Eine Drohne hat nach vorläufigen Ermittlungen einen Brand auf einem Flüssiggas-Schiff im ägyptischen Hafen Damietta ausgelöst. Der Vorfall ereignete sich am 29. Juli. Verletzt wurde niemand, die Energieversorgung Ägyptens blieb nach Regierungsangaben stabil. Die Afrikanische Union und die Europäische Union verurteilten den Vorfall als Angriff auf Ägypten und als Gefahr für die Sicherheit der Schifffahrt.
Überreste der Drohne wurden auf dem beschädigten Schiff gefunden und werden von einer ägyptischen Sicherheitsgruppe untersucht. Bislang hat sich keine Organisation zu dem Vorfall bekannt. Die Behörden wollen nun Herkunft, Flugroute und technische Eigenschaften des Fluggeräts ermitteln.
Regasifizierungsschiff aus dem Hafen geschleppt
Der Brand brach gegen 14.20 Uhr an zwei nebeneinanderliegenden Schiffen am Kai des Hafens von Damietta aus. Betroffen waren ein Regasifizierungsschiff und ein schwimmendes Speicherschiff.
Regasifizierungsschiffe nehmen verflüssigtes Erdgas auf, speichern es und wandeln es wieder in gasförmigen Zustand um. Sie sind damit ein wichtiger Teil der ägyptischen Energieversorgung.
Ministerpräsident Mostafa Madbouly erklärte, das Regasifizierungsschiff sei beschädigt worden. Das benachbarte Speicherschiff sei dagegen vollständig unversehrt geblieben.
Wegen des unter hohem Druck gelagerten Flüssigerdgases bestand nach Angaben der Regierung die Gefahr einer schweren Explosion. Vier ägyptische Schlepper zogen das brennende Schiff deshalb mehr als 3,5 Kilometer weit auf das offene Meer hinaus.
Die Löscharbeiten dauerten über Nacht etwa zwölf Stunden. Einsatzkräfte nutzten herkömmliche Löschmittel und Chemikalien. Drohnen überwachten die Entwicklung des Feuers und unterstützten die Einsatzleitung bei der Kontrolle der betroffenen Bereiche.
Der Brand war am frühen Morgen unter Kontrolle. Menschen kamen nicht zu Schaden.
Hafenbetrieb läuft trotz Einsatz weiter
Der Hafenbetrieb wurde während des Einsatzes nicht vollständig eingestellt. Rund 15 Handelsschiffe liefen Damietta nach Angaben Madboulys an oder verließen den Hafen.
Damietta liegt am Mittelmeer im Nildelta und gehört zu den wichtigsten ägyptischen Handels- und Umschlagplätzen. Der Hafen spielt auch bei der Einfuhr und Verarbeitung von Flüssigerdgas eine Rolle.
Die ägyptische Regierung setzte während des Brandes einen gemeinsamen Krisenmechanismus mehrerer Ministerien und Sicherheitsbehörden in Gang. Beteiligt waren unter anderem das Verkehrsministerium, das Ministerium für Erdöl und Bodenschätze sowie das Ministerium für Elektrizität und erneuerbare Energien.
Madbouly bezeichnete den Einsatz als „nationale Leistung“. Die schnelle Verlegung des Schiffes habe eine Ausweitung des Brandes verhindert.
Kraftwerke wechseln auf Heizöl und Diesel
Die ägyptische Regierung erklärte, der Vorfall habe weder zu Stromausfällen noch zu Engpässen bei der Energieversorgung geführt. Vorsorglich wurden Kraftwerke auf alternative Brennstoffe umgestellt.
Ein Teil der Anlagen arbeitet vorübergehend mit schwerem Heizöl und Diesel. Parallel aktivierte die Regierung weitere Reserven innerhalb des nationalen Energiesystems.
Ägypten stimmte sich außerdem mit Jordanien ab. Ein Ersatzschiff zur Regasifizierung, das im jordanischen Hafen Akaba stationiert ist, soll bei Bedarf in die ägyptische Versorgung eingebunden werden.
Damit will die Regierung den möglichen Ausfall des beschädigten Schiffes ausgleichen. Angaben zum Umfang der Schäden oder zur Dauer der Reparaturen lagen zunächst nicht vor.
Afrikanische Union warnt vor Übergreifen regionaler Konflikte
Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, verurteilte den Drohnenangriff „nachdrücklich“. Er erklärte Ägypten die volle Solidarität der Afrikanischen Union.
Youssouf würdigte die schnelle Reaktion der ägyptischen Behörden, durch die Todesopfer verhindert worden seien. Der Angriff verletze die Souveränität und territoriale Integrität eines Mitgliedstaates der Afrikanischen Union.
„Afrika darf nicht zum Schauplatz des Übergreifens von Konflikten werden, die außerhalb des Kontinents entstanden sind“, erklärte der AU-Kommissionsvorsitzende. Kritische zivile Infrastruktur dürfe solchen Gefahren nicht ausgesetzt werden.
Die Afrikanische Union rief alle Beteiligten zu größtmöglicher Zurückhaltung und Deeskalation auf. Sie bekräftigte zugleich ihre Unterstützung für das internationale Recht, die Sicherheit der Schifffahrt und den Schutz ziviler Infrastruktur.
EU sieht Gefahr für regionale Stabilität
Auch die Europäische Union verurteilte den Angriff auf die Schiffe im Hafen von Damietta. Die Tat stelle eine ernste Bedrohung der regionalen Stabilität und der maritimen Sicherheit dar, erklärte der Europäische Auswärtige Dienst.
Die EU erinnerte an die Verpflichtung, das internationale Recht sowie die Freiheit und Sicherheit der Schifffahrt einzuhalten. Brüssel bot Unterstützung für Maßnahmen zur Deeskalation an.
Zugleich verwies die Europäische Union auf ihre langjährige Partnerschaft mit Ägypten. Sie wolle gemeinsam mit den Staaten der Region die Sicherheit im Mittelmeerraum und im weiteren Nahen Osten stärken.
Die ägyptischen Ermittlungen dauern an. Die Behörden wollen auf Grundlage der technischen Auswertung der Drohnenreste über die offizielle Reaktion des Landes entscheiden.

