Mali ist erneut von koordinierten Angriffen auf militärische Ziele und eine Haftanstalt erschüttert worden. Am Samstag trafen Attacken mehrere Orte im Norden, Zentrum und Süden des Landes. Die malische Armee erklärte anschließend, die Lage sei unter Kontrolle. Rebellen des Fronts zur Befreiung des Azawad und die Al-Qaida-nahe Gruppe JNIM beanspruchten dagegen eigene Erfolge.
Angriffe von Anéfis bis Kéniéroba
Die Angriffe richteten sich gegen mehrere strategische Orte. Betroffen waren unter anderem Aguelhok, Anéfis und Gao im Norden, Sévaré im Zentrum sowie Kéniéroba südlich von Bamako.
Besonders angespannt blieb die Lage in Anéfis. Die Stadt liegt südlich von Kidal und gilt als wichtiger Zugangspunkt in Richtung der nordmalischen Region, die seit Monaten im Zentrum der Kämpfe zwischen den malischen Streitkräften, ihren russischen Partnern und bewaffneten Gruppen steht.
Der Front de libération de l’Azawad, kurz FLA, sprach von einer neuen Offensive. Sein Sprecher Mohamed Elmaouloud Ramadane bezeichnete die Angriffe als Beginn einer „Befreiung des Azawad“. Mit Azawad bezeichnen die separatistischen Kräfte den Norden Malis.
In Gao und Sévaré wurden ebenfalls Schüsse und Explosionen gemeldet. In Kéniéroba griffen bewaffnete Männer eine Haftanstalt an. Nach Angaben aus dem Strafvollzug wurden Fahrzeuge auf dem Gelände in Brand gesetzt. Ob es sich um einen Versuch handelte, Gefangene zu befreien, blieb zunächst unklar.
Armee meldet Kontrolle über betroffene Orte
Der Generalstab der malischen Streitkräfte erklärte, die Angriffe auf Aguelhok, Anéfis, Gao, Sévaré und Kéniéroba seien abgewehrt worden. Die Streitkräfte hätten Boden- und Lufteinheiten koordiniert eingesetzt und seien von militärischen Partnern unterstützt worden.
In Sévaré meldete die Armee die Tötung von rund zwanzig Angreifern. In Gao gab sie einen Toten und vier Verletzte in den eigenen Reihen an. Dort seien zudem sechs Angreifer getötet und ein Fahrzeug zerstört worden.
Die Armee kündigte weitere Such- und Sicherungsoperationen aus der Luft und am Boden an. Die Behörden stellten die Angriffe als gescheiterte Operation bewaffneter Gruppen dar. In mehreren betroffenen Orten blieben die Straßen zunächst leer, viele Bewohnerinnen und Bewohner hielten sich in ihren Häusern auf.
FLA und JNIM treten erneut parallel auf
Die Angriffe zeigen erneut die operative Nähe zwischen dem FLA und der JNIM, der Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin. Die JNIM ist mit Al-Qaida verbunden und gehört zu den aktivsten jihadistischen Gruppen im Sahel. Der FLA ist eine separatistische Bewegung, die im Norden Malis gegen die Zentralregierung kämpft.
Beide Akteure verfolgen unterschiedliche politische Ziele. Ihre parallelen Angriffe erhöhen jedoch den Druck auf die malische Armee. Bereits Ende April hatten JNIM und FLA koordinierte Attacken in mehreren Landesteilen ausgeführt. Damals waren unter anderem Bamako, Kati, Gao, Kidal, Mopti und Sévaré betroffen.
Die neue Angriffsserie trifft Mali in einer Phase, in der die Militärführung unter Assimi Goïta ihre Sicherheitsstrategie stark auf die nationale Armee und russische Unterstützung stützt. Westliche Militärmissionen wurden in den vergangenen Jahren zurückgedrängt oder beendet. Russlandnahe Kräfte, darunter Africa Corps, spielen inzwischen eine wichtige Rolle an der Seite der malischen Streitkräfte.
Kämpfe um Anéfis dauern an
Am Sonntag richtete sich der Blick erneut auf Anéfis. Dort sollen Kämpfe zwischen den malischen Streitkräften, russischen Kräften und FLA-Einheiten weitergegangen sein. Nach übereinstimmenden Berichten versuchten Regierungskräfte, Verstärkung aus Gao in den Raum Anéfis zu bringen.

Der FLA beanspruchte, einen Militärkonvoi zwischen Gao und Anéfis angegriffen und mehrere Fahrzeuge erbeutet zu haben. Auch die Zerstörung oder der Abschuss eines russischen Hubschraubers wurde von Rebellenkanälen gemeldet. Eine unabhängige Bestätigung durch die malische oder russische Seite lag zunächst nicht vor.
Die Lage in Anéfis bleibt militärisch bedeutsam, weil der Ort zwischen Gao und Kidal liegt. Kidal gilt seit Jahren als Schlüsselraum des Konflikts im Norden. Wer Anéfis kontrolliert, beeinflusst Bewegungen zwischen den nördlichen Kampfzonen und den weiter südlich gelegenen Versorgungsachsen.
Auswärtiges Amt warnt vor weiterer Eskalation
Auch Deutschland bewertet die Sicherheitslage in Mali als hochgefährlich. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das Land und fordert deutsche Staatsangehörige auf, Mali auf dem Luftweg zu verlassen. Vor Ausreisen über Land wird ausdrücklich gewarnt, weil Nationalstraßen Ziele terroristischer Gruppen sind.
Die Behörde verweist auf die Angriffe vom 4. Juli und auf die weiterhin volatile Sicherheitslage im gesamten Land. Besonders die Aktivitäten der JNIM im Süden hätten in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Seit September 2025 führten gezielte Angriffe auf Treibstofftransporte zeitweise zu massiver Treibstoffknappheit in Bamako.
Nach Einschätzung des Auswärtigen Amts besteht auch in der Hauptstadt ein erhöhtes Risiko für Anschläge. Mögliche Ziele sind vor allem Einrichtungen der Sicherheitskräfte und der Regierung, aber auch öffentliche Orte einschließlich des internationalen Flughafens.
Afrikanische Union stellt sich hinter Bamako
Die Afrikanische Union verurteilte die Angriffe auf mehrere Landesteile Malis. Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, sprach von koordinierten terroristischen Attacken und erklärte seine Solidarität mit den malischen Behörden und der Bevölkerung.
Die AU rief zugleich zu verstärkten gemeinsamen Anstrengungen gegen Terrorismus auf. Dabei verwies sie auf die Notwendigkeit, das humanitäre Völkerrecht zu achten und Zivilpersonen zu schützen.
Der frühere malische Premierminister Choguel Kokalla Maïga reagierte mit einem Aufruf zur nationalen Geschlossenheit. Er verurteilte die Angriffe des FLA und der JNIM und rief dazu auf, sich hinter die malischen Streitkräfte zu stellen. In seiner Erklärung sprach er von einem Angriff auf die Souveränität des Landes und verband seine Botschaft mit Unterstützung für die Allianz der Sahelstaaten.
Mali bleibt im Zentrum der Sahel-Krise
Mali wird seit 2020 von Militärregierungen geführt. Die Sicherheitslage hat sich trotz wiederholter militärischer Operationen weiter verschärft. Im Norden kämpfen separatistische Kräfte um territoriale Kontrolle, während jihadistische Gruppen ihre Angriffe im Zentrum und Süden ausweiten.
Die Angriffe vom 4. Juli zeigen, dass bewaffnete Gruppen gleichzeitig in weit auseinanderliegenden Landesteilen operieren können. Sie trafen nicht nur klassische Konfliktzonen im Norden, sondern auch Sévaré im Zentrum und Kéniéroba im Süden.
Für die malische Militärführung entsteht dadurch ein Konfliktbild mit mehreren Fronten. Die Armee muss strategische Orte im Norden sichern, staatliche Einrichtungen im Süden schützen und zugleich die Verkehrsachsen offenhalten, die für Versorgung, Militärbewegungen und den Alltag der Bevölkerung entscheidend sind.

