Die Zentralafrikanische Republik und Russland bauen ihre Zusammenarbeit deutlich über die bisher dominierende militärische Partnerschaft hinaus aus und haben erstmals eine gemeinsame Regierungskommission für Wirtschaft, Handel, Wissenschaft und Technik einberufen. Die erste Sitzung fand am 30. September in Bangui statt. Beide Seiten verständigten sich auf 15 Kooperationsfelder, darunter Energie, Bildung, Gesundheit, Digitalisierung, Investitionen und Unternehmensentwicklung. Parallel verstärkten zentralafrikanische Streitkräfte mit russischer Unterstützung ihre Präsenz im Norden des Landes, nachdem Berichte über eine erneute Bedrohung der Grenzstadt Am-Dafock aufgekommen waren.
Die beiden Entwicklungen zeigen die inzwischen breite russische Präsenz in der Zentralafrikanischen Republik. Moskau ist nicht mehr nur über militärische Ausbilder und russische Sicherheitskräfte präsent. Bangui will die Beziehungen zunehmend auch auf Investitionen, Infrastruktur und wirtschaftliche Projekte ausweiten.
Bangui und Moskau vereinbaren 15 Kooperationsfelder
An der ersten Sitzung der russisch-zentralafrikanischen Regierungskommission nahmen mehrere Mitglieder der Regierung in Bangui sowie Vertreter unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche teil.
Zum Abschluss wurde ein gemeinsames Protokoll verabschiedet, das 15 Bereiche der Zusammenarbeit umfasst. Genannt werden unter anderem Energie, Bildung, Gesundheit und Unternehmensentwicklung.
Weitere Gespräche betrafen den Ausbau des bilateralen Handels, die digitale Transformation, öffentlich-private Partnerschaften sowie die Förderung von Investitionen und gemeinsamen Wirtschaftsprojekten.
Bangui soll Moskau nun eine Liste prioritärer Projekte übermitteln. Bei folgenden Treffen wollen beide Seiten außerdem neue Abkommen und Absichtserklärungen vorbereiten.
Die zweite Sitzung der Regierungskommission soll in Russland stattfinden. Dort sollen die ausgewählten Projekte weiter konkretisiert und mögliche Umsetzungsmechanismen festgelegt werden.
Russland soll stärker in Wirtschaft und Infrastruktur einsteigen
Die Regierung in Bangui versucht damit, die Kooperation mit Russland auf zusätzliche Bereiche auszudehnen. Bislang wird die Beziehung zwischen beiden Ländern international vor allem mit der Sicherheitszusammenarbeit und der Präsenz russischer Kräfte verbunden.
Die neue Kommission soll nun auch wirtschaftliche Beziehungen institutionalisieren. Neben Handel und Investitionen stehen Infrastruktur, Dienstleistungen und Unternehmenskooperationen auf der Agenda.

Damit entsteht ein zusätzlicher bilateraler Kanal zwischen Bangui und Moskau, über den konkrete Projekte ausgewählt, vorbereitet und politisch begleitet werden können.
Sicherheitslage in Am-Dafock erneut angespannt
Zeitgleich richtet sich die Aufmerksamkeit auf Am-Dafock im äußersten Norden der Zentralafrikanischen Republik an der Grenze zum Sudan.
Das zentralafrikanische Nachrichtenportal Ndjoni Sango berichtete am 30. September unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Informationen, Kämpfer des Rebellenführers Noureddine Adam würden sich etwa 50 Kilometer von Am-Dafock entfernt sammeln und könnten einen erneuten Angriff vorbereiten.
Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.
Nach Darstellung des Mediums sollen die Kämpfer Verstärkung und Fahrzeuge erhalten haben. Die zentralafrikanischen Streitkräfte FACA hätten daraufhin gemeinsam mit russischen Kräften ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
Genannt werden zusätzliche Patrouillen, verstärkte Aufklärung sowie die Vorverlegung von Einheiten.
Stadt an der Grenze zum Sudan bleibt Brennpunkt
Am-Dafock war bereits Ende Juni Schauplatz schwerer Kämpfe. Über Ablauf, Verantwortlichkeiten und Opferzahlen kursieren allerdings stark voneinander abweichende Darstellungen.
Regierungsnahe Stimmen machen bewaffnete Gruppen um Noureddine Adam für die damaligen Angriffe verantwortlich und stellen die russisch-zentralafrikanische Militärkooperation als zentralen Faktor für die Sicherung des Gebiets dar.
Das oppositionell ausgerichtete Portal Corbeau News Centrafrique erhebt dagegen schwere Vorwürfe gegen die Regierung und russische Wagner-Strukturen. Es behauptet, die Ereignisse vom 30. Juni seien gezielt inszeniert worden, um die weitere Präsenz von Wagner in der Zentralafrikanischen Republik zu rechtfertigen. Das Medium spricht von mehr als 40 Toten und behauptet, Kämpfer seien für eine vorgetäuschte Rebellenoffensive angeworben worden.
Für diese Darstellung legte der Bericht keine unabhängig überprüfbaren Belege vor. Auch die darin erhobenen Vorwürfe gegen Präsident Faustin-Archange Touadéra, Regierungsmitglieder und russische Akteure sind nicht unabhängig bestätigt.
Streit um die künftige russische Militärpräsenz
Hinter den widersprüchlichen Darstellungen steht zugleich die Frage, wie sich die russische Sicherheitspräsenz im Land künftig organisiert.
Russland hat seine militärischen Aktivitäten in mehreren afrikanischen Staaten in den vergangenen Jahren zunehmend unter dem staatlich kontrollierten Africa Corps gebündelt. In der Zentralafrikanischen Republik bestehen daneben gewachsene Verbindungen zu Strukturen, die aus dem Wagner-Netzwerk hervorgegangen sind.
Die Regierung in Bangui stellt die Zusammenarbeit mit Russland weiterhin als Bestandteil ihrer Sicherheitsstrategie dar. Präsident Touadéra erklärte bei den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten Ende August, sein Land werde sich keinem Druck beugen und auf Angriffe gegen die Zentralafrikanische Republik schnell reagieren.
Russland baut auch kulturelle Präsenz aus
Neben Sicherheit und Wirtschaft setzt Moskau zunehmend auf Bildungs- und Kulturangebote. Das Russische Haus in Bangui bietet jungen Zentralafrikanern kostenlose Sprach-, Bildungs- und Kulturangebote an.
Die Einrichtung dient zugleich als sichtbarer Bestandteil der russischen Präsenz in der Hauptstadt. Sprachkurse, kulturelle Veranstaltungen und Bildungsangebote sollen insbesondere junge Menschen erreichen.
Die Aktivitäten ergänzen damit die militärische, diplomatische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, die mit der neuen Regierungskommission nun einen weiteren institutionellen Rahmen erhält.

