Russland kündigt Sicherheitsabkommen mit ECOWAS an – und bietet Vermittlung mit der AES an

Russland baut seine Rolle in Westafrika weiter aus: Nach der engen Sicherheitskooperation mit Mali, Burkina Faso und Niger kündigt Moskau nun ein Abkommen mit ECOWAS an. Lawrow bietet zugleich an, zwischen ECOWAS und der Sahel-Allianz AES Brücken zu bauen.

Russland will ein Kooperationsabkommen mit der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS schließen, das ausdrücklich auch die Sicherheitszusammenarbeit umfassen soll. Die Ankündigung machte Außenminister Sergej Lawrow am 17. August in Moskau nach Gesprächen mit seinem ghanaischen Amtskollegen Samuel Okudzeto Ablakwa. Gleichzeitig bot Moskau an, den Dialog zwischen ECOWAS und der von Mali, Burkina Faso und Niger gegründeten Allianz der Sahelstaaten zu unterstützen. Russland würde damit parallel zu seinen engen Beziehungen mit den drei AES-Staaten eine institutionelle Zusammenarbeit mit dem verbliebenen westafrikanischen Staatenbund aufbauen.

Memorandum soll auch Sicherheit umfassen

Lawrow erklärte, Russland unterhalte regelmäßige Kontakte zur Führung der ECOWAS und wolle diese Beziehungen weiter ausbauen. Ein entsprechendes Memorandum über die Zusammenarbeit solle demnächst unterzeichnet werden.

Ein konkreter Termin wurde zunächst nicht genannt. Nach Angaben der burkinischen Nachrichtenagentur AIB soll das Abkommen mehrere Bereiche umfassen, darunter ausdrücklich die Sicherheit.

„Ich denke deshalb, dass es im Interesse aller wäre, ausgehend von den aktuellen alltäglichen Sicherheitsbedürfnissen der Menschen in den westafrikanischen Ländern Brücken zu bauen und konkrete Maßnahmen zwischen ECOWAS und der Allianz der Sahelstaaten zu entwickeln“, sagte Lawrow. Russland sei bereit, dazu beizutragen.

Moskau will Brücke zwischen ECOWAS und AES schlagen

Der Vorstoß betrifft eine der zentralen politischen Bruchlinien in Westafrika. Mali, Burkina Faso und Niger verließen ECOWAS offiziell im Januar 2025 und schlossen sich in der Konföderation der Allianz der Sahelstaaten, AES, enger zusammen.

Die drei militärisch regierten Staaten hatten zuvor die gegen sie verhängten Sanktionen und den politischen Druck der ECOWAS scharf kritisiert. Parallel bauten sie ihre Zusammenarbeit untereinander in den Bereichen Außenpolitik, Verteidigung und Sicherheit aus.

Russland gehört inzwischen zu den wichtigsten internationalen Partnern der drei Staaten. Moskau versucht nun gleichzeitig, seine Beziehungen zur ECOWAS als Organisation zu institutionalisieren.

Lawrow begrüßte in diesem Zusammenhang die Politik des ghanaischen Präsidenten John Dramani Mahama. Dieser bemühe sich besonders um eine Normalisierung der Beziehungen zwischen ECOWAS und der AES. Russland teile diese Position vollständig, erklärte der Außenminister.

Ghana unterstützt Annäherung

Auch Ghana signalisierte Bereitschaft zu einer engeren Zusammenarbeit bei regionalen Sicherheitsfragen. Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa verwies bei den Gesprächen in Moskau auf die komplexe Sicherheitslage im Sahel.

Accra wolle nach Angaben von La Nouvelle Tribune mit Russland zusammenarbeiten, um Sicherheitsbemühungen in Mali, Burkina Faso und Niger zu unterstützen.

Ghana nimmt innerhalb der gegenwärtigen westafrikanischen Konstellation eine besondere Position ein. Das Land gehört weiterhin zur ECOWAS, während Präsident Mahama zugleich auf eine Wiederannäherung an die drei ausgetretenen Sahelstaaten setzt.

Lawrow stellte die geplante russische Zusammenarbeit mit ECOWAS ebenfalls in diesen regionalen Zusammenhang. Sicherheit in Westafrika könne nur durch die Zusammenarbeit aller Staaten der Region gestärkt werden.

Russland ist in den AES-Staaten bereits militärisch präsent

Mit Mali, Burkina Faso und Niger unterhält Russland bereits eine wesentlich weitergehende Sicherheitskooperation.

Moskau liefert den drei Staaten militärische Ausrüstung und unterstützt ihre Streitkräfte. Dazu gehören gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber und Systeme zur Luftverteidigung.

Russisches Militärpersonal ist ebenfalls in der Region präsent. Die russische Präsenz, die zunächst wesentlich durch die private Militärorganisation Wagner geprägt war, wurde zunehmend in das dem russischen Verteidigungsministerium unterstehende Africa Corps überführt.

Bei Konsultationen zwischen Russland und der AES am 8. und 9. Juli in Niamey hatte Moskau erneut zugesagt, die Fähigkeiten der Streitkräfte der drei Staaten zu stärken. Die Zusammenarbeit soll auch die gemeinsame militärische Struktur der AES umfassen.

Die sogenannte Einheitsstreitkraft der Konföderation soll Mali, Burkina Faso und Niger ermöglichen, ihre militärischen Kapazitäten im Kampf gegen jihadistische Gruppen stärker zu bündeln.

Sicherheit wird zum Bindeglied russischer Westafrika-Politik

Mit einem Memorandum mit ECOWAS würde Russland seine sicherheitspolitischen Beziehungen in Westafrika auf eine zweite regionale Ebene ausweiten.

Auf der einen Seite stehen die engen bilateralen und militärischen Beziehungen zu Mali, Burkina Faso und Niger. Auf der anderen Seite würde erstmals eine institutionalisierte Kooperation mit der ECOWAS hinzukommen, der weiterhin Staaten wie Ghana, Nigeria, Senegal und Côte d’Ivoire angehören.

Lawrows Angebot, zwischen beiden Regionalblöcken Brücken zu schlagen, erfolgte während des ersten Moskau-Besuchs Ablakwas als ghanaischer Außenminister. Bei den Gesprächen berieten beide Seiten neben regionalen Sicherheitsfragen auch über eine engere russisch-ghanaische Zusammenarbeit in Handel, Energie, Landwirtschaft, geologischer Erkundung und Rohstoffen.

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