Russland und Ghana wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit ausweiten und dabei insbesondere gemeinsame Projekte in den Bereichen Energie, Landwirtschaft, geologische Erkundung und Rohstoffgewinnung vorantreiben. Die Pläne standen am 17. August 2026 im Zentrum von Gesprächen zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und seinem ghanaischen Amtskollegen Samuel Okudzeto Ablakwa in Moskau. Beide Regierungen wollen zudem ihre politische Abstimmung in den Vereinten Nationen und anderen multilateralen Foren intensivieren. Ein weiterer Schwerpunkt war die Vorbereitung des dritten Russland-Afrika-Gipfels, der im Oktober in Moskau stattfinden soll.
Energie und Rohstoffe rücken in den Mittelpunkt
Ablakwa hält sich vom 16. bis 19. August zu einem Arbeitsbesuch in Russland auf. Es ist seine erste Reise nach Moskau seit seiner Ernennung zum Außenminister Ghanas.
Bei den Gesprächen ging es nach Angaben des russischen Außenministeriums ausführlich um Möglichkeiten, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern auszubauen. Konkret nannte Moskau gemeinsame Projekte in der Energieversorgung, Landwirtschaft, geologischen Erkundung und Erschließung mineralischer Rohstoffe.
Damit rücken Bereiche in den Vordergrund, die sowohl für die ghanaische Wirtschaft als auch für Russlands wirtschaftliche Beziehungen zu afrikanischen Staaten eine wichtige Rolle spielen. Konkrete Projekte, Investitionsvolumen oder Zeitpläne wurden zunächst nicht genannt.
Lawrow bezeichnete Ghana zu Beginn der Gespräche als historisch einen der wichtigsten Partner Russlands in Westafrika. Er verwies dabei auf die Beziehungen zur Zeit des ersten ghanaischen Präsidenten Kwame Nkrumah und dessen Rolle in der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung.
Moskau setzt auf engere politische Kontakte
Neben den Wirtschaftsbeziehungen wollen beide Staaten auch ihre politischen Kontakte intensivieren. Nach Angaben des russischen Außenministeriums vereinbarten die Minister eine stärkere Abstimmung bei internationalen Fragen, insbesondere innerhalb der Vereinten Nationen und anderer multilateraler Organisationen.
Lawrow würdigte dabei auch die Rolle des früheren ghanaischen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, der die Vereinten Nationen von 1997 bis 2006 leitete. Annan sei während dieser Zeit ein enger persönlicher Freund gewesen und habe sich durch eine ausgewogene Haltung ausgezeichnet, sagte der russische Außenminister.

Lawrow hob außerdem die Rolle des ghanaischen Präsidenten John Mahama hervor. Dieser verfolge nach russischer Einschätzung sowohl innerhalb der Afrikanischen Union als auch international eine auf Zusammenarbeit ausgerichtete Politik.
Visaerleichterungen für Regierungsvertreter geplant
Im Umfeld des Besuchs war außerdem die Unterzeichnung eines Abkommens über visafreies Reisen für Inhaber diplomatischer und offizieller Pässe vorgesehen.
Das Abkommen soll insbesondere den Austausch zwischen Regierungsstellen, Außenministerien sowie Behörden aus den Bereichen Wirtschaft, Handel und Investitionen erleichtern. Auch Kontakte in Bildung und humanitärer Zusammenarbeit sollen davon profitieren.
In der nach Abschluss der Gespräche veröffentlichten Mitteilung des russischen Außenministeriums wurde allerdings nicht ausdrücklich bestätigt, dass das zuvor angekündigte Abkommen bereits unterzeichnet wurde.
Gespräche über Konflikte in Afrika
Lawrow und Ablakwa befassten sich auch mit Konflikten und Krisen auf dem afrikanischen Kontinent. Beide Seiten sprachen sich nach russischen Angaben dafür aus, regionale Konflikte vorrangig mit politischen und diplomatischen Mitteln zu lösen.
Afrikanische Staaten sollten dabei eine führende Rolle übernehmen und von der internationalen Gemeinschaft unterstützt werden.
Bereits zu Beginn des Treffens hatte Lawrow angekündigt, von Ablakwa eine Einschätzung zur Sicherheitslage auf dem Kontinent hören zu wollen. Trotz der Bemühungen der Afrikanischen Union und anderer internationaler Akteure dauerten mehrere Krisen weiter an.
Neben Afrika standen internationale Konflikte und geopolitische Entwicklungen auf der Agenda. Lawrow nannte unter anderem die Lage an der Straße von Hormus, Entwicklungen in Lateinamerika sowie die Beziehungen Russlands zu Europa.
Dritter Russland-Afrika-Gipfel in Moskau
Das Format gehört zu den zentralen Instrumenten Moskaus für den politischen und wirtschaftlichen Ausbau seiner Beziehungen zu afrikanischen Staaten. Ghana gehört zu den Ländern, mit denen Russland seine Zusammenarbeit über klassische diplomatische Beziehungen hinaus zunehmend auf Handel, Investitionen und konkrete Wirtschaftsprojekte ausrichten will.
Bei den Gesprächen mit Ablakwa standen dabei erstmals ausdrücklich mögliche gemeinsame Vorhaben in der geologischen Erkundung und im Rohstoffsektor neben Energie und Landwirtschaft auf der bilateralen Agenda.

