Die Bundesregierung baut ihre Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen zu Mauretanien aus, verhandelt mit dem westafrikanischen Staat jedoch nicht über den Export von grünem Wasserstoff nach Deutschland. Das bestätigte sie in einer am 21. Oktober 2026 veröffentlichten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion. Während Berlin deutsche Unternehmen bei Wasserstoffprojekten unterstützt und Millionen Euro für bessere Investitionsbedingungen bereitstellt, gewinnt Mauretanien zugleich als Partner bei der Terrorismusbekämpfung und Migrationspolitik an Bedeutung. Zur möglichen Zusammenarbeit deutscher und mauretanischer Nachrichtendienste verweigert die Bundesregierung dagegen jede Auskunft.
Bundesregierung bestätigt: Keine Verhandlungen über Wasserstoffexporte
Mauretanien verfügt über große Flächen mit günstigen Bedingungen für Wind- und Solarenergie. Daraus könnte künftig grüner Wasserstoff hergestellt werden, der auch für die deutsche Industrie interessant ist.
Konkrete staatliche Verhandlungen über entsprechende Lieferungen finden derzeit allerdings nicht statt.
„Die Bundesrepublik verhandelt derzeit nicht mit der mauretanischen Regierung über den Export von grünem Wasserstoff nach Deutschland“, stellt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage fest.
Damit unterscheidet Berlin zwischen der politischen Unterstützung einer künftigen Wasserstoffwirtschaft und verbindlichen Vereinbarungen über Lieferungen nach Deutschland.
Auch neue bilaterale Abkommen oder Absichtserklärungen wurden während des Besuchs von Außenminister Johann Wadephul in Mauretanien im Juli nicht unterzeichnet.
Die Bundesregierung betrachtet die Entwicklung konkreter Wasserstoffprojekte grundsätzlich als Aufgabe privater Unternehmen. Eigene Infrastrukturprojekte zur Energieerzeugung finanziert sie in Mauretanien nach eigenen Angaben nicht.
Neun Millionen Euro für Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft
Finanziell unterstützt Deutschland jedoch den Aufbau der Voraussetzungen für Investitionen in erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff.
Für ein entsprechendes Vorhaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wurden fünf Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt zugesagt und beauftragt.
Weitere vier Millionen Euro wurden 2025 zugesagt, waren zum Zeitpunkt der Regierungsantwort aber noch nicht beauftragt.
Die Förderung umfasst damit Zusagen über insgesamt neun Millionen Euro.
Die Mittel dienen der technischen Zusammenarbeit und werden von der GIZ eingesetzt. Sie werden nicht direkt an die mauretanische Regierung ausgezahlt.
Darlehen oder Bundesgarantien sind für dieses Vorhaben nicht vorgesehen.
Zwei deutsche Unternehmen sind nach Kenntnis der Bundesregierung bereits an geplanten Wasserstoffprojekten beteiligt: Möhring Energie am Projekt Nayrah und Select New Energies GmbH am Projekt Megaton Moon.
Bei Wadephuls Besuch gehörten außerdem Vertreter von Enertrag, VIDA.place, Infosim und fibrisTerre Systems sowie des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft zur Wirtschaftsdelegation.
Die Unternehmen konnten nach Darstellung der Bundesregierung neue Kontakte knüpfen und bestehende Kooperationen vertiefen.
Eine umfassendere bilaterale Rohstoffpartnerschaft mit Mauretanien ist derzeit nicht geplant.
Bundeswehrberater sollen Mauretaniens Sicherheitskräfte unterstützen
In der Sicherheitspolitik geht die Zusammenarbeit bereits über wirtschaftliche Absichtserklärungen hinaus.

Bundesaußenminister Johann Wadephul kündigte während seines Besuchs die Entsendung einer Bundeswehrberatergruppe an. Sie erfolgt im Rahmen des deutschen Ausstattungshilfeprogramms für ausländische Streitkräfte.
Die Bundesregierung bezeichnet Mauretanien als „verlässlichen Partner“ bei der Stabilisierung des Sahel.
Berlin verbindet dabei militärische Unterstützung, Entwicklungszusammenarbeit und Maßnahmen zur Prävention von Extremismus.
Mauretanien verfolgt nach Einschätzung der Bundesregierung einen Sicherheitsansatz, der militärische Maßnahmen mit sozialer Entwicklung und religiösem Dialog kombiniert.
Seit 2011 sei auf mauretanischem Staatsgebiet kein terroristischer Anschlag mehr verübt worden, erklärt die Bundesregierung.
Besondere Bedeutung misst sie der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten bei. Die Gewalt bewaffneter Gruppen in Mali und weiteren Teilen des Sahel belastet auch die Sicherheitslage in den angrenzenden Regionen.
Neben bilateraler Ausbildungs- und Ausstattungshilfe unterstützt Deutschland Mauretaniens Sicherheitskräfte im Rahmen der NATO und der Europäischen Union.
Bundesregierung verweigert Auskunft zur Geheimdienstkooperation
Wie weit die sicherheitspolitische Zusammenarbeit tatsächlich reicht, bleibt teilweise offen.
Die AfD-Fraktion wollte wissen, ob die Bundesregierung unmittelbar mit dem mauretanischen Militär oder Geheimdienst bei der Terrorismusbekämpfung kooperiert.
Die Bundesregierung bestätigte ihre militärische Unterstützung, verweigerte jedoch weitergehende Informationen unter Hinweis auf das Staatswohl.
Der Bundesnachrichtendienst habe nach sorgfältiger Abwägung entschieden, dass die Frage selbst in eingestufter Form nicht beantwortet werden könne.
Dabei stellte Berlin ausdrücklich klar, dass die Verweigerung weder als Bestätigung noch als Verneinung einer solchen Zusammenarbeit zu verstehen sei.
Frauen sollen Radikalisierung mit religiösem Dialog verhindern
Ein besonderer Bestandteil der deutschen Extremismusprävention in Mauretanien ist die Unterstützung des sogenannten Mourchidates-Netzwerks.
Dabei handelt es sich um religiös ausgebildete Frauen, die in Gemeinden, Moscheen, Koranschulen, Jugendzentren und Gefängnissen gegen extremistische Ideologien arbeiten.
Nach Angaben der Bundesregierung umfasst das Netzwerk inzwischen mehr als 75 Frauen. Sie sind insbesondere in der Grenzregion zu Mali und im Flüchtlingslager Mbera aktiv.
Die Frauen nutzen religiöse Argumente, um Radikalisierungsprozessen entgegenzuwirken. Dabei beziehen sie Familienangehörige und örtliche Imame ein.
Die Bundesregierung verweist auf Berichte des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), wonach es dem Netzwerk gelungen sei, Radikalisierungsprozesse zu stoppen.
Deutschland fördert seit 2024 ein entsprechendes UNODC-Projekt zur Stärkung von Frauennetzwerken gegen gewalttätigen Extremismus.
Die Finanzierung läuft nach Angaben der Bundesregierung bis zum 31. Juli 2028.
Mauretanien nimmt mindestens 350.000 Flüchtlinge auf
Auch die Migrationspolitik gehört zu den Schwerpunkten der deutsch-mauretanischen Beziehungen.
Die Bundesregierung bezeichnet Mauretanien als wichtigen Partner bei der Steuerung und Begrenzung irregulärer Migration.
Seit 2024 besteht eine Migrationspartnerschaft zwischen der Europäischen Union und Mauretanien. Das Land liegt an der Atlantikroute, über die Migranten versuchen, die spanischen Kanarischen Inseln zu erreichen.
Zugleich beherbergt Mauretanien eine große Zahl von Menschen, die vor Gewalt in den Nachbarstaaten geflohen sind.
Nach Informationen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR halten sich mindestens 350.000 Flüchtlinge im Land auf, überwiegend in der Grenzregion zu Mali.
Die Bundesregierung würdigt die Aufnahmeleistung Mauretaniens, weist aber darauf hin, dass das Land angesichts seiner begrenzten Ressourcen an Kapazitätsgrenzen gerät.
Deutschland unterstützt die Stabilisierung der Grenzregionen zu Mali und Senegal durch entwicklungspolitische Maßnahmen. Eine direkte deutsche Unterstützung des mauretanischen Grenzschutzes findet nach Angaben der Bundesregierung nicht statt.
Pläne zur Einrichtung von Asylverfahrenszentren in Mauretanien bestehen derzeit ebenfalls nicht.
China, Türkei und Russland verstärken ihre Präsenz
Neben Deutschland und der Europäischen Union unterhält Mauretanien Beziehungen zu weiteren internationalen Partnern.
China ist nach Angaben der Bundesregierung der wichtigste Abnehmer mauretanischer Rohstoffe. Chinesische Unternehmen sind besonders im Bausektor tätig, während eine chinesische Fischereiflotte vor der Küste des Landes operiert.
Mauretanien beteiligt sich seit Juli 2023 offiziell an der chinesischen Infrastrukturinitiative Belt and Road.
Auch die Türkei ist im Sicherheitssektor aktiv. Sie bildet mauretanische Sicherheitskräfte aus, liefert Rüstungsgüter und engagiert sich im Bildungsbereich.
Mit Russland bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung militärische und justizielle Vereinbarungen sowie wirtschaftliche Absichtserklärungen.
Deutschland setzt in seiner Zusammenarbeit mit Mauretanien dagegen besonders auf Sicherheitskooperation, Extremismusprävention und die Förderung privatwirtschaftlicher Investitionen.
Wadephuls Reise nach 20 Jahren ohne neue Abkommen
Johann Wadephul hatte Mauretanien am 20. Juli 2026 besucht. Es war die erste Reise eines deutschen Außenministers in das Land seit rund 20 Jahren.
In Nouakchott traf er Präsident Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani und Außenminister Mohamed Salem Ould Merzoug.
Die Reise führte außerdem zu einem Projektbesuch bei den Mourchidates.
Für Aufmerksamkeit sorgte die gemeinsame Pressebegegnung der beiden Außenminister, die ohne Fragen von Journalisten beendet wurde.
Auf Nachfrage der AfD-Fraktion erklärte die Bundesregierung, die Veranstaltung sei beendet worden, damit das anschließende Gespräch mit Präsident Ghazouani pünktlich beginnen konnte.
Mauretanien verfüge im regionalen Vergleich über eine verhältnismäßig freie Medienlandschaft. Regierungsvertreter stünden regelmäßig für Fragen zur Verfügung.
Die bislang verbuchten Kosten der Ministerreise bezifferte die Bundesregierung auf 4.523 Euro. Eine abschließende Abrechnung lag noch nicht vor.
Während der Reise wurden weder neue Regierungsabkommen noch Absichtserklärungen unterzeichnet.

