatliche Kontrolle gestellt. Das sogenannte Africa Corps übernahm Aufgaben der früheren Wagner-Strukturen und ist dem russischen Verteidigungsapparat zugeordnet.
Damit wandelte sich ein teilweise informell organisiertes Netzwerk aus militärischer Unterstützung, Sicherheitsdienstleistungen und wirtschaftlichen Interessen zu einer stärker staatlich gesteuerten Präsenz.
Das schwedische Verteidigungsforschungsinstitut FOI stellte in einer Anfang Oktober veröffentlichten Untersuchung fest, dass Russland seine militärischen Aktivitäten in Afrika trotz des Krieges gegen die Ukraine ausgebaut hat. Zwischen 2020 und 2025 registrierten die Forscher mehr als 65 Hafenbesuche russischer Kriegsschiffe in mindestens 18 afrikanischen Staaten.
Zugleich verweist die Untersuchung auf Grenzen des russischen Engagements. Waffenexporte gingen zurück, und insbesondere im Sahel konnten russische Sicherheitskräfte die anhaltende Gewalt jihadistischer Gruppen nicht beenden.
Auch Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit russischen Sicherheitskräften und ihren lokalen Partnern belasten die Zusammenarbeit.

Politikberater Jade Madani sieht in der Entwicklung dennoch eine strategische Neuausrichtung Moskaus. „Russland hat aus der Wagner-Katastrophe gelernt“, erklärt er. Neben gezielten Sicherheitsvereinbarungen konzentriere sich die russische Führung zunehmend auf Wirtschaftsbeziehungen und politische Allianzen.
Dazu gehörten die Absicherung politischer Partnerschaften, Energieprojekte, Rohstoffzugänge und eine engere Abstimmung in den Vereinten Nationen. Nach Madanis Einschätzung nutzte Putin seine politische Isolation in Europa, um sich in afrikanischen Staaten als Alternative zu westlichen Partnern zu positionieren. Besonders der Rückzug Frankreichs aus Teilen des Sahel habe Russland zusätzliche Handlungsspielräume eröffnet.
Energie, Rohstoffe und Milliardenhandel rücken in den Vordergrund
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit soll dem politischen Einfluss eine breitere Grundlage geben. Russland setzt dabei auf Branchen, in denen russische Unternehmen bereits international tätig sind: Erdöl und Erdgas, Atomenergie, Bergbau, Düngemittel, Getreide und industrielle Ausrüstung.
Nach Angaben des Kremls überstieg das Handelsvolumen zwischen Russland und afrikanischen Staaten im Jahr 2025 umgerechnet 24 Milliarden Euro. Das entspricht ungefähr dem Anderthalbfachen des Wertes von 2023.
Die wirtschaftlichen Verbindungen konzentrieren sich allerdings weiterhin stark auf einzelne Märkte. Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien gehören nach Angaben des russischen Außenministeriums zu den wichtigsten Handelspartnern auf dem Kontinent.
Die russischen Getreidelieferungen nach Afrika erreichten 2025 nach Regierungsangaben mehr als 18 Millionen Tonnen. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden weitere 13 Millionen Tonnen geliefert.
Ein weiteres Geschäftsfeld ist die zivile Atomenergie. Der russische Staatskonzern Rosatom arbeitet mit mehreren afrikanischen Ländern an Nuklearprojekten und Vereinbarungen zur Ausbildung von Fachkräften. Ägypten zählt mit dem im Bau befindlichen Kernkraftwerk El Dabaa zu den bedeutendsten Partnern.
In Mali unterzeichneten beide Staaten bereits im Juni 2025 ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie. Weitere Vereinbarungen betreffen die wirtschaftliche Zusammenarbeit, technische Ausbildung und Infrastruktur.
Konkrete wirtschaftliche Projekte begleiten auch den aktuellen Gipfel. Malis Übergangspräsident Assimi Goïta traf am 27. Oktober in Moskau Vertreter des russischen Fahrzeugherstellers Kamaz. Hintergrund ist ein Vertrag über die Lieferung von 350 Nutzfahrzeugen im Wert von umgerechnet mehr als 45 Millionen Euro.
Das Geschäft umfasst auch die Ausbildung von Fahrern, Mechanikern und Ingenieuren. Kamaz prüft darüber hinaus die Einrichtung eines Wartungszentrums und langfristig einer Montageanlage in Mali.
Mosambiks Präsident Daniel Chapo führte ebenfalls Gespräche mit einem russischen Staatsunternehmen. Er traf den Vorstandsvorsitzenden des Gaskonzerns Gazprom, Alexei Miller. Konkrete neue Investitionsvereinbarungen wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Beim unmittelbar vorangegangenen Gipfel des Forums Gas exportierender Länder in Moskau hatte Chapo angekündigt, dass neue Projekte Mosambiks jährliche Exportkapazität auf mehr als 35 Millionen Tonnen Flüssigerdgas erhöhen könnten.
Afrika soll auch technologisch und medial enger mit Russland kooperieren
Das Programm des Russland-Afrika-Gipfels reicht über klassische Rohstoff- und Rüstungsgeschäfte hinaus. Moskau will seine Zusammenarbeit auf digitale Infrastruktur, künstliche Intelligenz, Raumfahrt, Gesundheit, Bildung und industrielle Produktion ausdehnen.
Zu den vorgesehenen Veranstaltungen gehören Gespräche über Technologietransfer, gemeinsame Industrieprojekte, den Aufbau afrikanischer Wertschöpfungsketten und die Ausbildung technischer Fachkräfte. Auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit über die BRICS-Staatengruppe spielt eine Rolle.
Maxim Oreschkin, stellvertretender Leiter der russischen Präsidialverwaltung und zuständig für die Beziehungen zu Afrika, erklärte am 26. Oktober, Russland wolle afrikanische Staaten dabei unterstützen, ihre wirtschaftliche und technologische Eigenständigkeit zu stärken.
„Russland ist bereit, gemeinsam mit seinen afrikanischen Partnern Lösungen umzusetzen, damit die Länder des afrikanischen Kontinents unabhängiger, souveräner und stärker werden“, sagte Oreschkin nach Angaben der senegalesischen Nachrichtenagentur APS.
Dabei verwies er auf die sowjetische Tradition der Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten. Russland wolle Technologien und Erfahrungen weitergeben und stärker mit lokalen Unternehmen zusammenarbeiten.
Auch Bildung gehört zu den Instrumenten dieser Politik. Nach Angaben des Kremls studieren derzeit mehr als 40.000 Menschen aus afrikanischen Staaten an russischen Hochschulen.
Eine weitere Rolle spielt die Medienkooperation. Das begleitende Russland-Afrika-Medienforum behandelt die Zusammenarbeit zwischen russischen und afrikanischen Medienhäusern, journalistische Ausbildung sowie den Umgang mit Informationskampagnen.
Ein Programmpunkt widmet sich ausdrücklich der Frage, wie Medien zur Bekämpfung von Desinformation und zur Stärkung eines positiven Bildes Russlands und Afrikas beitragen können.
Russische Staatsmedien wie RT und Sputnik haben ihre afrikanischen Angebote in den vergangenen Jahren ausgebaut. Moskau bemüht sich um zusätzliche Medienpartnerschaften und die Ausbildung afrikanischer Medienschaffender.
Afrikanische Regierungen verfolgen unterschiedliche Interessen
Die Beteiligung zahlreicher afrikanischer Staats- und Regierungschefs bedeutet nicht, dass die Staaten eine einheitliche Position gegenüber Russland vertreten.
Für Mali steht die militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit im Vordergrund. Assimi Goïta reiste mit Ministern für Wirtschaft, Außenpolitik, Verteidigung und weiteren Regierungsvertretern nach Moskau. Die Regierung in Bamako will insbesondere Sicherheitsfragen, Energieversorgung, Transport und Düngemittellieferungen besprechen.
Burkina Faso wird durch Premierminister Rimtalba Jean Emmanuel Ouédraogo vertreten. In einem Interview mit dem russischen Auslandssender RT betonte er am 27. Oktober die Bedeutung nationaler Souveränität und einer Zusammenarbeit ohne politische Bevormundung.
„Wir haben eine Form der Zusammenarbeit gegen eine andere ausgetauscht“, erklärte Ouédraogo mit Blick auf den außenpolitischen Kurswechsel seines Landes.
Für Burkina Faso stehen technische Ausbildung, der Ausbau eigener Produktionskapazitäten und die Verarbeitung mineralischer Rohstoffe im Vordergrund.
Togo wiederum setzt auf Ernährungssicherheit, technische Bildung, Energie und den Ausbau seiner Logistik- und Hafenwirtschaft. Die Regierung in Lomé bezeichnet ihre außenpolitische Ausrichtung als Politik offener und diversifizierter Partnerschaften. Bereits Ende September fand in Togo die erste Sitzung einer gemeinsamen Regierungskommission mit Russland statt.
Ghana, die Komoren, Zimbabwe, Madagaskar, Mauretanien und weitere Staaten sind ebenfalls auf hoher politischer Ebene vertreten. Tunesien entsandte Premierministerin Sara Zaâfrani Zenzri gemeinsam mit Außenminister Mohamed Ali Nafti.
Diese unterschiedlichen Interessen spiegeln sich auch in der afrikanischen Öffentlichkeit wider. Eine im Februar 2026 veröffentlichte Afrobarometer-Untersuchung in 38 afrikanischen Ländern ergab, dass durchschnittlich 36 Prozent der Befragten den politischen und wirtschaftlichen Einfluss Russlands positiv bewerten. 23 Prozent äußerten sich negativ, während 42 Prozent keine Einschätzung abgaben.
Die regionalen Unterschiede sind erheblich. In Mali bewerteten 88 Prozent der Befragten Russlands Einfluss positiv. In vielen Staaten des südlichen und östlichen Afrikas fiel die Zustimmung deutlich geringer aus.
Neue pollytix-Umfrage: Deutsche sehen Russlands Einfluss in Afrika kritisch
In Deutschland stößt die russische Annäherung an afrikanische Staaten auf erhebliche Vorbehalte. Das zeigt eine bundesweite, repräsentativ gewichtete Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts pollytix, die vom 16. bis 19. Oktober 2026 unter 1.300 Wahlberechtigten durchgeführt wurde.
69 Prozent der Befragten bewerten den wachsenden politischen und wirtschaftlichen Einfluss Russlands in Afrika als eher oder sehr schlecht für Deutschland. Nur 13 Prozent beurteilen die Entwicklung positiv.
Das grundsätzliche Vertrauen in Russland als internationalen Partner ist ebenfalls gering. 83 Prozent geben an, Deutschland könne Russland eher wenig oder überhaupt nicht vertrauen. Nur 15 Prozent äußern stärkeres Vertrauen.
Auch bei den möglichen wirtschaftlichen und politischen Folgen zeigt die Befragung deutliche Mehrheiten.
63 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Russlands Engagement in Afrika die deutschen Handelsbeziehungen mit afrikanischen Staaten erschwere. 60 Prozent sehen eine Schwächung des politischen Einflusses Deutschlands auf dem Kontinent, 59 Prozent befürchten eine Beeinträchtigung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Jeweils 56 Prozent halten Russlands Einfluss in Afrika für zu groß, sehen Risiken für Deutschlands Rohstoff- und Energieversorgung oder stimmen der Aussage zu, dass das russische Engagement die internationale Sicherheit destabilisiere.
Die Werte beschreiben die Einschätzungen der Befragten, nicht den empirischen Nachweis entsprechender wirtschaftlicher oder sicherheitspolitischer Auswirkungen.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass eine deutliche Mehrheit eine aktivere deutsche Afrikapolitik unterstützt. 66 Prozent halten es für wichtig, dass sich die Bundesregierung um engere Beziehungen zu afrikanischen Staaten bemüht.
Besonders überzeugend finden die Befragten den Zugang zu wichtigen Rohstoffen mit 77 Prozent, die Vorbeugung von Konflikten und Kriegen mit 74 Prozent sowie die Bekämpfung von Fluchtursachen und die Steuerung von Migration mit 72 Prozent. Den Zugang zu neuen Absatzmärkten und Handelsmöglichkeiten halten 71 Prozent für ein überzeugendes Argument.
Auch das geopolitische Umfeld spielt eine Rolle. 60 Prozent finden es überzeugend, dass Deutschland durch engere Beziehungen zu afrikanischen Staaten den Einfluss Russlands oder Chinas begrenzen könnte.
Die Ergebnisse unterscheiden sich zwischen den politischen Wählergruppen, doch die grundsätzliche Bedeutung engerer Beziehungen zu Afrika findet über mehrere Parteigrenzen hinweg Zustimmung.
Deutschland zwischen Entwicklungszusammenarbeit und geopolitischem Wettbewerb
Die Bundesregierung hat Afrika zu einem Schwerpunkt ihrer Außenpolitik erklärt. Bundesaußenminister Johann Wadephul betonte beim Afrikatag in Berlin im Mai 2026, dass Deutschland sowohl eine übergreifende Afrikapolitik als auch individuelle Partnerschaften mit den einzelnen Staaten des Kontinents benötige.
Die Bundesregierung setzt dabei auf die Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union, den Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen, Krisenprävention und Entwicklungszusammenarbeit.
Russland verfolgt in mehreren dieser Bereiche ähnliche wirtschaftliche Ziele, verbindet sie jedoch mit anderen politischen Angeboten. Dazu gehören militärische Sicherheitsabkommen, staatliche Großprojekte, Technologietransfer und die Zusammenarbeit in internationalen Organisationen.
Politikberater Jade Madani bezeichnet den Moskauer Gipfel deshalb als Ausdruck einer langfristig vorbereiteten russischen Strategie.
„Der Russland-Afrika-Gipfel ist Putins Machtdemonstration“, sagt Madani. Die monatelange diplomatische Vorbereitung, insbesondere durch Außenminister Sergej Lawrow, sei nach seiner Einschätzung darauf ausgerichtet gewesen, konkrete Ergebnisse in unterschiedlichen Politikfeldern zu erreichen.
Madanis Bewertung richtet den Blick auch auf die deutsche Außenwirtschaftspolitik. Deutschland benötige aus seiner Sicht ebenfalls einen stärkeren Schwerpunkt auf „einen neuen Markt, konkrete Vereinbarungen, neue Partnerschaften“.
Neben wirtschaftlichen Interessen beschäftigt die Bundesregierung insbesondere der russische Einfluss auf die öffentliche Kommunikation.
Im September befasste sich der Entwicklungsausschuss des Bundestages mit gezielten Desinformationskampagnen gegen die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Johann Saathoff, berichtete dabei von einer zunehmenden Behinderung der Arbeit deutscher und internationaler Organisationen durch irreführende Darstellungen von Projekten, Finanzierungssummen und deren Zielen.
Das Bundesentwicklungsministerium hat ein eigenes Online-Monitoring eingerichtet, um solche Kampagnen frühzeitig zu erkennen.
Die pollytix-Befragung zeigt, dass nur sechs Prozent der Befragten zuletzt bewusst Informationen über entsprechende russische Desinformationsaktivitäten wahrgenommen hatten. 51 Prozent schätzten das Risiko, dass solche Kampagnen die Haltung der deutschen Bevölkerung zur Entwicklungszusammenarbeit beeinflussen könnten, dennoch als eher oder sehr groß ein.
Das Moskauer Gipfelprogramm sieht unterdessen neben staatlichen Vereinbarungen eigene Foren für Medien, Wissenschaft und junge Menschen vor. Der geplante Aktionsplan 2027 bis 2029 soll die Zusammenarbeit zwischen Russland und seinen afrikanischen Partnern auch in diesen Bereichen institutionell fortsetzen.

