Grüne dringen auf mehr Hilfe gegen Hungerkrisen in Sudan und Sahel

Preisschocks, Finanzierungslücken, Sudan und Sahel: Die Grünen wollen die deutsche Hungerhilfe ausbauen und Ernährungssicherheit stärker gegen globale Krisen absichern.

Die Grünen dringen im Bundestag auf mehr deutsche Hilfe gegen Hungerkrisen in Sudan, Sahel und weiteren Krisenregionen. Der Antrag soll am Freitag, 22. Mai 2026, beraten und anschließend an den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung überwiesen werden. Die Fraktion verweist auf steigende Preise für Düngemittel, Nahrungsmittel und Energie infolge der Blockade der Straße von Hormus. Zugleich fordert sie, Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit zurückzunehmen und Ernährungssicherheit stärker gegen Krisen, Konflikte und Klimafolgen abzusichern.

Preisschocks treffen Krisenregionen besonders hart

Bündnis 90/Die Grünen fordert die Bundesregierung auf, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in besonders betroffenen Regionen deutlich aufzustocken. Genannt werden Sudan, Sahel, Gaza und Afghanistan. Die Fraktion verlangt zugleich, keine weiteren deutschen Kürzungen vorzunehmen, die bestehende Finanzierungslücken vergrößern könnten.

Im Sudan waren nach Angaben im Antrag 2024 und 2025 mehr als 24,6 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Im Sahel befanden sich Ende 2025 mehr als 41,8 Millionen Menschen in einer Nahrungsmittelkrise. Die Grünen verbinden diese Lage mit der Entwicklung an den Weltmärkten, mit Konflikten, Klimafolgen und einer sinkenden internationalen Finanzierung.

Die Blockade der Straße von Hormus wird im Antrag als möglicher Auslöser einer neuen globalen Nahrungsmittelkrise beschrieben. Das Welternährungsprogramm warnt demnach, dass 45 Millionen Menschen zusätzlich in Hungersnot geraten könnten, sollte die Blockade anhalten. Die Grünen bezeichnen die Blockade als Reaktion des iranischen Regimes auf völkerrechtswidrige Angriffe der USA und Israels auf den Iran.

Forderung nach mehr Geld für humanitäre Hilfe

Die Fraktion will die Bundesregierung auf eine verlässlichere Finanzierung verpflichten. Der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung soll wieder mindestens auf das Niveau von 2024 steigen. Für dieses Jahr nennt der Antrag 11,2 Milliarden Euro. Die Grünen verweisen darauf, dass der BMZ-Etat von 13,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf voraussichtlich 9,3 Milliarden Euro bis 2028 sinken soll.

Auch die Sonderinitiative zur Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme soll nach dem Willen der Fraktion auf mindestens 345 Millionen Euro pro Jahr erhöht und langfristig abgesichert werden. Zusätzlich verlangen die Grünen mehr Mittel für multilaterale Organisationen wie das Welternährungsprogramm, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, den Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung und UNICEF.

Der Antrag stellt die Finanzierungslücken in einen internationalen Zusammenhang. Mit dem faktischen Ende von USAID verliere das Welternährungsprogramm rund 40 Prozent seiner Finanzierung und könne etwa 16,7 Millionen Menschen pro Jahr weniger erreichen. Auch westliche Gebermittel für Ernährungsprogramme gegen Mangelernährung seien seit 2022 deutlich zurückgegangen.

Sudan, Sahel und Gaza im Zentrum der Forderungen

Für Sudan und Sahel verlangen die Grünen gesicherten humanitären Zugang. Im Sahel soll die Finanzierungslücke als sicherheitspolitische Priorität geschlossen werden. In Gaza fordert die Fraktion ungehinderten Zugang für Hilfsgüter und Helfer sowie Unterstützung beim Wiederaufbau lokaler Nahrungsmittelproduktion. UNRWA, andere Organisationen der Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen sollen dafür ausreichend finanziert werden.

In Afghanistan soll die humanitäre Hilfe in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm und zivilgesellschaftlichen Organisationen aufrechterhalten werden. Die Grünen fordern zudem, darauf hinzuwirken, dass Frauen als Landwirtinnen und Fachkräfte für Ernährungssicherung zugelassen werden.

Der Antrag verbindet Hungerbekämpfung auch mit Konfliktprävention. Lokale Friedensprozesse und Konflikttransformation sollen in fragilen Staaten Teil von Programmen zur Ernährungssicherung werden, besonders bei Streit um Landnutzung, Wasser und Weiderechte.

Lebensmittelreserven und Entschuldung für Krisenstaaten

Die Grünen fordern den Aufbau und die Stärkung strategischer staatlicher Lebensmittelreserven. Diese sollen helfen, Preisspitzen und Schocks in Lieferketten abzufedern. Besonders gefährdete und hoch verschuldete Länder sollen gezielt bei der Ernährungssicherheit unterstützt werden.

Auf europäischer und internationaler Ebene soll sich die Bundesregierung für eine schnelle und umfassende Entschuldung hochverschuldeter Länder des globalen Südens einsetzen. Mittel für Ernährungssicherheit und klimaresiliente Landwirtschaft sollen Vorrang vor Schuldendienst erhalten.

Die Fraktion schlägt außerdem vor, bei ungerechtfertigten Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Düngemitteln eine Übergewinnsteuer auf Zufallsgewinne von Agrarhandels- und Düngemittelkonzernen zu prüfen. Eine solche Debatte solle gegebenenfalls auf EU- und G7-Ebene geführt werden.

Weniger Abhängigkeit von fossilen Lieferketten

Ein weiterer Teil des Antrags richtet sich auf Energie- und Düngemittelabhängigkeiten. Partnerländer, besonders die am wenigsten entwickelten Länder, sollen stärker beim Ausbau erneuerbarer Energien unterstützt werden. Dadurch sollen Ölpreisschocks und Lieferblockaden künftig weniger stark auf Ernährungssysteme durchschlagen.

Die Grünen sehen auch die Abhängigkeit vieler Länder von mineralischen Düngemitteln als Risiko. Sie fordern mehr Förderung für lokale und regionale Produktion von Biodünger und biologischen Betriebsmitteln. Agrarökologische Ansätze, Mischkulturen, Agroforstwirtschaft und regional angepasste Sorten sollen in der Entwicklungszusammenarbeit stärker gefördert werden.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stehen im Zentrum des Konzepts der Ernährungssouveränität. Der Antrag verweist darauf, dass Familienbetriebe und kleine Produzenten in Subsahara-Afrika und Asien einen großen Teil der Nahrungsmittel erzeugen. Gleichzeitig leben viele hungernde Menschen in ländlichen Regionen.

AfCFTA und regionale Wertschöpfung

Auch die europäische Agrar- und Handelspolitik soll nach dem Willen der Grünen stärker an Ernährungssouveränität ausgerichtet werden. Die Bundesregierung soll darauf dringen, dass europäische Entwicklungsprogramme nachhaltige Ernährungssysteme, Klimaanpassung und den Schutz lokaler Produktion fördern.

Die Fraktion fordert außerdem Unterstützung für regionale Integration und die afrikanische Freihandelszone AfCFTA. Regionale Wertschöpfungsketten sollen gestärkt werden. Kleine und mittlere Unternehmen, Frauen, junge Menschen sowie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sollen nach dem Antrag fair von wirtschaftlicher Integration profitieren.

Zugleich sollen Pestizide, die in der Europäischen Union wegen Gesundheits- oder Umweltrisiken nicht genehmigt sind, nicht von Deutschland aus in Länder außerhalb der EU exportiert werden. Auch Anreize für die Nutzung von Lebensmitteln und Futterpflanzen als Kraftstoffe im Straßenverkehr sollen beendet werden.

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