Mali will „Freund der USA“ bleiben – Bamako setzt nach Jahren der Spannungen auf neuen Dialog

„Mali möchte weiterhin Freund der Vereinigten Staaten bleiben“: Außenminister Abdoulaye Diop sendet nach Jahren angespannter Beziehungen ein deutliches Signal an Washington. Gleichzeitig bleibt Russland ein zentraler Sicherheitspartner Bamakos.

Mali will seine Beziehungen zu den USA erhalten und trotz jahrelanger diplomatischer Spannungen die Zusammenarbeit mit Washington ausbauen. Die Erklärung fiel am 4. September 2026 in Bamako. Außenminister Abdoulaye Diop sprach beim Abschied der bisherigen US-Botschafterin Rachna Korhonen ausdrücklich von einer langfristigen Partnerschaft und nannte Bergbau, Agroindustrie und Technologie als mögliche Felder für engere wirtschaftliche Beziehungen.

„Mali möchte weiterhin Freund der Vereinigten Staaten bleiben und Freund aller Länder sein, die Freunde Malis sein wollen, in gegenseitigem Respekt“, sagte Diop nach Angaben der staatlichen malischen Nachrichtenagentur AMAP. Er räumte zugleich ein, dass die Beziehungen in den vergangenen Jahren „sehr angespannte“ und „sehr schwierige“ Phasen durchlaufen hätten.

Bamako setzt auf Beziehungen jenseits politischer Konflikte

Diop würdigte Korhonens Bemühungen, den Gesprächskanal zwischen beiden Regierungen trotz ihrer Differenzen offen zu halten. Der Außenminister hob insbesondere ihren Einsatz für wirtschaftliche und kommerzielle Beziehungen hervor.

Korhonen, deren Amtszeit am 1. September endete, verwies ebenfalls auf Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit. Sie nannte Handel, Wirtschaft und Wissenschaft sowie die gemeinsame Forschung zur Bekämpfung von Malaria. Zudem sprach sie sich für engere Kontakte zwischen malischen und amerikanischen Unternehmen aus.

Die Diplomatin hatte ihre Beglaubigung im März 2023 bei Übergangspräsident Assimi Goïta eingereicht. Ihre Amtszeit fiel damit in eine Phase tiefgreifender Veränderungen der malischen Außen- und Sicherheitspolitik.

USA haben ihren Kurs gegenüber Mali verändert

Das Signal aus Bamako folgt auf vorsichtige Schritte beider Seiten zu einer engeren Zusammenarbeit. Im März 2026 näherten die USA und Mali sich einer Vereinbarung über die Wiederaufnahme amerikanischer Aufklärungsflüge über malischem Gebiet zur Beobachtung jihadistischer Gruppen. Washington hatte zuvor Sanktionen gegen malische Verteidigungsvertreter aufgehoben, was die malische Regierung als Voraussetzung für eine Verbesserung der Beziehungen angesehen hatte.

Diese Entwicklung deckt sich mit der Wortwahl Diops. Malis Regierung betont in ihren internationalen Beziehungen seit Jahren nationale Souveränität und die Anerkennung eigener politischer Entscheidungen als Grundlage einer Zusammenarbeit.

Russland bleibt zentraler Sicherheitspartner

Eine Öffnung gegenüber Washington bedeutet bislang keine Abkehr von Malis enger sicherheitspolitischer Zusammenarbeit mit Russland. Nach dem Abzug französischer und internationaler Truppen verlagerte Bamako seine militärische Kooperation zunehmend auf russische Partner.

Russlands Africa Corps unterstützt die malischen Streitkräfte weiterhin im Kampf gegen bewaffnete islamistische Gruppen. Die Einheit untersteht dem russischen Verteidigungsministerium und hat einen Großteil der früheren Aktivitäten der Wagner-Gruppe in Mali übernommen.

Auch beim Abschiedsessen für Korhonen war diese parallele Beziehung sichtbar. Der russische Botschafter Igor Gromyko würdigte die scheidende US-Diplomatin im Namen des diplomatischen Korps und hob ihre Arbeit in Bamako hervor.

Damit verfolgt die malische Führung weiterhin Beziehungen zu unterschiedlichen internationalen Partnern. Diops Formulierung, Mali wolle mit allen Staaten befreundet sein, die ihrerseits Beziehungen zu Mali suchten, stellte Washington ausdrücklich in diesen breiteren außenpolitischen Ansatz.

Wirtschaftliche Beziehungen bleiben begrenzt

Zwischen den politischen Signalen und den wirtschaftlichen Beziehungen besteht allerdings weiterhin eine deutliche Lücke. Mali ist auch 2026 nicht für die Handelspräferenzen des African Growth and Opportunity Act, kurz AGOA, zugelassen. Das US-Programm ermöglicht berechtigten afrikanischen Staaten einen erleichterten Zugang zum amerikanischen Markt.

Der gesamte Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen beiden Ländern erreichte 2025 nach Angaben des Büros des US-Handelsbeauftragten rund 235,6 Millionen Dollar. Das waren knapp 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Der reine Warenhandel belief sich auf rund 39,6 Millionen Dollar.

Diop stellte bei dem Treffen vor allem Bergbau, Agroindustrie und Technologie als Bereiche heraus, in denen sich die Wirtschaftsbeziehungen entwickeln könnten. Korhonen hatte bereits Ende August dafür geworben, den direkten Austausch zwischen Unternehmen beider Länder auszubauen und lokale malische Initiativen stärker zum Ausgangspunkt wirtschaftlicher Kooperation zu machen.

Kurz vor ihrem Abschied empfing auch Übergangspräsident Assimi Goïta die US-Botschafterin. Bei dem Treffen standen die Bilanz ihrer Amtszeit und Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit zwischen Mali und den Vereinigten Staaten im Mittelpunkt.

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