„Keine Rasse ist überlegen“: Mahama warnt vor Nationalismus und Ausgrenzung

Mahama nannte Deutschland in New York dennoch ausdrücklich gemeinsam mit den Niederlanden und Frankreich als einen der Staaten, bei denen Ghana positive Schritte hin zu einem Dialog über reparative Gerechtigkeit sehe.

Ghanas Präsident John Dramani Mahama hat vor einer Politik gewarnt, die nationale, ethnische oder religiöse Zugehörigkeit gegen andere Menschen richtet und damit Fremdenfeindlichkeit, Verfolgung und Gewalt befördert. Er sprach am Donnerstag, 24. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York. „Keine Rasse ist überlegen. Keine Nation ist minderwertig“, sagte Mahama und stellte die Gleichwertigkeit jedes Menschen an den Anfang seiner außenpolitischen Botschaft. Daraus leitete er Forderungen nach Aufarbeitung der Versklavung von Afrikanern, gleichberechtigter Partnerschaft mit Afrika, einer Reform des Sicherheitsrats und einheitlichen Maßstäben bei aktuellen Kriegen ab. 

Wenn Zugehörigkeit zur Waffe wird

Mahama begann seine Rede nicht mit Institutionen oder internationalen Machtverhältnissen, sondern mit der Frage, wohin Menschen gehören.

Er erzählte von seiner Herkunft aus Damongo im Norden Ghanas, von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen und den Sprachen, mit denen er aufgewachsen ist. Zugehörigkeit gebe Menschen Halt und verbinde sie mit ihrer Geschichte, ihren Familien und ihrer Kultur.

Doch genau diese Kraft könne politisch missbraucht werden.

„Wenn Zugehörigkeit aus politischem Kalkül zur Waffe gemacht wird, verwandelt sie sich in Nationalismus, Chauvinismus, Fremdenfeindlichkeit und gefährliche Vorurteile gegenüber Menschen, die als anders betrachtet werden“, sagte Mahama. Daraus könnten Diskriminierung, Vertreibung, Verfolgung und Krieg entstehen.

Seine Gegenposition formulierte er in wenigen Sätzen: „Keine Rasse ist überlegen. Keine Nation ist minderwertig. Das Leben keines Kindes ist weniger wert wegen der Sprache, die es spricht, des Glaubens, den es bekennt, seiner Hautfarbe oder des Landes seiner Geburt.“ 

Von Ausgrenzung führt Mahama zur Geschichte der Versklavung

Von dieser Warnung schlug Mahama den Bogen zur Geschichte Afrikas und zur transatlantischen Versklavung.

Im März hatte Ghana in der UN-Generalversammlung die Resolution 80/250 eingebracht. Darin werden der Handel mit versklavten Afrikanern und die rassistisch begründete Besitzversklavung als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet. Die Resolution wurde am 25. März mit 123 Stimmen gegen drei bei 52 Enthaltungen angenommen. 

Mahama erinnerte daran, dass Kritiker Ghana vorgeworfen hätten, alte Wunden wieder zu öffnen.

„Wir sind nicht gekommen, um zu spalten oder leere Urteile zu fällen. Wir sind gekommen, um Heilung zu suchen“, sagte er. Heilung verlange Wahrheit, Wahrheit verlange Anerkennung und Anerkennung müsse zu einer Form der Wiedergutmachung führen. 

Dabei sprach Mahama nicht nur über historische Erinnerung. Er verband Sklaverei und Kolonialismus mit heutigen internationalen Wirtschaftsstrukturen. Unfaire Handelsbeziehungen, hohe Schulden, die Bewertung afrikanischer Staaten an den Finanzmärkten und der Export unverarbeiteter Rohstoffe seien aus seiner Sicht Ausdruck fortbestehender Ungleichgewichte.

Deutschland enthielt sich bei Ghanas UN-Resolution

Deutschland gehörte im März zu den 52 Staaten, die sich bei der von Ghana eingebrachten Resolution enthielten. Die Bundesregierung begrüßte damals ausdrücklich die Initiative Ghanas und der Afrikanischen Union, erklärte aber, der Text werfe rechtliche und politische Probleme auf.

Berlin kritisierte insbesondere die Bezeichnung als „schwerstes“ Verbrechen gegen die Menschlichkeit, weil daraus eine Hierarchie verschiedener Verbrechen abgeleitet werden könne. Zudem sah die Bundesregierung Fragen hinsichtlich der rückwirkenden Anwendung internationalen Rechts. 

„Afrika sucht keine Almosen“

Aus der historischen Aufarbeitung entwickelte Mahama seine wirtschaftspolitische Forderung.

„Afrika sucht keine Almosen. Afrika sucht eine gleichberechtigte Partnerschaft, die auf gegenseitigem Respekt beruht“, sagte er.

Der Kontinent verfüge über die jüngste Bevölkerung der Welt, große landwirtschaftliche Flächen und zentrale Rohstoffe für die globale Energiewende. Daraus dürfe jedoch kein neuer Wettlauf um afrikanische Ressourcen entstehen.

Mahama warnte davor, dass der Abbau von Lithium, Kobalt, Kupfer und anderen strategischen Rohstoffen alte koloniale Strukturen reproduziere, wenn die eigentliche Verarbeitung und Wertschöpfung außerhalb Afrikas stattfinde.

„Wir werden unsere Mineralien zu Hause verarbeiten. Wir werden lokale Industrien aufbauen, die menschenwürdige Arbeitsplätze für unsere Jugend schaffen. Und wir werden den Wert unserer natürlichen Ressourcen in Afrika halten“, sagte er. 

Als Instrument dafür nannte er die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone AfCFTA, deren Sekretariat seinen Sitz in Accra hat. Sie soll innerafrikanischen Handel, Industrialisierung und regionale Wertschöpfung ausbauen.

Afrikas fehlender Sitz wird für Mahama zur Frage der Gleichheit

Mahama übertrug seine Argumentation anschließend auf die politischen Institutionen der Weltordnung.

Afrika habe rund 1,5 Milliarden Einwohner und stelle einen erheblichen Teil der UN-Mitgliedstaaten, verfüge aber weiterhin über keinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat.

„Das ist im 21. Jahrhundert grundsätzlich nicht hinnehmbar“, sagte der ghanaische Präsident.

Er forderte ständige afrikanische Sitze mit sämtlichen Rechten und Pflichten, einschließlich des Vetorechts, solange dieses Instrument im Sicherheitsrat besteht. „Die Reform des Sicherheitsrats ist kein Gefallen an Afrika. Sie ist eine Notwendigkeit für die Legitimität, Glaubwürdigkeit und das Überleben der Vereinten Nationen.“ 

Die Forderung entspricht der gemeinsamen Position der Afrikanischen Union. Ghana will sie zusätzlich auf kontinentaler Ebene vertreten. Das Land soll 2027 den Vorsitz der Afrikanischen Union übernehmen, Mahama damit für ein Jahr Vorsitzender der Staatenorganisation werden. 

Mahama verlangt gleiche Maßstäbe in Gaza, Sudan und Europa

Aus dem Prinzip der Gleichheit leitete Mahama schließlich seine Position zu aktuellen Kriegen ab.

Er warnte vor einer Entwicklung hin zu mehr unilateralem Handeln, einer Schwächung multilateraler Regeln und unterschiedlichen Maßstäben bei der Anwendung des Völkerrechts.

Besonders deutlich sprach er über Gaza. Die internationale Gemeinschaft müsse aufhören, „diplomatische Euphemismen“ für das Leiden der Zivilbevölkerung zu verwenden, sagte Mahama. Gleichzeitig verurteilte er ausdrücklich „alle terroristischen Handlungen der Hamas“ und bekräftigte Ghanas Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung, in der Israel und Palästina nebeneinander in Frieden und Sicherheit bestehen. 

Auch auf den Krieg im Sudan, die Sicherheitskrise im Sahel und Konflikte in Europa ging er ein. Der Maßstab müsse unabhängig vom Schauplatz derselbe bleiben: territoriale Integrität respektieren, Zivilisten schützen, humanitären Zugang ermöglichen und mutmaßliche Kriegsverbrechen verfolgen. Diese Forderungen formulierte Mahama als Grundsatz der ghanaischen Außenpolitik. 

Klimakrise als nächste Frage globaler Ungleichheit

Dasselbe Muster sah Mahama beim Klimawandel.

Afrika verursache nur einen kleinen Anteil der weltweiten Treibhausgasemissionen, leide aber besonders unter Dürren, Überschwemmungen, Küstenerosion und Wüstenbildung. Der Präsident bezeichnete den Klimawandel deshalb als „ultimativen Test globaler Gerechtigkeit“.

Industriestaaten müssten ihre Finanzierungszusagen erfüllen. Mahama verlangte vorhersehbare Zuschüsse, die keine neuen Schulden erzeugen, statt Kredite, die hoch verschuldete Staaten zusätzlich belasten.

Dabei verwies er auf Ghana selbst. Ende Juni hätten extreme Regenfälle innerhalb eines Tages mehr als 160 Millimeter Niederschlag in sieben Küstenregionen gebracht. Nach seinen Angaben kamen 39 Menschen ums Leben. 

Am Ende kehrte Mahama zu dem Gedanken zurück, mit dem er seine Rede begonnen hatte: Zugehörigkeit.

Der Flüchtling, der vor Gewalt fliehe, gehöre ebenso zur menschlichen Gemeinschaft wie ein Migrant auf der Suche nach Perspektiven, ein Kind in Gaza, Sudan oder der Ukraine oder die Nachfahren versklavter Afrikaner.

„Zugehörigkeit“ dürfe nicht dazu dienen, Mauern zu errichten, sagte Mahama, sondern müsse Menschen miteinander verbinden. 

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