Reparationen für Sklaverei – Ghana begrüßt Macrons Kurswechsel

Ghana bringt die Reparationsfrage weiter auf die internationale Agenda. Frankreich signalisiert Zusammenarbeit, der Code Noir soll aufgehoben werden, und Accra bereitet die nächste hochrangige Konferenz vor.

Ghana sieht in Frankreichs neuen Signalen zur Reparationsfrage einen diplomatischen Durchbruch in der internationalen Aufarbeitung von Sklaverei und kolonialem Unrecht. Am 23. Mai 2026 begrüßte Präsident John Dramani Mahama die Ankündigungen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Paris will mit Accra eine wissenschaftliche Kommission aufbauen und sich an der nächsten hochrangigen Reparationskonferenz in Ghana beteiligen. Der Schritt folgt auf eine von Ghana vorangetriebene Resolution der Vereinten Nationen zur transatlantischen Versklavung von Afrikanern.

Paris bewegt sich nach UN-Resolution

Macron hatte seine neuen Maßnahmen im Umfeld des 25. Jahrestags des französischen Gesetzes angekündigt, das Sklaverei als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennt. Ghana wertet die französische Bereitschaft zur Zusammenarbeit als eine der bislang konkretesten internationalen Reaktionen auf die UN-Resolution vom März 2026.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte am 25. März 2026 eine von Ghana geführte Resolution angenommen. Sie bezeichnet die transatlantische Versklavung von Afrikanern als schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit. 123 Staaten stimmten dafür, drei dagegen, 52 enthielten sich.

Mahama, der auch als Beauftragter der Afrikanischen Union für Reparationsgerechtigkeit auftritt, lobte Macron für eine „ehrliche, offene, versöhnliche und beispielhafte Führung“ in dieser Frage. Ghana sprach von einer Entwicklung, die die internationale Debatte von der Anerkennung historischen Unrechts stärker in Richtung politischer und institutioneller Schritte verschiebe.

Gemeinsame Kommission soll in Ghana arbeiten

Accra und Paris wollen eine ghanaisch-französische wissenschaftliche Kommission einrichten. Sie soll in Ghana angesiedelt werden und Forschung, Dialog und Zusammenarbeit zu historischen Unrechtsformen und Reparationsprozessen vertiefen.

Macron hat zudem eine Einladung Mahamas angenommen, bei der High-Level Next Steps Conference on Reparatory Justice in Accra zu sprechen. Die Konferenz ist vom 17. bis 19. Juni 2026 geplant. Ghana erwartet dort Staats- und Regierungsvertreter, Minister, Wissenschaftler, zivilgesellschaftliche Organisationen und Reparationsinitiativen aus Afrika, der Karibik, Europa und Amerika.

Die ghanaische Regierung will mit internationalen Partnern über mehrere Fragen sprechen. Dazu gehören offizielle Entschuldigungen, Garantien der Nichtwiederholung, die Rückgabe geraubter Kulturgüter, Heilungsinitiativen, mögliche Entschädigungsmechanismen, die Aufhebung von Gesetzen aus der Sklavereizeit und der Umgang mit den langfristigen Folgen von Sklaverei.

Frankreich will Code Noir aufheben

Ghana begrüßte auch Frankreichs Absicht, den sogenannten Code Noir aufzuheben. Der Rechtsrahmen wurde im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV. eingeführt und regelte Sklaverei in französischen Kolonien. Historiker und Menschenrechtsvertreter sehen darin eines der zentralen juristischen Instrumente der französischen Sklavenordnung.

Die ghanaische Regierung wertet Macrons Anerkennung, dass solche Rechtsnormen mit heutigen demokratischen Grundsätzen unvereinbar seien, als Schritt zu einer offeneren historischen Aufarbeitung. „Ehrliche Abrechnung ist die notwendige Grundlage für alles, was folgt. Wir begrüßen Frankreichs Bereitschaft, diese Arbeit zu beginnen“, erklärte das ghanaische Außenministerium.

Macron blieb in seiner Rede bei konkreten finanziellen Entschädigungen zurückhaltend. Zugleich öffnete er die französische Debatte stärker für den Begriff der Reparationen, der in Frankreich lange politisch umstritten war.

Ghana stärkt seine Rolle in der Reparationsdebatte

Ghana hat sich in den vergangenen Jahren zu einer zentralen Stimme der globalen Reparationsbewegung entwickelt. Das Land verbindet seine historische Rolle im transatlantischen Sklavenhandel mit diplomatischen Initiativen innerhalb der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen.

Die Debatte reicht über finanzielle Entschädigungen hinaus. Sie umfasst die Anerkennung historischen Unrechts, die Rückgabe geraubter Kulturgüter, Bildungsprogramme, institutionelle Verantwortung und den Umgang mit sozialen Folgen von Sklaverei und kolonialer Ausbeutung.

Frankreichs neue Bereitschaft zur Zusammenarbeit verschiebt die Reparationsfrage stärker in den Bereich direkter staatlicher Diplomatie. Ghana will die Konferenz in Accra nutzen, um aus der UN-Resolution praktische Vorschläge und internationale Arbeitsformate zu entwickeln.

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