Deutschland und Mauretanien wollen ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen und bereiten ein neues bilaterales Verteidigungsabkommen vor. Die Verhandlungen wurden am Dienstag, 6. Oktober, bei einem Treffen zwischen dem mauretanischen Verteidigungsminister Hanana Ould Sidi und einer Delegation des Bundesverteidigungsministeriums in Nouakchott vorangetrieben. Gleichzeitig bekräftigte der deutsche Botschafter Florian Reindel finanzielle Zusagen in Höhe von 54 Millionen Euro, von denen ein großer Teil in die berufliche Bildung fließen soll. Die Gespräche folgen auf den Besuch von Bundesaußenminister Johann Wadephul im Juli und eine Wirtschaftsmission deutscher Unternehmen Ende September.
Berlin und Nouakchott verhandeln über militärische Zusammenarbeit
Bei dem Treffen im mauretanischen Verteidigungsministerium standen die Vorbereitungen für ein neues Abkommen im Mittelpunkt. Beide Seiten besprachen Möglichkeiten, ihre militärische und technische Zusammenarbeit zu erweitern.
An den Gesprächen nahmen neben Botschafter Florian Reindel der deutsche Verteidigungsattaché und mehrere Militärexperten teil. Die mauretanische Delegation umfasste unter anderem den Leiter des militärischen Sanitätswesens, Oberst Mohamed Mahmoud Ould Taleb Jeddou, sowie den Direktor für auswärtige Beziehungen im Verteidigungsministerium, Oberst Cheikh Mohamed Lamine Bilal.
Neben der bilateralen Kooperation behandelten die Delegationen regionale und internationale Sicherheitsfragen. Einzelheiten zum geplanten Abkommen, einschließlich möglicher Ausbildungsmaßnahmen, Ausrüstungshilfen oder gemeinsamer Projekte, wurden nicht bekannt gegeben. Ein Termin für die Unterzeichnung steht ebenfalls noch aus.
Mauretanien nimmt in der deutschen Sahelpolitik eine besondere Stellung ein. Während die Beziehungen mehrerer europäischer Staaten zu den Militärregierungen in Mali, Burkina Faso und Niger erheblich belastet sind, hält Nouakchott an der Zusammenarbeit mit europäischen und afrikanischen Partnern fest.

Mauretanien nimmt in der deutschen Sahelpolitik eine besondere Stellung ein. Während die Beziehungen mehrerer europäischer Staaten zu den Militärregierungen in Mali, Burkina Faso und Niger erheblich belastet sind, hält Nouakchott an der Zusammenarbeit mit europäischen und afrikanischen Partnern fest.
Wadephuls Besuch unterstreicht sicherheitspolitische Bedeutung
Der Ausbau der Verteidigungsbeziehungen knüpft an den Besuch von Bundesaußenminister Johann Wadephul am 20. Juli in Mauretanien an. Der Minister traf in Nouakchott Präsident Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani und Außenminister Mohamed Salem Ould Merzoug.
Wadephul bezeichnete Mauretanien damals als wichtigen Partner für Sicherheit und regionale Stabilität. Er würdigte die Rolle des Landes als Stimme der Besonnenheit, Mäßigung und Toleranz in der von bewaffneten Konflikten geprägten Sahelregion.
Der mauretanische Außenminister erklärte seinerseits die Bereitschaft, die Zusammenarbeit mit Deutschland auch in Sicherheits- und Verteidigungsfragen zu vertiefen.
Mauretanien grenzt an Mali, wo bewaffnete islamistische Gruppen seit Jahren gegen die Regierung und ihre Verbündeten kämpfen. Die Sicherung der gemeinsamen Grenze sowie die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und extremistischer Netzwerke gehören zu den sicherheitspolitischen Aufgaben des Landes.
Bei seiner Afrikareise hatte Wadephul zudem betont, dass Deutschland seine Partnerschaften mit afrikanischen Staaten nicht allein auf Sicherheitspolitik beschränken wolle. Wirtschaft, kritische Rohstoffe, Handel und geregelte Migration gehörten ebenfalls zu den gemeinsamen Interessen.
Deutschland bekräftigt Finanzzusagen von 54 Millionen Euro
Parallel zu den Verteidigungsgesprächen stellte Botschafter Florian Reindel die Ergebnisse der deutsch-mauretanischen Zusammenarbeit vor.
Bei einem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit am 8. Oktober in Nouakchott sprach er von einer bemerkenswerten Dynamik in den bilateralen Beziehungen während des vergangenen Jahres. Deutschland und Mauretanien befinden sich inzwischen im 66. Jahr ihrer diplomatischen Beziehungen.
Reindel verwies auf deutsche Finanzzusagen im Umfang von 54 Millionen Euro. Ein großer Teil der Mittel ist für die berufliche Bildung vorgesehen. Deutschland unterstützt außerdem Projekte in den Bereichen Klimaschutz, Migration und wirtschaftliche Entwicklung.
Ein konkretes Beispiel ist die neue Anlage der mauretanischen Küstenwache in Nouadhibou. Sie wurde Ende Dezember 2025 eingeweiht und mit Unterstützung der deutschen Entwicklungsbank KfW errichtet.
Die Baukosten beliefen sich auf rund 24 Millionen Euro, finanziert durch einen Zuschuss der KfW und Mittel des mauretanischen Staates. Der neue Hafen mit Anlege- und Versorgungseinrichtungen soll die maritime Überwachung und die Einsatzmöglichkeiten der Küstenwache verbessern.
Der Ausbau der Küstenwache ist zugleich Teil der Zusammenarbeit bei der Sicherung der mauretanischen Atlantikküste. Die maritime Sicherheit betrifft den Schutz der Fischereiressourcen, die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und die Kontrolle von Migrationsbewegungen.
Deutsche Unternehmen prüfen Investitionen in Energie, Bergbau und Infrastruktur
Auch die wirtschaftlichen Beziehungen sollen ausgebaut werden. Ende September reiste eine Delegation deutscher Unternehmen nach Mauretanien, um Investitionsmöglichkeiten und neue Geschäftspartnerschaften zu prüfen.
Die Wirtschaftsmission wurde vom German Mittelstand Business Hub und Korte Law organisiert. Beteiligt waren unter anderem Vertreter der deutschen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (GTAI), des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Am 30. September empfing der Generaldirektor der mauretanischen Investitionsförderagentur APIM, Tah Ahmed Meouloud, die Delegation in Nouakchott. Botschafter Reindel begleitete die Gespräche.
Die deutschen Unternehmen informierten sich über Investitionsmöglichkeiten in der Energiewirtschaft, im Bergbau, im Bauwesen, in der Industrie, im Beratungssektor und in der Digitalisierung.
Mauretanien verfügt über umfangreiche Eisenerzvorkommen und hat 2025 mit der Produktion von Flüssigerdgas begonnen. Zudem bietet das Land aufgrund seiner Wind- und Solarressourcen Voraussetzungen für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und der Herstellung von grünem Wasserstoff.
Die Investitionsagentur stellte laufende und geplante Projekte vor und vereinbarte, die Kontakte zu den deutschen Unternehmen weiterzuverfolgen. Konkrete neue Investitionsverträge wurden bei dem Treffen nicht bekannt gegeben.

