Südafrika übernimmt SADC-Vorsitz – Ramaphosa will Migrationskrise mit Freizügigkeit lösen 

Cyril Ramaphosa übernimmt die Führung der SADC. Seine Agenda verbindet Rohstoffe und Industrialisierung mit einem politisch heiklen Thema: mehr Freizügigkeit im südlichen Afrika – während Südafrika selbst mit fremdenfeindlichen Übergriffen kämpft.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa hat den Vorsitz der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika übernommen und will wirtschaftliche Integration, Migration sowie regionale Sicherheit auf die Agenda setzen. Die Amtsübergabe erfolgte am 17. August 2026 beim 46. ordentlichen SADC-Gipfel in Durban. Ramaphosa übernahm den Vorsitz vom simbabwischen Präsidenten Emmerson Mnangagwa. Seine einjährige Amtszeit beginnt in einer Phase, in der die Region mit Konflikten in der Demokratischen Republik Kongo und Mosambik, politischen Spannungen sowie zunehmenden Auseinandersetzungen über Migration konfrontiert ist.

Mehr Wertschöpfung aus Afrikas Rohstoffen

Wirtschaftlich will Ramaphosa die regionale Integration stärker mit der Industrialisierung des südlichen Afrika verbinden. Der Gipfel steht unter dem Leitmotiv einer widerstandsfähigen, nachhaltigen und inklusiven Industrialisierung durch Infrastrukturentwicklung sowie die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und kritischer Mineralien.

Ramaphosa forderte eine stärkere Verknüpfung der Volkswirtschaften durch Handel, Investitionen und gemeinsame Wertschöpfungsketten. Rohstoffe, Energie und landwirtschaftliche Produkte sollen demnach stärker innerhalb der Region verarbeitet werden, statt vorwiegend unverarbeitet exportiert zu werden.

„Wir werden daran arbeiten, die bereits erzielten Fortschritte zu festigen“, erklärte der südafrikanische Präsident. Gleichzeitig wolle die SADC Investitionen mobilisieren, regionale Infrastruktur ausbauen und Hindernisse für den Handel zwischen den Mitgliedstaaten abbauen.

Auch Jugendliche, Frauen und Unternehmer sollen stärker von der wirtschaftlichen Integration profitieren. Waren, Dienstleistungen und Fachkräfte müssten sich effizienter über die Grenzen der SADC-Staaten hinweg bewegen können, sagte Ramaphosa nach Angaben der mosambikanischen Nachrichtenagentur AIM.

SADC-Exekutivsekretär Elias Magosi bezifferte die Bevölkerung der Region beim Gipfel auf rund 382 Millionen Menschen. Das gemeinsame Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedstaaten liege bei mehr als 847 Milliarden US-Dollar.

Migration wird zum politischen Konfliktthema

Besonders sensibel ist die Frage der Personenfreizügigkeit. Ramaphosa übernimmt den Vorsitz, während Südafrika selbst mit fremdenfeindlichen Protesten und Angriffen gegen Migranten aus anderen afrikanischen Staaten konfrontiert ist.

Betroffen waren unter anderem Menschen aus Simbabwe, Malawi, Mosambik und der Demokratischen Republik Kongo. Im Juli organisierte die kongolesische Regierung einen ersten freiwilligen Rückführungsflug für 121 Staatsangehörige aus Südafrika, nachdem es zuvor zu fremdenfeindlichen Übergriffen gekommen war.

Ramaphosa hatte sich bereits vor dem Gipfel öffentlich von den Angriffen distanziert. „Wir sind zutiefst besorgt und beschämt darüber, dass in den vergangenen Monaten Staatsangehörige anderer Länder diskriminiert und misshandelt wurden“, sagte er nach Angaben der gabunischen Nachrichtenagentur AGP.

Der südafrikanische Präsident rief die SADC-Staaten dazu auf, eine Region zu schaffen, „in der sich Menschen aus eigener Entscheidung bewegen und nicht aus Verzweiflung“.

Südafrika fordert Freizügigkeitsabkommen

Auch Außenminister Ronald Lamola machte Migration zu einem Schwerpunkt des südafrikanischen SADC-Vorsitzes. Bereits beim Treffen des Ministerrats forderte er die Mitgliedstaaten auf, das SADC-Protokoll zur Freizügigkeit von Personen zu unterzeichnen.

Das Abkommen soll reguläre und geordnete Migration innerhalb des südlichen Afrika erleichtern. Bislang ist die regionale Personenfreizügigkeit deutlich weniger entwickelt als die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb des Staatenblocks.

„Wir hoffen, dass wir gemeinsam einen Weg zu umfassenden und dauerhaften Lösungen für die migrationspolitischen Herausforderungen unserer Region finden können“, sagte Lamola.

Die Debatte verbindet zwei unterschiedliche Entwicklungen. Einerseits sind die Volkswirtschaften des südlichen Afrika seit Jahrzehnten durch grenzüberschreitende Arbeitsmigration miteinander verbunden. Andererseits stehen Regierungen angesichts irregulärer Migration und innenpolitischer Spannungen zunehmend unter Druck.

Ostkongo bleibt auf der Sicherheitsagenda

Neben Wirtschaft und Migration soll die Sicherheitslage einen Schwerpunkt der neuen Präsidentschaft bilden. Ramaphosa kündigte an, gemeinsam mit den Mitgliedstaaten „Frieden, Sicherheit und Stabilität in unserer Region“ zu fördern.

Besonders die Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo beschäftigt die Organisation. SADC-Exekutivsekretär Magosi erklärte in Durban, die Situation bleibe Anlass zur Sorge. Die Organisation unterstütze diplomatische Initiativen zur Wiederherstellung von Frieden und zum Schutz der Zivilbevölkerung.

Die SADC hatte zuvor eigene Truppen in den Osten des Kongo entsandt. Die Mission wurde nach der Einnahme von Goma durch die AFC/M23 wieder abgezogen. Seitdem setzt die Organisation verstärkt auf diplomatische Prozesse.

Die kongolesische Delegation nutzte die Treffen in Durban, um die SADC über den im Rahmen der Washingtoner Vereinbarungen mit Ruanda vorgesehenen Plan zur Entwaffnung, Demobilisierung und Konzentrierung der FDLR zu informieren.

Ramaphosa erklärte, Frieden und Stabilität seien Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und regionale Integration.

Auch Mosambik und Madagaskar beschäftigen die SADC

Die Führung des SADC-Organs für Politik, Verteidigung und Sicherheit ging beim Gipfel an Eswatinis König Mswati III über. Das Gremium befasste sich mit mehreren politischen und sicherheitspolitischen Krisen der Region.

Dazu gehört neben der Demokratischen Republik Kongo der weiterhin andauernde bewaffnete Konflikt in Teilen der nordmosambikanischen Provinz Cabo Delgado.

Auch die politische Entwicklung in Madagaskar steht unter Beobachtung. Die SADC begleitet dort den politischen Übergangsprozess und fordert eine klare Grundlage für die Rückkehr zu einer verfassungsmäßigen Ordnung.

Parallel richtet sich die Aufmerksamkeit der Organisation auf Sambia, wo nach der Präsidentschafts- und Parlamentswahl vom 13. August die Auszählung der Stimmen von politischen Spannungen und zwischenzeitlichen Sicherheitsproblemen begleitet wurde.

Südafrika erinnert an Solidarität im Kampf gegen Apartheid

Bei der Übernahme des Vorsitzes stellte Ramaphosa die heutige Zusammenarbeit auch in einen historischen Zusammenhang. Die Staaten des südlichen Afrika hätten Südafrika während des Kampfes gegen die Apartheid Schutz und Unterstützung gewährt.

„Diese Länder haben uns geholfen, weil sie daran glaubten, dass kein Land unserer Region unter irgendeiner Form von Unterdrückung leben sollte“, sagte Ramaphosa.

Südafrika werde seinen Vorsitz deshalb auf „souveräne Gleichheit, gegenseitigen Respekt und Konsens“ ausrichten. Die Regierung wolle die Arbeit früherer SADC-Vorsitze fortsetzen und die Umsetzung der regionalen Vision 2050 vorantreiben.

Die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika umfasst 16 Mitgliedstaaten. Ihre Zusammenarbeit reicht von Handel und Infrastruktur über Energie und Migration bis zu regionaler Sicherheits- und Friedenspolitik.

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