Der UN-Sicherheitsrat drängt Sudan und Südsudan zu neuen Gesprächen über das umstrittene Gebiet Abyei. Die Beratungen fanden am 7. Mai 2026 in New York statt. UN-Vertreter warnten vor wachsender Gewalt, bewaffneten Gruppen und einer geschwächten Präsenz der UN-Friedensmission UNISFA. In den vergangenen sechs Monaten registrierte UNISFA 196 Sicherheitsvorfälle mit 58 Todesopfern.
Politischer Prozess bleibt blockiert
Abyei liegt zwischen Sudan und Südsudan. Der endgültige Status des Gebiets ist seit Jahren ungeklärt. Beide Regierungen bekräftigten zwar ihre Zusage, Abyei entmilitarisiert zu halten und gemeinsame Mechanismen wiederzubeleben. Treffen des Gemeinsamen Politischen und Sicherheitsmechanismus sowie des Gemeinsamen Aufsichtsausschusses für Abyei fanden im Berichtszeitraum jedoch nicht statt.
Martha Ama Akyaa Pobee, Beigeordnete Generalsekretärin in den UN-Abteilungen für politische Angelegenheiten und Friedenseinsätze, sagte, die Sicherheitslage habe sich in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert. Ursachen seien Kriminalität, Waffenverbreitung und die Präsenz nicht autorisierter bewaffneter Akteure.

Im Süden Abyeis hielten sich nach UN-Angaben weiterhin Kräfte der südsudanesischen Armee und Polizei an Kontrollpunkten auf und nutzten zivile Infrastruktur. Im Norden blieb die Präsenz der sudanesischen Rapid Support Forces besonders im Raum Goli und Diffra ein Grund zur Sorge.
Drohnenangriffe schwächen UN-Einsatz
Ein schwerer Einschnitt für UNISFA waren drei Drohnenangriffe auf die Logistikbasis Kadugli im Sudan. Dabei wurden im Dezember 2025 sechs Friedenstruppen aus Bangladesch getötet und neun weitere verletzt. Pobee sprach von einem schweren operativen Rückschlag für den Mechanismus zur Überwachung der entmilitarisierten Grenzzone.
UNISFA verlegte daraufhin Personal und schloss später alle zugehörigen Teamstandorte. Damit setzte die Mission ihre physische Präsenz in der sicheren entmilitarisierten Grenzzone erstmals seit Einrichtung des Mechanismus aus.
Eine reguläre Polizei für Abyei ist weiterhin nicht eingerichtet. In dieser Lücke übernehmen lokale Schutzkomitees polizeiliche Aufgaben, unterstützt von UNISFA.
Krieg im Sudan belastet Südsudan
Guang Cong, Sondergesandter des UN-Generalsekretärs für das Horn von Afrika, sagte, die Beziehungen zwischen Sudan und Südsudan würden weiter vom Krieg im Sudan geprägt. Seit Beginn des Konflikts 2023 sind mehr als 1,3 Millionen Flüchtlinge und Rückkehrer nach Südsudan geflohen. Das belastet die Versorgung mit Nahrung, Gesundheitsdiensten und Bildung.

Abyei selbst hat nach UN-Angaben mehr als 46.000 Flüchtlinge und Rückkehrer aufgenommen. Bei Gesprächen in der Region hätten lokale Behörden, traditionelle Führer, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie Frauen- und Jugendgruppen die fehlenden Fortschritte beim politischen Prozess kritisiert und zusätzliche UN-Polizeikräfte gefordert.
Sicherheitsrat fordert Rückzug bewaffneter Gruppen
Mehrere Mitglieder des Sicherheitsrats verlangten den Rückzug nicht autorisierter bewaffneter Kräfte. Der Vertreter der USA sagte, Washington sei frustriert über die fehlende Entschlossenheit Sudans und Südsudans, UNISFA zur Stabilisierung zu nutzen. „Wir können Frieden nicht mehr wollen als die Parteien selbst“, sagte er.
Liberia sprach auch im Namen der Demokratischen Republik Kongo und Somalias. Die UN-Mission sei unverzichtbar, könne politischen Willen aber nicht ersetzen. Chinas Vertreter sagte als Ratspräsident für Mai, jede endgültige Lösung für Abyei müsse politisch sein. Russland bezeichnete einen Abzug oder eine Verringerung der UN-Truppen als verfrüht, solange der endgültige Status Abyeis nicht geregelt sei.
Großbritannien forderte Aufklärung und Verantwortlichkeit für die Angriffe auf die UN-Basis in Kadugli. Die britische Delegation warnte zugleich vor sexualisierter Gewalt im Konflikt, darunter gegen Kinder.
Sudan und Südsudan weisen Vorwürfe zurück

Sudans Vertreter warf den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, die Rapid Support Forces mit Drohnen beliefert zu haben, die bei dem Angriff auf UNISFA eingesetzt worden seien. Khartum sei bereit, die im Abkommen von 2011 vorgesehenen Übergangsmechanismen einzurichten, darunter gemeinsame Polizei, Verwaltung und Legislative.
Südsudans Vertreterin bekräftigte die Verpflichtung ihres Landes zum Abkommen von 2011 und zu den einschlägigen Resolutionen des Sicherheitsrats. Die Entsendung südsudanesischer Kräfte nach Abyei sei nach interkommunaler Gewalt im Oktober 2022 erfolgt, um die Lage zu stabilisieren und Zivilisten zu schützen. Vorwürfe einer Nichtbeachtung des Statusabkommens wies sie zurück.

Kürzungen belasten UNISFA
In der Debatte ging es auch um die Einsatzfähigkeit von UNISFA. Panamas Vertreter sagte, eine Kürzung des Budgets um 15 Prozent beeinträchtige die Arbeit der Mission erheblich. Pakistan warnte davor, bei der Sicherheit von Personal, das Mandate des Sicherheitsrats ausführe, eine Kostengrenze zu ziehen.
Mehrere Delegationen verwiesen auf die Lage der Zivilbevölkerung. Bahrain nannte Waffenverbreitung, Landminen und bewaffnete Akteure in zivilen Einrichtungen. Kolumbien warnte, dass die Schließung der Teamstandorte und die ausbleibende Einrichtung einer Abyei-Polizei Zivilisten stärker gefährdeten.

