Türkei und Algerien bilden gemeinsame Front gegen Israel

Ankara und Algier rücken enger zusammen: Erdoğan und Tebboune stellen sich gemeinsam gegen Israels Vorgehen in Gaza und Libanon und wollen den Handel zwischen der Türkei und Algerien bis 2030 auf zehn Milliarden Dollar steigern.

Die Türkei und Algerien haben bei einem Spitzentreffen in Ankara ihre gemeinsame Linie gegen Israel bekräftigt und eine engere strategische Partnerschaft vereinbart. Am 7. Mai 2026 empfing Präsident Recep Tayyip Erdoğan den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune in der türkischen Hauptstadt. Beide Staatschefs stellten die Lage in Gaza, im Libanon und in Palästina in den Vordergrund ihrer Gespräche. Daneben vereinbarten Ankara und Algier, ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit in Energie, Bergbau, Verkehr, Landwirtschaft und erneuerbaren Energien auszubauen.

Gemeinsame Linie zu Gaza und Libanon

Tebboune und Erdoğan verurteilten in Ankara das Vorgehen Israels in Gaza und im Libanon. Der algerische Präsident sprach von Verstößen gegen das Völkerrecht und das humanitäre Völkerrecht durch die israelische Besatzung. Er verurteilte zudem Angriffe auf den Libanon und das Vorgehen Israels im Gazastreifen.

Beide Präsidenten verwiesen auf die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, diese Verstöße zu beenden und die Bemühungen um Frieden in der Region zu verstärken. Tebboune nannte dabei eine gerechte und dauerhafte Lösung, die die Rechte des palästinensischen Volkes sichern müsse, einschließlich des Rechts auf einen unabhängigen Staat.

Erdoğan stellte die türkische Position zur Zweistaatenlösung heraus. „Wir sind einer der stärksten Befürworter der Zweistaatenlösung in Palästina“, sagte der türkische Präsident. Er erinnerte daran, dass die Ausrufung des Staates Palästina am 15. November 1988 in Algerien erfolgte.

Algeriens Rolle im UN-Sicherheitsrat

Erdoğan würdigte die Unterstützung Algeriens für die palästinensische Sache während der Mitgliedschaft des Landes im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Algerien gehört in den Jahren 2024 und 2025 dem UN-Sicherheitsrat als nichtständiges Mitglied an.

Der türkische Präsident sagte, die israelische Aggression in Gaza, im Westjordanland und im Libanon habe erneut gezeigt, dass die Politik der aktuellen israelischen Regierung ein zentrales Sicherheitsproblem in der Region sei. Erdoğan bezeichnete diese Politik als expansionistisch, rechtswidrig und nicht regelkonform.

Auch die Lage am Horn von Afrika kam zur Sprache. Tebboune erklärte, beide Präsidenten hätten eine israelische Entscheidung verurteilt, die nach ihrer Darstellung die Souveränität und territoriale Integrität Somalias verletze. Sie sahen darin einen Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen und eine Bedrohung für Sicherheit und Stabilität in der Region.

Syrien bleibt Teil der regionalen Agenda

Erdoğan sprach in Ankara auch über Syrien. Die Türkei lege großen Wert auf die Stärkung von Sicherheit und Stabilität in Syrien, sagte er. Ankara werde weiter zur Umstrukturierung Syriens beitragen. Algerien hatte bis zuletzt den gestürzten syrischen Machthaber Assad unterstützt.

Damit verband Erdoğan die Gespräche mit einem breiteren regionalpolitischen Rahmen. Neben Palästina, Gaza und Libanon standen auch Syrien und die Lage am Horn von Afrika auf der Agenda des Treffens.

Strategischer Rat hebt Beziehungen auf neue Ebene

Das Treffen in Ankara markierte zugleich die erste Sitzung des algerisch-türkischen Strategischen Kooperationsrates auf hoher Ebene. Erdoğan und Tebboune hatten die Aufwertung dieses Mechanismus bei Erdoğans Besuch in Algerien im Jahr 2023 beschlossen.

Tebboune wurde in Ankara mit dem türkischen Staatsorden ausgezeichnet. Der türkische Präsident verwies auf historische Beziehungen zwischen beiden Ländern. „Der gegenseitige Respekt und die Zuneigung, die aus unserer gemeinsamen Geschichte erwachsen, bilden den Motor der türkisch-algerischen Beziehungen“, sagte Erdoğan.

Handel soll bis 2030 auf zehn Milliarden Dollar steigen

Nach dem politischen Teil rückten die wirtschaftlichen Vereinbarungen in den Fokus. Tebboune kündigte den Beginn von Verhandlungen über ein bevorzugtes Handelsabkommen zwischen Algerien und der Türkei an. Das Abkommen soll eine festgelegte Liste von Waren betreffen.

Der algerische Präsident sagte, dieses Abkommen solle dazu beitragen, Handelsvolumen und Investitionen bis 2030 auf zehn Milliarden Dollar zu erhöhen. Erdoğan erklärte, Ankara habe die Anstrengungen für dieses Ziel beschleunigt. Die Zielmarke war 2023 gesetzt worden.

Die Türkei zählt Algerien zu ihren größten Handelspartnern auf dem afrikanischen Kontinent. Erdoğan nannte Energie, Bergbau, Verkehr und Landwirtschaft als strategische Felder der Zusammenarbeit.

Energiepartnerschaft gewinnt zusätzliches Gewicht

Die Energiepolitik spielte in Ankara eine zentrale Rolle. Erdoğan sagte, der Krieg in der Region wirke sich besonders auf die Energiemärkte aus. Die Türkei habe mit Algerien über Jahre eine verlässliche, stabile und nachhaltige Energiezusammenarbeit aufgebaut.

Diese Partnerschaft solle vor allem bei der Versorgungssicherheit mit Erdgas weiterentwickelt werden. Erdoğan sprach zudem von Möglichkeiten in erneuerbaren Energien und neuen Technologien. Im Bergbau wollen beide Seiten gemeinsame Investitionen und Erfahrungsaustausch prüfen.

Tebboune nannte die Diversifizierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit als Ziel seiner Reise. Neue Partnerschaften sollen vor allem in erneuerbaren Energien, Landwirtschaft, Industrie und Bergbau entstehen.

Türkische Unternehmen bauen Präsenz in Algerien aus

Mehr als 1.600 türkische Unternehmen sind nach türkischen Angaben in Algerien aktiv. Sie arbeiten dort in Industrie, Bergbau, Landwirtschaft und weiteren Sektoren. Zu den wichtigsten türkischen Unternehmen im Land zählen der Stahlkonzern Tosyali und das algerisch-türkische Textilunternehmen Tayal.

Tebboune traf in Ankara Vertreter beider Unternehmen. Sie gehören zu den größten türkischen Wirtschaftsakteuren in Algerien.

Erdoğan sagte, die Türkei wolle die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Algerien in allen Bereichen auf Grundlage des Prinzips gegenseitigen Gewinns weiterentwickeln.

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