Fachleute warnen vor Rückschritten im Kampf gegen Tuberkulose und Malaria. Die Warnung fiel am Mittwochnachmittag im Entwicklungsausschuss des Bundestages. Trotz großer Fortschritte der vergangenen zwei Jahrzehnte geraten zentrale Programme gegen die beiden Infektionskrankheiten unter Druck. Kürzungen in der Entwicklungshilfe, globale Krisen, Klimafolgen und zunehmende Resistenzen bedrohen nach Einschätzung der Sachverständigen bereits erreichte Erfolge.
Zwei Krankheiten, Millionen Betroffene
Tuberkulose und Malaria zählen weiter zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten in Ländern mit niedrigem Einkommen. Im Jahr 2024 erkrankten weltweit schätzungsweise 10,7 Millionen Menschen neu an Tuberkulose, rund 1,23 Millionen starben daran. Bei Malaria wurden rund 182 Millionen Infektionen und etwa 610.000 Todesfälle registriert.
Johann Saathoff, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, verwies im Ausschuss auf die Erfolge internationaler Gesundheitsprogramme. Seit dem Jahr 2000 seien durch das weltweite Engagement gegen Tuberkulose und Malaria etwa 83 Millionen Menschenleben gerettet worden.
Diese Bilanz steht nun unter Druck. Die Deutschland-Direktorin der Entwicklungsorganisation ONE, Lisa Ditlman, und der Präsident der Global Alliance for TB Drug Development, Melvin Spigelman, warnten vor einer Entwicklung, die Fortschritte aus zwei Jahrzehnten gefährden kann.
Forschung kurz vor dem Durchbruch
Spigelman sagte, die Welt stehe bei Tuberkulose kurz davor, die Krankheit zu eliminieren. Die Behandlung akuter Tuberkulose sei deutlich kürzer geworden, die Kosten seien stark gesunken. Auch für Kinder seien Medikamente entwickelt worden, die altersgerecht verabreicht werden können.
Die TB Alliance arbeitet an neuen Wirkstoffen und Behandlungsschemata, auch gegen latente Tuberkulose. Diese Form der Infektion kann lange unbemerkt bleiben und später zur aktiven Erkrankung werden. Gerade hier entscheidet Forschung darüber, ob künftige Krankheitsfälle verhindert werden können.

Spigelman machte zugleich deutlich, dass die Arbeit stärker auf öffentliche und gemeinnützige Finanzierung angewiesen bleibt. Tuberkulose treffe größtenteils die „Ärmsten der Armen“. Für private Unternehmen sei die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe deshalb kaum profitabel.
Kürzungen treffen den Globalen Fonds
Ditlman nahm im Ausschuss die deutsche Rolle in den Blick. Deutschland gehört nach den USA weiterhin zu den größten Gebern des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria. Für die Jahre 2026 bis 2028 hat die Bundesregierung eine Milliarde Euro zugesagt.
Diese Zusage bleibt unter dem Niveau der Vorjahre. Auch andere Geber reduzieren ihre Beiträge oder stehen unter Haushaltsdruck. Für Programme gegen vermeidbare Krankheiten bedeutet das weniger Spielraum bei Behandlung, Prävention, Forschung und Versorgung in besonders betroffenen Ländern.
Ditlman verwies auch auf Deutschland. Therapieresistente Tuberkulosefälle treten hier ebenfalls auf. Ihre Behandlung ist deutlich teurer als Vorbeugung und frühzeitige Versorgung.
Medikamente ohne Kühlkette
Die AfD-Fraktion fragte im Ausschuss, wie die TB Alliance in Entwicklungsländern die Verteilung komplexer Medikamente sicherstellt. Spigelman sagte, seine Organisation entwickle von Beginn an Lösungen, die in den betroffenen Ländern funktionieren.
Dazu gehören Medikamente, die keine Kühlkette benötigen. Solche Vorgaben sind in Ländern mit schwacher Stromversorgung, langen Transportwegen oder überlasteten Gesundheitssystemen zentral. Auch Schulungen für medizinisches Personal gehören zur Arbeit der TB Alliance.
Die Organisation ist nicht profitorientiert und entwickelt neue Medikamente gegen Tuberkulose. ONE setzt sich als Entwicklungsorganisation unter anderem gegen vermeidbare Krankheiten ein.
Deutschland verspricht weiteres Engagement
In der Fragerunde thematisierten Abgeordnete von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken die Kürzungen im Etat des Bundesentwicklungsministeriums. Mehrfach ging es um mögliche Folgen für die Bekämpfung von Malaria und Tuberkulose.
Saathoff erklärte, die Bundesregierung werde in ihren Anstrengungen nicht nachlassen. Es gehe nicht nur um Gesundheitspolitik, sondern auch um Armutsbekämpfung, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.
Deutschland bleibe einer der größten staatlichen Geber beim Globalen Fonds, sagte Saathoff. Seit 2006 habe die Bundesregierung zudem die Globale Impfallianz GAVI mit mehr als drei Milliarden Euro unterstützt.
Klimawandel und Resistenzen verschärfen die Lage
Die Warnungen im Ausschuss gehen über Finanzierungsfragen hinaus. Klimatische Veränderungen können die Verbreitungsgebiete von Malaria verändern. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge und fragile Gesundheitssysteme erhöhen in vielen Ländern den Druck auf Prävention und Behandlung.
Zugleich nehmen Resistenzen gegen Pestizide und Arzneimittel zu. Bei Malaria erschwert das die Bekämpfung von Mücken und die Wirksamkeit von Medikamenten. Bei Tuberkulose sind resistente Formen besonders schwer und teuer zu behandeln.
Die Diskussion im Entwicklungsausschuss zeigte damit eine doppelte Belastung: Medizinische Fortschritte eröffnen neue Möglichkeiten, während sinkende Mittel und veränderte Krankheitsdynamiken bestehende Programme schwächen.

