Uganda wirbt für Olara Otunnu an der UN-Spitze – und fordert mehr Macht für Afrika

Uganda bringt Olara Otunnu für die Spitze der Vereinten Nationen in Stellung. Gleichzeitig fordert Kampala mehr Macht für Afrika im Sicherheitsrat und warnt davor, dass die UN80-Reform bestehende Entwicklungsprogramme schwächt.

Uganda hat vor der UN-Generalversammlung für seinen Kandidaten Olara Otunnu als nächsten UN-Generalsekretär geworben und zugleich eine umfassende Reform der Vereinten Nationen verlangt. Vizepräsidentin Jessica Alupo sprach am Donnerstag, 24. September 2026, in New York im Namen von Präsident Yoweri Museveni. Kampala fordert ständige und zusätzliche nichtständige Sitze für Afrika im Sicherheitsrat, mehr Einfluss der Entwicklungsländer auf internationale Finanzinstitutionen und neue Regeln gegen Steuervermeidung multinationaler Konzerne. Die laufende UN80-Reform dürfe dabei bestehende Entwicklungs- und Hilfsprogramme nicht schwächen. 

Uganda bringt Otunnu für Guterres-Nachfolge in Stellung

Uganda hatte Olara Otunnu bereits am 24. Juli offiziell für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres nominiert. Die Vereinten Nationen führen ihn seitdem als Kandidaten im laufenden Auswahlverfahren. Im August stellte er sich in New York den UN-Mitgliedstaaten und anschließend den Mitgliedern des Sicherheitsrats vor. 

Alupo nutzte nun die Generalversammlung, um die Kandidatur erneut auf höchster politischer Bühne zu unterstützen. Otunnus internationale Erfahrung und seine Fähigkeit, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen, qualifizierten ihn aus Sicht der ugandischen Regierung für die Leitung des UN-Sekretariats.

Otunnu war von 1997 bis 2005 Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen und erster UN-Sonderbeauftragter für Kinder und bewaffnete Konflikte. In dieser Funktion trug er dazu bei, den Schutz von Kindern in Kriegen dauerhaft auf die Agenda des Sicherheitsrats zu setzen. Seine Arbeit war auch mit dem Überwachungs- und Berichtsmechanismus verbunden, den der Sicherheitsrat 2005 mit Resolution 1612 einführte. 

Uganda betreibt für die Kandidatur inzwischen eine eigene diplomatische Kampagne. Noch Mitte September stellte eine ugandische Delegation Otunnu unter anderem in Griechenland und Dänemark bei Gesprächen mit Regierungsvertretern vor. 

Afrika soll ständige Sitze im Sicherheitsrat erhalten

Die Kandidatur verband Alupo mit einer weitergehenden Forderung nach mehr afrikanischem Einfluss innerhalb der Vereinten Nationen.

Uganda verlangt eine umfassende Reform des Sicherheitsrats und eine Vertretung Afrikas sowohl unter den ständigen als auch unter den nichtständigen Mitgliedern. Der Rat müsse gerechter, transparenter, demokratischer und repräsentativer werden, erklärte die Vizepräsidentin.

Kampala stützt sich dabei auf die gemeinsame Position der Afrikanischen Union im Ezulwini-Konsens und in der Erklärung von Sirte. Die AU fordert mindestens zwei ständige afrikanische Sitze mit sämtlichen Rechten einschließlich des Vetorechts, solange dieses besteht, sowie insgesamt fünf nichtständige Sitze. Die Afrikanische Union bekräftigte diese Position zuletzt im Mai 2026. 

Afrika ist bislang nicht unter den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats vertreten. China, Frankreich, Russland, die Vereinigten Staaten und Großbritannien verfügen über dauerhafte Sitze und ein Vetorecht.

Uganda warnt vor Einschnitten durch UN80-Reform

Grundsätzlich unterstützte Alupo die laufende UN80-Initiative, mit der die Vereinten Nationen ihre Strukturen verschlanken, Doppelarbeit reduzieren und die Zusammenarbeit innerhalb des UN-Systems verbessern wollen.

Uganda setzte dieser Unterstützung jedoch eine Grenze. „Diese Reformprozesse dürfen vereinbarte UN-Mandate, Verpflichtungen oder Programme nicht verwässern und auch die Umsetzung der Agenda 2030 nicht behindern“, sagte Alupo.

Die UN80-Initiative umfasst inzwischen Reformen der Verwaltung, eine Überprüfung der Mandate und strukturelle Veränderungen innerhalb des UN-Systems. Die Vereinten Nationen rechnen 2026 mit deutlich geringeren verfügbaren Ressourcen. Im Sekretariat wurde die Zahl der Stellen nach UN-Angaben bereits um 21 Prozent reduziert. 

Die ugandische Position richtet sich damit gegen Einsparungen, die bestehende Entwicklungs-, Menschenrechts- oder Hilfsprogramme schwächen könnten.

Mehr Einfluss für Entwicklungsländer bei Finanz- und Steuerregeln

Alupo weitete die Reformforderung auf die internationalen Finanzinstitutionen aus. Viele Entwicklungsländer hätten zu wenig finanziellen Spielraum, weil ein großer Teil ihrer Staatseinnahmen für den Schuldendienst verwendet werde und damit für Infrastruktur oder soziale Leistungen fehle.

Uganda fordert deshalb mehr Mitsprache von Entwicklungsländern bei Entscheidungen über die internationale Finanzarchitektur.

Parallel drängt Kampala auf ein „inklusives internationales Steuersystem“. Dadurch sollen illegale Finanzströme begrenzt und Gewinnverlagerungen multinationaler Unternehmen erschwert werden.

Uganda unterstützt die laufenden Verhandlungen über eine UN-Rahmenkonvention zur internationalen Steuerkooperation. Die geplanten Regeln sollen unter anderem grenzüberschreitende Dienstleistungen und die Beilegung internationaler Steuerstreitigkeiten erfassen.

Museveni setzt Ziel von 500 Milliarden Dollar Wirtschaftsleistung

Die Forderung nach einer veränderten internationalen Wirtschaftsordnung verband Uganda mit eigenen Wachstumsplänen.

Die Regierung will über ihren vierten nationalen Entwicklungsplan Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung, Tourismus, Rohstoffe sowie Wissenschaft und Technologie ausbauen.

„Unser Ziel ist es, über den Zeitraum von fünf Jahren zweistelliges Wachstum zu erreichen und unsere Wirtschaft bis 2040 schließlich auf ein Bruttoinlandsprodukt von 500 Milliarden US-Dollar zu verzehnfachen“, sagte Alupo.

Dabei handelt es sich um ein Regierungsziel und nicht um eine unabhängige Wachstumsprognose. Musevenis Regierung hat für ihre neue Amtszeit Landwirtschaft, Produktion, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Dienstleistungen zu wichtigen Säulen der wirtschaftlichen Transformation erklärt. 

Uganda verweist auf Rolle am Horn von Afrika und in der Region der Großen Seen

Auch seine sicherheitspolitische Rolle stellte Uganda heraus. Konflikte könnten nach Darstellung der Regierung langfristig nicht allein militärisch gelöst werden. Nötig seien politisch geführte Prozesse, die auf lokale und regionale Ursachen eingehen.

Alupo verwies dabei auf Ugandas Engagement am Horn von Afrika und in der Region der Großen Seen. Kampala versteht seine Sicherheitspolitik nach eigenen Angaben als Teil eines panafrikanischen Ansatzes mit stärkerer regionaler Zusammenarbeit.

Uganda führt derzeit zudem die Bewegung der Blockfreien Staaten. Anfang Dezember will das Land in Kampala ein Ministertreffen der Bewegung ausrichten.

Kampala hält an AIDS-Ziel für 2030 fest

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Alupo bei der Gesundheitsversorgung. Uganda wolle die sogenannten 95-95-95-Ziele von UNAIDS erreichen und dazu beitragen, AIDS bis 2030 als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden.

Die Regierung will Krankenhäuser und Gesundheitszentren modernisieren und digitale Gesundheitssysteme ausbauen. Entwicklungspartner und internationale Institutionen müssten zugleich Finanzierungslücken schließen und für einen gerechteren Zugang zu Diagnostik, Medikamenten und Impfstoffen sorgen.

Die Forderungen nach Gesundheitsfinanzierung, institutioneller Reform und größerer Mitsprache des Globalen Südens stellte Uganda als Teile derselben Agenda dar: Internationale Institutionen sollten sich stärker an den heutigen politischen und wirtschaftlichen Kräfteverhältnissen orientieren.

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