Togo hat Vertreter der Sahel-Konföderation AES und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS in Lomé zusammengebracht und damit einen neuen Dialog über die künftige Zusammenarbeit in Westafrika angestoßen. Am 17. und 18. April trafen dort die Außenminister der AES, Vertreter der ECOWAS-Kommission sowie weitere regionale Akteure zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie trotz des politischen Bruchs zwischen beiden Blöcken wieder ein belastbarer Rahmen für Zusammenarbeit entstehen kann. Für die Region ist das bedeutsam, weil Mali, Burkina Faso und Niger ihre Beziehungen zur ECOWAS zuletzt grundlegend neu geordnet haben.
Togo sucht die Rolle des Vermittlers
Aus Sicht der Regierung in Lomé soll die neue Togo-Sahel-Strategie für die Jahre 2026 bis 2028 mehr sein als ein diplomatisches Signal. Togo will sich als Verbindungsglied zwischen den Sahel-Staaten und den Küstenländern Westafrikas positionieren und zugleich den Kontakt zwischen AES und ECOWAS offenhalten.
Außenminister Robert Dussey stellte die Linie seines Landes in Lomé offen heraus. Togo wolle „Brücken bauen, wo andere Mauern errichten“. Dahinter steht der Versuch, in einer zunehmend fragmentierten Region Gesprächskanäle zu sichern, ohne sich von den Sahel-Staaten abzuwenden und ohne die eigene Rolle in der ECOWAS aufzugeben.
Erstes sichtbares Signal zwischen zwei Lagern
Besonders wichtig war dabei das Treffen zwischen den Außenministern der AES und den Verantwortlichen der ECOWAS. An dem Gespräch nahmen Togos Außenminister Robert Dussey, der Präsident der ECOWAS-Kommission Omar Alieu Touray und der neu benannte Chefunterhändler Lansana Kouyaté teil. Für die AES saßen Abdoulaye Diop aus Mali, Bakary Yaou Sangaré aus Niger und Karamoko Jean Marie Traoré aus Burkina Faso mit am Tisch.

Zunächst diente das Treffen dazu, den neuen Unterhändler vorzustellen und die Linie seiner Mission mit den Sahel-Staaten abzugleichen. Am Ende stand jedoch mehr als ein bloßes Kennenlernen. Beide Seiten vereinbarten, zügig an einem formellen Kooperationsrahmen zu arbeiten, der die künftigen Beziehungen zwischen der AES und der ECOWAS rechtlich absichern soll.
Damit ist in Lomé erstmals seit längerer Zeit wieder ein konkreter politischer Arbeitsauftrag zwischen beiden Seiten sichtbar geworden.
Warum der Dialog für Westafrika heikel ist
Die AES ist der Zusammenschluss von Mali, Burkina Faso und Niger. Die drei Staaten haben sich nach ihrem Bruch mit der ECOWAS enger aneinandergebunden und ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Diplomatie und Entwicklung ausgebaut.
Die ECOWAS wiederum ist die zentrale Regionalorganisation Westafrikas. Sie steht für wirtschaftliche Integration, Freizügigkeit und politische Abstimmung in einer Region, die seit Jahren zugleich unter Terrorismus, Militärputschen und wachsenden geopolitischen Spannungen leidet.
Gerade deshalb wiegt jedes direkte Gespräch zwischen AES und ECOWAS schwer. Es geht nicht nur um diplomatische Formate, sondern um Verkehrswege, Handel, Grenzfragen, Sicherheit und die Frage, wie eng Westafrika trotz institutioneller Spaltung verbunden bleibt.
Die AES signalisiert Gesprächsbereitschaft
Die Vertreter der AES nutzten das Treffen in Lomé, um ihre Bereitschaft zum Dialog zu betonen, knüpften diese aber klar an politische Bedingungen. Burkina Fasos Außenminister Karamoko Jean Marie Traoré sagte, die AES bleibe offen, weil es vor allem darum gehe, „das Wesentliche zum Wohl der Bevölkerung Westafrikas als Ganzes zu bewahren“.
Auch Malis Außenminister Abdoulaye Diop schlug diesen Ton an, verband ihn jedoch mit einer klaren Botschaft. Initiativen für den Sahel müssten mit den betroffenen Staaten entwickelt werden, nicht über ihre Köpfe hinweg. Er warb dafür, „mit dem Sahel“ zu arbeiten und nicht „über den Sahel“ oder „im Sahel“, als handle es sich um einen Raum, den andere verwalten.
Mon intervention ce samedi 18 avril 2026 à Lomé, à l’occasion de la réunion de haut niveau sur la nouvelle stratégie du Togo pour le Sahel (2026-2028). pic.twitter.com/sldHY1kST5
— Amb. Abdoulaye Diop (@AbdoulayeDiop8) April 18, 2026
Darin steckt die politische Grundlinie der AES. Die drei Staaten suchen Kooperation, pochen aber zugleich auf Souveränität und wehren sich gegen jedes Format, das sie als äußere Einflussnahme verstehen.
Auch die ECOWAS setzt auf Verbindungen
Auf Seiten der ECOWAS klang der Ton in Lomé betont verbindend. Kommissionspräsident Omar Alieu Touray hob hervor, dass geografische Nähe, Geschichte, Kultur und familiäre Verbindungen stärker seien als die institutionellen Trennlinien der Gegenwart. Die Botschaft dahinter war klar: Selbst wenn sich politische Strukturen verändert haben, bleibt Westafrika eng miteinander verflochten.
Auch Vertreter der Afrikanischen Union schlugen in dieselbe Richtung. Mamadou Tangara, Sondervertreter der AU für Mali und den Sahel, nannte die AES eine geopolitische Realität, an der in der Region niemand mehr vorbeikomme. Damit verschiebt sich auch die Debatte über die künftige Ordnung in Westafrika. Nicht mehr die Frage, ob die AES bleibt, steht im Mittelpunkt, sondern wie sich das Verhältnis zwischen der neuen Konföderation und der ECOWAS praktisch regeln lässt.
Togos neue Sahel-Strategie als politischer Rahmen
Der Dialog fiel nicht zufällig auf diese Tage. Togo stellte in Lomé seine neue Sahel-Strategie 2026 bis 2028 vor. Sie folgt auf eine erste Fassung aus dem Jahr 2021 und umfasst fünf Schwerpunkte: politischen Dialog mit der AES, gutes nachbarschaftliches Verhältnis und friedliche Koexistenz, wirtschaftliche Kooperation, den Kampf gegen Terrorismus sowie regionale und internationale Diplomatie.
Damit reagiert Togo auf eine veränderte Lage in seiner Nachbarschaft. Das Land ist Mitglied der ECOWAS, grenzt aber zugleich direkt an Burkina Faso und ist damit von den sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Verschiebungen im Sahel unmittelbar betroffen. Lomé versucht deshalb, die eigene Außenpolitik so anzupassen, dass Kontakte zu den Sahel-Staaten ausgebaut werden, ohne den regionalen Rahmen der ECOWAS aufzugeben.
Zusammenarbeit soll nun formalisiert werden
Aus dem Treffen in Lomé ist vor allem ein politisches Signal hervorgegangen. AES und ECOWAS wollen ihre Kontakte nicht abreißen lassen und prüfen einen formellen Rahmen für die weitere Zusammenarbeit. Togo hat dafür seine Rolle als Vermittler offensiv angeboten.
Wie tragfähig dieser neue Ansatz wird, hängt nun daran, ob aus den Gesprächen konkrete Regeln und feste Arbeitsformate entstehen. In Lomé stand dafür zunächst der Wille im Vordergrund, den Gesprächsfaden zwischen beiden Seiten wieder aufzunehmen und regionale Kooperation trotz der neuen politischen Fronten offen zu halten.

