Russland will Luftfahrtwaffen in Afrika produzieren – und stellt Kampfjet vor

Russland will in Afrika nicht mehr nur Waffen verkaufen. Rosoboronexport verhandelt mit mehreren Staaten über die lokale Produktion russischer Luftfahrtwaffen und Flugzeugtriebwerke.

Russland verhandelt mit mehreren afrikanischen Staaten darüber, russische Luftfahrtwaffen und Flugzeugtriebwerke künftig direkt auf dem Kontinent zu produzieren. Bekannt wurden die Gespräche am 7. September 2026, unmittelbar vor Beginn der internationalen Luftfahrtmesse im ägyptischen El Alamein. Der staatliche Rüstungsexporteur Rosoboronexport spricht von einer technologischen Zusammenarbeit mit mehreren afrikanischen Partnern, nennt jedoch keine beteiligten Länder. Damit könnte sich die russische Militärkooperation mit Afrika von klassischen Waffenlieferungen stärker auf gemeinsame Produktion und lokale Fertigung verlagern.

„Rosoboronexport arbeitet mit einer Reihe afrikanischer Partner daran, eine technologische Zusammenarbeit bei der Produktion russisch entwickelter Luftfahrtwaffen und Flugzeugtriebwerke aufzubauen“, sagte Unternehmenschef Alexander Michejew der russischen Nachrichtenagentur TASS.

Russland sei außerdem bereit, mit seinen Kunden über die lokale Herstellung moderner Luftfahrtausrüstung zu sprechen.

Vom Waffenexport zur Produktion vor Ort

Bislang beruht ein großer Teil der russischen Rüstungsbeziehungen zu Afrika auf dem Export fertiger Systeme, Ersatzteilen, Wartung und Ausbildung. Eine Fertigung in afrikanischen Staaten würde die Zusammenarbeit deutlich vertiefen.

Welche Ausrüstung konkret produziert werden könnte, ließ Michejew offen. Auch Angaben über Investitionsvolumen, mögliche Produktionsstandorte oder den Zeitplan machte Rosoboronexport nicht.

Die russische Seite spricht bislang lediglich von laufenden Gesprächen. Vereinbarungen mit einzelnen afrikanischen Regierungen wurden nicht bekanntgegeben.

Rosoboronexport unterhielt nach eigenen Angaben im Mai 2026 militärtechnische Kooperationsbeziehungen mit 46 afrikanischen Staaten. Afrika stellte damals rund 30 Prozent des Auftragsbestands des Unternehmens. Projekte zur technologischen Zusammenarbeit bezifferte der Exporteur auf mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar.

Russland nutzt Luftfahrtmesse in Ägypten als Schaufenster

Die Ankündigung fiel unmittelbar vor der zweiten Ausgabe der El Alamein International Airshow, die vom 8. bis 10. September am internationalen Flughafen El Alamein an der ägyptischen Mittelmeerküste stattfindet.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi eröffnete die Messe gemeinsam mit dem Präsidenten Zyperns. An den Flugvorführungen beteiligten sich neben Ägypten auch Teams aus Russland, Spanien, der Türkei, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich und Indien.

Russlands Rüstungsindustrie nutzt die Messe zugleich zur Präsentation neuer Systeme. Rostec zeigt dort die Exportversion des russischen Tarnkappenjägers Su-57E mit einem neuen Waffenpaket. Das Flugzeug soll während der Messe auch Flugvorführungen absolvieren.

Die Rostec-Tochter High Precision Systems präsentiert zudem erstmals außerhalb Russlands das Flugabwehrsystem „Bison“, das gegen niedrig fliegende Ziele und Drohnen eingesetzt werden soll.

Afrika bleibt wichtiger Markt für russische Luftfahrtsysteme

Militärische Luftfahrt gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Bereichen russischer Rüstungsexporte nach Afrika. Bereits beim Russland-Afrika-Gipfel 2019 erklärte Rosoboronexport, rund 80 Prozent der damaligen afrikanischen Rüstungskäufe aus Russland entfielen auf Flugzeuge, Hubschrauber und Luftverteidigungssysteme.

Russian Helicopters bezifferte den Bestand russischer beziehungsweise sowjetischer Hubschrauber auf dem Kontinent damals auf mehr als 900 Maschinen.

Auch das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI hatte Russland in den Jahren vor dem Ukraine-Krieg als wichtigsten Waffenlieferanten Afrikas ausgewiesen. Für den Zeitraum 2018 bis 2022 entfielen nach den damals veröffentlichten Daten rund 40 Prozent der afrikanischen Waffenimporte auf Russland.

Diese älteren Zahlen bilden die heutigen Marktanteile allerdings nur eingeschränkt ab. Sanktionen, der Krieg gegen die Ukraine und veränderte Beschaffungsstrategien afrikanischer Staaten haben den internationalen Rüstungsmarkt seitdem stark verändert.

Algerien bleibt zentraler russischer Rüstungspartner

Rosoboronexport nannte Algerien nicht als Teilnehmer der aktuellen Gespräche über lokale Produktion. Das nordafrikanische Land gehört jedoch seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Abnehmern russischer Militärtechnik auf dem Kontinent.

La Nouvelle Tribune verweist unter Berufung auf Rüstungsanalysten und internationale Fachmedien auf die enge Zusammenarbeit im Bereich Kampfflugzeuge. Dazu zählen russische Su-30MKA sowie weitere Systeme aus russischer Produktion.

Gerade Algerien zeigt damit, wie weit eine militärtechnische Partnerschaft über reine Lieferverträge hinausgehen kann. Ob das Land auch zu den Staaten gehört, mit denen Russland derzeit über eine lokale Produktion von Luftfahrtwaffen oder Triebwerken spricht, ist nicht bekannt.

Lokale Fertigung würde Abhängigkeiten verändern

Eine Produktion in Afrika würde für Rosoboronexport einen anderen Ansatz bedeuten als den traditionellen Export fertiger Waffen. Produktionsanlagen, technische Ausbildung, Wartung, Ersatzteilversorgung und gegebenenfalls Technologietransfer könnten stärker in die Partnerländer verlagert werden.

Für afrikanische Staaten könnte eine solche Kooperation den Zugang zu Wartung und Ersatzteilen erleichtern und eigene industrielle Fähigkeiten ausbauen. Gleichzeitig würde sie die langfristige Bindung an russische Technologien, Komponenten und Lieferketten vertiefen.

Welche Staaten diesen Weg einschlagen könnten, ließ Rosoboronexport zunächst offen.

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