Nach Jahren der Spannungen: Mali und Côte d’Ivoire wollen gemeinsam dschihadistischer Gruppen bekämpfen

Mali und Côte d’Ivoire nehmen nach Jahren politischer Spannungen direkte Geheimdienstgespräche auf. Im Fokus stehen Terrorismusbekämpfung und Grenzsicherheit.

Mali und Côte d’Ivoire suchen nach Jahren politischer Spannungen wieder den direkten Austausch ihrer Geheimdienste, um gemeinsam gegen terroristische Gruppen vorzugehen. Vom 15. bis 17. Oktober 2026 hielt sich der ivorische Geheimdienstkoordinator Vassiriki Traoré zu einem dreitägigen Arbeitsbesuch in Bamako auf. Die Gespräche fanden auf Einladung des malischen Geheimdienstchefs Modibo Koné statt. Beide Nachbarstaaten stehen vor einer wachsenden dschihadistischen Bedrohung, während ihre politischen Beziehungen seit den Militärputschen in Mali erheblich belastet sind.

Geheimdienstchefs beraten über gemeinsame Terrorismusbekämpfung

Vassiriki Traoré, nationaler Geheimdienstkoordinator der Côte d’Ivoire, traf in Bamako mit Vertretern der malischen Sicherheitsbehörden zusammen. Gastgeber war General Modibo Koné, Generaldirektor der malischen Staatssicherheitsbehörde ANSE.

Im Mittelpunkt standen nach Informationen aus Sicherheitskreisen die Bekämpfung terroristischer Gruppen und die Stärkung der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit.

Konkrete Vereinbarungen oder neue gemeinsame Sicherheitsmaßnahmen wurden zunächst nicht bekannt. Der Besuch stellt jedoch einen direkten Kontakt zwischen den Sicherheitsführungen zweier Staaten her, deren Beziehungen seit mehreren Jahren von politischen Gegensätzen geprägt sind.

Koné gehört zu den einflussreichen Vertretern des malischen Sicherheitsapparats. Er zählt zum Umfeld jener Militärs, die im August 2020 die Macht in Mali übernahmen. Seine Einladung an den ivorischen Geheimdienstkoordinator bringt damit zwei hochrangige Vertreter der Sicherheitsstrukturen unmittelbar miteinander ins Gespräch.

Dschihadistische Gruppen bedrohen gemeinsame Grenzregion

Mali und Côte d’Ivoire teilen eine lange Grenze, deren Kontrolle durch weitläufige und teilweise schwer zugängliche Gebiete erschwert wird. Bewaffnete dschihadistische Gruppen haben ihre Aktivitäten in den vergangenen Jahren aus dem zentralen Sahel zunehmend in Richtung der südlichen Nachbarstaaten ausgeweitet.

Auch der Norden der Côte d’Ivoire war bereits von Angriffen betroffen. Die dortigen Sicherheitskräfte müssen verhindern, dass bewaffnete Gruppen aus Mali und Burkina Faso grenzüberschreitende Rückzugsräume und Versorgungswege aufbauen.

Ein regelmäßiger Austausch der Geheimdienste kann den Behörden helfen, Bewegungen bewaffneter Gruppen, mögliche Anschlagsvorbereitungen und grenzüberschreitende Netzwerke zu erkennen.

Die Sicherheitslage betrifft zugleich eine der wichtigsten Wirtschaftsverbindungen Westafrikas. Der Transportkorridor zwischen Abidjan und Bamako verbindet das westafrikanische Binnenland mit den ivorischen Häfen. Mali nutzt diese Route für einen Teil seiner Importe und Exporte. Angriffe oder anhaltende Unsicherheit entlang der Verkehrswege können deshalb auch den regionalen Warenverkehr beeinträchtigen.

Militärputsche und Bündniswechsel belasteten die Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Abidjan und Bamako verschlechterten sich nach den Militärputschen in Mali im August 2020 und Mai 2021. Während die ivorische Regierung ihre traditionellen internationalen Partnerschaften und ihre Zusammenarbeit mit Frankreich fortsetzte, schlug die malische Militärführung einen anderen außenpolitischen Kurs ein.

Bamako baute die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Russland aus und beendete die bisherige militärische Kooperation mit Frankreich. Gleichzeitig nahmen die Spannungen mit der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, französisch CEDEAO, zu.

Mali, Burkina Faso und Niger gründeten schließlich die Allianz der Sahelstaaten (AES) und verließen gemeinsam die ECOWAS. Die Côte d’Ivoire blieb dagegen Mitglied der westafrikanischen Regionalorganisation.

Die unterschiedlichen politischen Bündnisse erschwerten auch die regionale Abstimmung in Sicherheitsfragen. Gerade bei der Bekämpfung grenzüberschreitender bewaffneter Gruppen sind die Sicherheitsbehörden der Nachbarstaaten jedoch auf Informationen über Entwicklungen jenseits ihrer eigenen Staatsgrenzen angewiesen.

Annäherung in einer Phase regionaler Gespräche

Der Besuch des ivorischen Geheimdienstkoordinators fällt in eine Phase neuer diplomatischer Kontakte zwischen der ECOWAS und der Allianz der Sahelstaaten.

Am 17. Oktober kamen in Dakar Delegationen beider Organisationen zu ministeriellen Konsultationen zusammen. Die Delegationsleiter würdigten die Fortschritte der Gespräche und bekräftigten ihre Bereitschaft, den Dialog über einen erneuerten Kooperationsrahmen fortzuführen.

Mali gehört gemeinsam mit Burkina Faso und Niger zur AES, während die Côte d’Ivoire innerhalb der ECOWAS eine bedeutende politische und wirtschaftliche Rolle einnimmt.

Ob die Gespräche zwischen den Geheimdienstchefs in Bamako Teil einer breiteren regionalen Verständigung sind, wurde nicht offiziell bestätigt. Auch über weitere Treffen oder die Wiederaufnahme formeller gemeinsamer Sicherheitsmechanismen liegen bislang keine konkreten Ankündigungen vor.

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