Die Bundesregierung hält trotz des gescheiterten Einzugs in den UN-Sicherheitsrat an ihrem Anspruch fest und hat bereits zwei neue Kandidaturen für nichtständige Sitze angemeldet. Die Anmeldungen erfolgten am 4. Juni 2026, einen Tag nach der verlorenen Wahl in New York. Zugleich bekräftigt Berlin sein langfristiges Ziel, im Zuge einer Reform einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat zu erhalten. In der Wahl für die Amtszeit 2027 und 2028 war Deutschland erstmals mit einer Bewerbung für das Gremium gescheitert.
Die neuen Bewerbungen betreffen die Wahlperioden 2035 bis 2036 sowie 2043 bis 2044. Bereits am 5. Juni informierte die Bundesregierung alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen schriftlich über die Kandidaturen. Eine erneute Bewerbung für eine unmittelbar folgende Amtsperiode ist damit zunächst nicht vorgesehen.
Bundesregierung hält am ständigen Sitz fest
Auch das weitergehende Ziel eines ständigen deutschen Sitzes im UN-Sicherheitsrat bleibt unverändert. Auf die Frage des Bundestages, ob die Bundesregierung daran festhalte, antwortete sie ausdrücklich mit „Ja“.
Berlin begründet den Anspruch mit der aus seiner Sicht notwendigen Reform des Sicherheitsrates. Gemeinsam mit den G4-Partnern Brasilien, Indien und Japan setzt sich Deutschland für eine veränderte Zusammensetzung des mächtigsten UN-Gremiums ein.
Der Sicherheitsrat bilde „in seiner derzeitigen Zusammensetzung“ die geopolitischen Verhältnisse des 21. Jahrhunderts nicht mehr ab, erklärte die Bundesregierung. Zahlreiche UN-Mitgliedstaaten forderten deshalb Anpassungen bei Zusammensetzung und Arbeitsweise des Rates.
Deutschland scheiterte mit 104 Stimmen

Portugal erhielt 134 Stimmen, Österreich 131. Deutschland kam auf 104 Stimmen und verfehlte damit die notwendige Zweidrittelmehrheit von mindestens 127 Stimmen deutlich. Es war das erste Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen, dass eine deutsche Kandidatur für den Sicherheitsrat scheiterte. Zuvor war Deutschland sechsmal als nichtständiges Mitglied gewählt worden, zuletzt für die Jahre 2019 und 2020.
Die Bundesregierung wird damit 2027 und 2028 nicht an den Entscheidungen des UN-Sicherheitsrates mitwirken. Dies bezeichnet sie in ihrer Antwort als konkrete Folge der Nichtmitgliedschaft.
Bundesregierung nennt keine Stimmzusagen
Offen bleibt, wie stark das tatsächliche Ergebnis von den Erwartungen des Auswärtigen Amts abwich. Die Bundesregierung macht keine Angaben dazu, wie viele Staaten Deutschland vor der Abstimmung ihre Stimme zugesagt oder signalisiert hatten.
Zur Begründung verweist sie auf die Vertraulichkeit von Absprachen bei geheimen Wahlen in internationalen Organisationen. Auch die Differenz zwischen möglichen Zusagen und den tatsächlich erreichten 104 Stimmen beziffert sie nicht.
Das Auswärtige Amt habe den Stand der Wahlkampagne vor der Abstimmung fortlaufend evaluiert. Angaben zu internen Prognosen und Zwischenberichten veröffentlichte die Bundesregierung jedoch ebenfalls nicht.
Keine Erkenntnisse zu Kritik aus dem Globalen Süden
Zu möglichen Ursachen für das schlechte Abschneiden äußert sich die Bundesregierung nur eingeschränkt. Auf die Frage nach einem Zusammenhang mit deutschen Positionen im Nahost-Konflikt oder zum Krieg in der Ukraine verweist sie auf eine frühere Antwort an den Bundestag.
Auch für die These, dass Schwerpunkte der deutschen Entwicklungs- oder Außenpolitik die Unterstützung aus Staaten des Globalen Südens beeinträchtigt hätten, sieht die Bundesregierung keine belastbare Grundlage. „Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor“, heißt es in der Antwort.
Die beiden neuen Kandidaturen für 2035 bis 2036 und 2043 bis 2044 wurden bereits unmittelbar nach der Niederlage angemeldet. Parallel setzt Deutschland seine Zusammenarbeit mit den G4-Staaten für eine Erweiterung des Sicherheitsrates um zusätzliche ständige und nichtständige Mitglieder fort.

