ECOWAS und Sahel-Allianz AES verhandeln über neue Zusammenarbeit nach Bruch

Nach dem Bruch zwischen der ECOWAS und den Militärregierungen von Mali, Burkina Faso und Niger verhandeln beide Seiten über neue Beziehungen. Gemeinsame Arbeitsgruppen sollen ein Abkommen zu Handel, Freizügigkeit und Sicherheit vorbereiten.

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS und die Allianz der Sahelstaaten (AES) haben vereinbart, gemeinsame Arbeitsgruppen einzurichten, die ein neues Kooperationsabkommen zwischen beiden Organisationen vorbereiten sollen. Die Einigung erfolgte am Samstag, 17. Oktober 2026, bei den ersten formellen Verhandlungen auf Ministerebene in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Knapp zwei Jahre nach dem Austritt von Mali, Burkina Faso und Niger aus der ECOWAS wollen beide Seiten ihre wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und grenzüberschreitenden Beziehungen auf eine neue Grundlage stellen. Im Mittelpunkt stehen der freie Personen- und Warenverkehr, Handel sowie die Zusammenarbeit bei regionalen Sicherheitsfragen.

Die Verhandlungen wurden gemeinsam vom senegalesischen Außenminister Cheikh Niang, dem amtierenden Vorsitzenden des ECOWAS-Ministerrats, und seinem burkinischen Amtskollegen Karamoko Jean-Marie Traoré geleitet, der dem ministeriellen Lenkungsausschuss der AES vorsteht.

In einer gemeinsamen Erklärung betonten beide Delegationen ihren Willen, einen ausgewogenen und realistischen Kooperationsrahmen zu schaffen, der die Interessen der Bevölkerung in Westafrika wahrt. Als Grundlagen ihrer künftigen Beziehungen nannten sie gute Nachbarschaft, gegenseitigen Respekt, staatliche Souveränität und die Würde der Menschen.

Gemeinsame Arbeitsgruppen sollen Rahmenabkommen vorbereiten

Die Delegationen verständigten sich darauf, gemeinsame thematische Arbeitsgruppen einzusetzen. Diese sollen technische Verhandlungen führen und die Grundlagen für ein Rahmenabkommen zwischen der ECOWAS und der AES erarbeiten.

Die Ergebnisse sollen den zuständigen Ministern vor ihrer nächsten Verhandlungsrunde vorgelegt werden. Termin und Ort des nächsten Ministertreffens stehen noch nicht fest und sollen auf diplomatischem Weg vereinbart werden.

Bereits vor Beginn der Gespräche hatte die ECOWAS-Kommission einen Entwurf für ein umfassendes Rahmenabkommen vorbereitet. Dieser umfasst nach Angaben ihres Vorsitzenden Birame Diop insgesamt 18 prioritäre Handlungsfelder, die in fünf größere Themenbereiche gegliedert sind.

Dazu gehören insbesondere die Freizügigkeit von Personen und Waren, wirtschaftlicher Austausch, Sicherheit und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Die Unterhändler sollen damit Lösungen für praktische Fragen entwickeln, die nach dem Austritt der drei Sahelstaaten aus der Regionalorganisation offen geblieben sind.

Mali, Burkina Faso und Niger verließen ECOWAS Anfang 2025

Der neue Verhandlungsprozess folgt auf eine tiefgreifende Neuordnung der politischen Beziehungen in Westafrika.

Mali, Burkina Faso und Niger traten am 29. Januar 2025 offiziell aus der ECOWAS aus. Zuvor hatten sich die drei von Militärregierungen geführten Staaten zur Allianz der Sahelstaaten zusammengeschlossen und diese zu einer Konföderation weiterentwickelt.

Die Beziehungen zur ECOWAS waren insbesondere nach den Militärputschen in den drei Ländern zunehmend belastet. Die Regionalorganisation hatte Sanktionen verhängt und auf die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Regierungsordnungen gedrängt.

Mit ihrem Austritt entschieden sich die drei Staaten für eine eigenständige politische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit. Ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verbindungen zu den übrigen westafrikanischen Ländern bestehen jedoch fort.

Millionen Menschen in der Region sind auf grenzüberschreitenden Handel, Arbeitsmigration und bestehende Verkehrsverbindungen angewiesen. Gleichzeitig erfordert die Bekämpfung bewaffneter jihadistischer Gruppen eine Zusammenarbeit über die Grenzen der beiden Staatengruppen hinweg.

Erste direkte Konsultationen zwischen Vertretern beider Organisationen hatten bereits am 22. Mai 2025 in der malischen Hauptstadt Bamako stattgefunden.

ECOWAS will geschlossene Verhandlungsposition bewahren

Vor dem Ministertreffen mit der AES hatten sich die Außenminister der ECOWAS-Mitgliedstaaten am 16. Oktober in Dakar auf ihre Verhandlungsposition verständigt.

Kommissionspräsident Birame Diop forderte ein klares Mandat für die Verhandlungsteams, damit diese die gemeinsamen Interessen der Regionalorganisation vertreten könnten.

Senegals Außenminister Cheikh Niang sprach sich dafür aus, dass die Mitgliedstaaten geschlossen gegenüber der AES auftreten. Separate bilaterale Abkommen einzelner ECOWAS-Staaten dürften die innere Geschlossenheit der Gemeinschaft nicht gefährden.

Besonders die bisherigen Errungenschaften der regionalen Integration, darunter die Freizügigkeit und der wirtschaftliche Austausch, müssten erhalten bleiben.

ECOWAS-Chefunterhändler Lansana Kouyaté, ehemaliger Premierminister Guineas, bezeichnete die Einrichtung eines dauerhaften Dialogkanals als wesentliches Ziel des Verhandlungsprozesses.

„Die Staaten können ihre Bündnisse wählen, aber die Völker können sich ihre Geografie nicht aussuchen“, erklärte Kouyaté mit Blick auf die gegenseitige Abhängigkeit der westafrikanischen Länder.

Beide Seiten sehen Fortschritte bei den Verhandlungen

Nach Abschluss der ersten Gesprächsrunde äußerten sich die Delegationsleiter zufrieden über die Ergebnisse.

Cheikh Niang würdigte die konstruktive Haltung beider Seiten und deren Bereitschaft, bestehende Differenzen zugunsten gemeinsamer Interessen zu überwinden.

Die Beratungen hätten wesentliche Übereinstimmungen bei den gemeinsamen Prioritäten und den Erwartungen der Mitgliedstaaten erkennen lassen. Darauf lasse sich der weitere Verhandlungsprozess aufbauen.

„Unsere Völker bleiben durch ein gemeinsames Schicksal verbunden, das politische Umstände nicht auslöschen können“, erklärte der senegalesische Außenminister.

Er sprach sich für ein schrittweises, pragmatisches Vorgehen aus, das politische Absichtserklärungen in konkrete Vereinbarungen umsetzt.

Auch Burkina Fasos Außenminister Karamoko Jean-Marie Traoré bestätigte Fortschritte. Die Beratungen hätten es ermöglicht, gemeinsame Prioritäten zu bestimmen und Grundsätze für die künftigen Beziehungen festzulegen.

Die AES sei bereit, gemeinsam mit der ECOWAS an einem neuen Kooperationsrahmen zu arbeiten. Entscheidend sei, dass die Vereinbarungen konkrete Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung hätten.

Die Delegationen dankten Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye, der derzeit den Vorsitz der ECOWAS-Staats- und Regierungschefs innehat, für die Ausrichtung der Gespräche und seine Bemühungen um die regionale Zusammenarbeit.

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