Wie Spanien die Migration aus Westafrika stoppen will – neue Maßnahmen im Senegal und in Mauretanien

Spanien will irreguläre Migration über die Atlantikroute möglichst schon vor den Küsten Westafrikas stoppen. Dafür setzt Madrid eigene Polizisten, Patrouillenboote und Flugzeuge im Senegal ein und verstärkt die Sicherheitskooperation mit Mauretanien – während die Ankunftszahlen auf den Kanaren wieder steigen.

Spanien verstärkt seine Grenzüberwachung vor der westafrikanischen Küste, um die irreguläre Migration auf die Kanarischen Inseln bereits in den Herkunfts- und Transitländern einzudämmen. Bei Gesprächen vom 3. bis 6. November 2026 in Mauretanien und Senegal vereinbarte Innenminister Fernando Grande-Marlaska eine engere Zusammenarbeit mit den dortigen Sicherheitsbehörden. Madrid stellt der senegalesischen Marine zusätzliche 500.000 Euro zur Verfügung und will seine Überwachungsflüge sowie gemeinsamen Patrouillen fortsetzen. Hintergrund ist ein deutlicher Anstieg der Bootsankünfte auf den Kanaren, nachdem die Zahlen im ersten Halbjahr stark zurückgegangen waren.

Spaniens Vorgehen beruht auf der Zusammenarbeit mit westafrikanischen Partnerstaaten. Schiffe sollen möglichst früh erkannt, Schleusernetzwerke bekämpft und irreguläre Überfahrten möglichst vor dem Erreichen europäischer Gewässer verhindert werden. Dafür setzt Madrid eigene Polizeikräfte, Boote und Flugzeuge ein und unterstützt zugleich den Ausbau afrikanischer Grenzschutzkapazitäten.

Über 6.000 Migranten erreichten im Oktober die Kanaren

Die jüngsten Ankunftszahlen haben die spanische Regierung veranlasst, ihre Zusammenarbeit mit Westafrika zu intensivieren.

Allein im Oktober 2026 erreichten nach Angaben des spanischen Innenministeriums 6.194 Menschen auf dem Seeweg die Kanarischen Inseln. Das waren fast fünfmal so viele wie im Oktober des Vorjahres.

In den ersten fünf Novembertagen kamen nach Angaben der spanischen Seenotrettung und des Innenministeriums mehr als 3.200 weitere Menschen hinzu. Besonders betroffen ist die kleine Kanareninsel El Hierro, auf der ein erheblicher Teil der Boote ankommt.

Damit hat sich die Entwicklung gegenüber dem ersten Halbjahr deutlich verändert. Von Januar bis Juni waren lediglich 3.708 Migranten über die Atlantikroute auf den Kanaren angekommen.

Trotz des jüngsten Anstiegs lag die Gesamtzahl für die ersten zehn Monate 2026 mit 13.327 Ankünften noch rund 5,5 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.

Die Atlantikroute führt von den Küsten Senegals, Gambias, Mauretaniens sowie der von Marokko kontrollierten Westsahara zu den Kanarischen Inseln. Je nach Ausgangsort müssen die häufig überfüllten Fischerboote mehrere Hundert bis weit über tausend Kilometer auf offener See zurücklegen.

Spanien fordert Senegal zu zusätzlichen Kontrollen auf

Bei seinem Besuch in Dakar forderte Grande-Marlaska die senegalesische Regierung auf, die Überwachung der Küsten und die Bekämpfung irregulärer Bootsabfahrten zu verstärken.

Der spanische Innenminister traf am 6. November seinen senegalesischen Amtskollegen Mouhamadou Makhtar Cissé sowie Verteidigungsminister Yankoba Diémé.

„Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden, um dieser komplexen Situation zu begegnen und zu verhindern, dass weitere Menschen ihr Leben bei gefährlichen Überfahrten aufs Spiel setzen“, erklärte Grande-Marlaska.

Die spanische Regierung verwies zugleich auf die bisherigen Maßnahmen der senegalesischen Sicherheitskräfte. Nach ihren Angaben wurden seit Jahresbeginn 64 Boote mit mehr als 4.000 Menschen abgefangen, die sich auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln befanden.

Madrid will diese Zusammenarbeit finanziell und technisch ausbauen.

Das spanische Außenministerium stellt der senegalesischen Marine dafür 500.000 Euro bereit. Die Mittel sollen zur Beschaffung von Navigationsgeräten und zusätzlicher Überwachungsausrüstung verwendet werden.

Die Unterstützung betrifft insbesondere die frühzeitige Erkennung von Booten und die Überwachung der Seewege.

40 spanische Sicherheitskräfte bereits im Senegal stationiert

Spanien verfügt im Senegal bereits über eine eigene operative Präsenz.

Nach Angaben des Innenministeriums sind dort 40 Angehörige der Nationalpolizei und der Guardia Civil eingesetzt. Ihnen stehen vier Boote zur Verfügung, darunter zwei Patrouillenboote, ein größeres Einsatzboot und ein Schlauchboot.

Hinzu kommen ein Hubschrauber und Geländefahrzeuge. Zeitweise werden außerdem ein Seeüberwachungsflugzeug und ein größeres Hochseeschiff eingesetzt.

Besondere Bedeutung hat der Flughafen Dakar-Yoff. Von dort aus kann die Guardia Civil mit Überwachungsflugzeugen größere Seegebiete kontrollieren und verdächtige Bootsbewegungen frühzeitig erkennen.

Grande-Marlaska bat die senegalesische Regierung deshalb ausdrücklich darum, die Voraussetzungen für den weiteren Einsatz dieser Flugzeuge zu sichern.

Die spanischen Kräfte arbeiten mit der senegalesischen Gendarmerie, Marine und anderen Sicherheitsbehörden zusammen. Ihre Aufgaben umfassen gemeinsame Überwachung, Informationsaustausch und Unterstützung bei der Bekämpfung von Schleusernetzwerken.

Spanien will damit nicht erst an den eigenen Seegrenzen auf irreguläre Migration reagieren, sondern bereits an den afrikanischen Ausgangspunkten der Überfahrten.

Mauretanien ist zweiter Schwerpunkt der spanischen Strategie

Vor seinem Aufenthalt im Senegal hatte Grande-Marlaska am 3. November die mauretanische Hauptstadt Nouakchott besucht.

Dort traf er Präsident Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani und Innenminister Mokhtar Ould Ahmed Bouceif.

Die Gespräche konzentrierten sich auf Grenzüberwachung, die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und gemeinsame Maßnahmen gegen irreguläre Migration.

Mauretanien ist für die spanische Strategie ein wichtiger Partner. Das Land liegt an der Atlantikroute und dient sowohl als Herkunfts- als auch als Transitgebiet für Menschen aus West- und Zentralafrika.

Insbesondere die Hafenstadt Nouadhibou spielt bei der Überwachung des Seeverkehrs eine wichtige Rolle. Dort arbeiten spanische Kräfte der Guardia Civil bereits seit Jahren mit mauretanischen Sicherheitsbehörden zusammen.

Madrid unterstützt die Kontrolle der Seewege und die Ausbildung mauretanischer Sicherheitskräfte.

Grande-Marlaska bezeichnete Mauretanien bei seinem Besuch als strategischen Partner und Verbündeten Spaniens. Zugleich sprach er sich dafür aus, die Zusammenarbeit über Sicherheitsfragen hinaus auf wirtschaftliche und soziale Bereiche auszuweiten.

Die mauretanische Regierung erklärte, ihre Migrationspolitik verbinde Sicherheitsmaßnahmen mit rechtlichen, humanitären und entwicklungspolitischen Instrumenten.

EU finanziert Grenzschutz und Migrationsmanagement in Westafrika

Spaniens bilaterale Zusammenarbeit ist Teil einer umfassenderen europäischen Migrationspolitik.

Im März 2024 vereinbarten die Europäische Union und Mauretanien eine Migrationspartnerschaft mit einem Finanzierungsrahmen von 210 Millionen Euro.

Das Paket umfasst Maßnahmen gegen Menschenschmuggel, die Stärkung der Grenzüberwachung und die Unterstützung staatlicher Sicherheitsbehörden. Weitere Mittel sind für humanitäre Hilfe, Flüchtlinge, Beschäftigung und Infrastruktur vorgesehen.

Spanien gehört zu den europäischen Staaten, die diese Zusammenarbeit besonders vorantreiben.

Auch im Senegal beteiligt sich die Guardia Civil an europäischen Sicherheitsprogrammen wie GARSI II und Seahorse Advance.

Dabei geht es unter anderem um die Ausbildung von Sicherheitskräften, den Informationsaustausch zwischen Behörden und die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität.

Die Zusammenarbeit folgt dem Ansatz, einen Teil der europäischen Migrationskontrolle in afrikanische Herkunfts- und Transitstaaten zu verlagern.

Für Spanien bedeutet dies, dass die Überwachung nicht erst vor den Kanaren beginnt. Die Sicherheitskooperation reicht vielmehr bis zu den Ausgangshäfen, Küstenabschnitten und Transitwegen in Westafrika.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren Kontrollen in Mauretanien

Die verstärkte Zusammenarbeit mit afrikanischen Sicherheitsbehörden ist jedoch umstritten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch dokumentierte in einem Bericht vom August 2025 schwere Übergriffe gegen Migranten und Asylsuchende in Mauretanien.

Auf Grundlage von Untersuchungen für den Zeitraum von 2020 bis Anfang 2025 berichtete die Organisation unter anderem über willkürliche Festnahmen, Misshandlungen, Erpressung, sexuelle Gewalt und kollektive Abschiebungen.

Die Vorwürfe richteten sich gegen Angehörige verschiedener mauretanischer Sicherheitsorgane, darunter Polizei, Gendarmerie und Küstenwache.

Human Rights Watch kritisierte, dass die Europäische Union und Spanien die Grenzschutzkapazitäten dieser Behörden finanziell und technisch unterstützten, ohne ausreichende Schutzmechanismen gegen Menschenrechtsverletzungen zu gewährleisten.

Die Organisation verwies darauf, dass nicht jeder Mensch aus Westafrika, der sich in Mauretanien aufhält, eine Weiterreise nach Europa plant. Viele arbeiten regulär oder informell im Land, während andere internationalen Schutz benötigen.

Die EU-Migrationspartnerschaft umfasst neben Sicherheitsmaßnahmen auch humanitäre und entwicklungspolitische Unterstützung. Menschenrechtsorganisationen verlangen, dass die Zusammenarbeit stärker an wirksame Kontrollen und den Schutz von Migranten und Flüchtlingen gebunden wird.

Atlantikroute bleibt trotz Grenzschutz gefährlich

Spanien begründet seine Zusammenarbeit mit Senegal und Mauretanien auch mit der hohen Zahl tödlicher Unglücke auf der Atlantikroute.

Die Überfahrt zu den Kanarischen Inseln gehört wegen der langen Entfernungen, wechselnder Wetterbedingungen und häufig unzureichend ausgerüsteter Boote zu den gefährlichsten Migrationswegen nach Europa.

Zugleich verändert sich die Nutzung der Route. Während die Ankünfte über bestimmte Küstenabschnitte zeitweise zurückgingen, verzeichneten die spanischen Behörden zuletzt vermehrt Überfahrten aus weiter südlich gelegenen westafrikanischen Staaten.

Die jüngste Entwicklung zeigt sich insbesondere an den Ankünften auf El Hierro, wo zahlreiche Boote aus dem Senegal registriert wurden.

Hilfsorganisationen wie die spanische Flüchtlingshilfekommission CEAR verweisen neben den Kontrollen auch auf die Wetterbedingungen, fehlende wirtschaftliche Perspektiven und anhaltende Unsicherheit in Herkunftsländern als Einflussfaktoren.

Die spanische Regierung hält unterdessen an ihrer Zusammenarbeit mit den westafrikanischen Sicherheitsbehörden fest. In Dakar besuchte Grande-Marlaska neben den eingesetzten Polizisten auch die Koordinierungsstelle für die Olympischen Jugendspiele, die vom 31. Oktober bis zum 13. November im Senegal stattfinden. Für das Sicherheitskonzept der Veranstaltung hat Spanien nach eigenen Angaben mehr als 300 senegalesische Polizisten und Gendarmen ausgebildet.

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