Die Vereinten Nationen beenden ihre politische Mission in Somalia und übertragen die Verantwortung für zentrale Aufgaben des Staatsaufbaus, der Regierungsführung und der Friedensförderung an somalische Institutionen und weiterhin tätige UN-Organisationen. Am 27. Oktober 2026 bestätigten die UN den bevorstehenden Abschluss des Einsatzes. Die Übergangsmission UNTMIS stellt ihren Betrieb am 31. Oktober ein und beendet damit mehr als 13 Jahre kontinuierlicher politischer UN-Missionen sowie eine über drei Jahrzehnte zurückreichende Geschichte internationaler UN-Einsätze in Somalia. Der Rückzug erfolgt auf Wunsch der somalischen Regierung, während das Land weiterhin gegen die islamistische Al-Shabaab-Miliz kämpft und über seine politische Zukunft streitet.
UN übergeben politische Aufgaben an somalische Institutionen
Mit dem Ende der Übergangsmission UNTMIS schließt Somalia einen zweijährigen Prozess ab, in dem die Aufgaben der Vereinten Nationen schrittweise auf nationale Behörden und andere internationale Einrichtungen übertragen wurden.
Der UN-Sicherheitsrat hatte den Übergang mit den Resolutionen 2753 aus dem Jahr 2024 und 2809 aus dem Jahr 2025 beschlossen. Grundlage war ein entsprechendes Ersuchen der somalischen Bundesregierung unter Präsident Hassan Sheikh Mohamud.
Die Regierung in Mogadischu verfolgt damit das Ziel, die Verantwortung für politische Entscheidungen, institutionelle Reformen und nationale Versöhnungsprozesse stärker selbst zu übernehmen.
Bei einer Abschlussveranstaltung in Mogadischu erläuterte der kommissarische Leiter der Mission, Raisedon Zenenga, den Übergabeprozess. In den vergangenen beiden Jahren hätten Vertreter der somalischen Regierung und der UN in einem gemeinsamen technischen Ausschuss die Aufgabenverteilung und den Abzug vorbereitet.
Die Zuständigkeiten der UNTMIS wurden dabei auf somalische Institutionen, das reguläre UN-Länderteam und das Unterstützungsbüro der Vereinten Nationen in Somalia (UNSOS) übertragen.
An der Veranstaltung nahm unter anderem der stellvertretende somalische Ministerpräsident Salah Jama teil.
Politische UN-Missionen begleiteten Somalia seit 2013
Die politische Präsenz der Vereinten Nationen in Somalia begann in ihrer jüngsten Form 2013 mit der Einrichtung der Unterstützungsmission UNSOM. Damals befand sich das Land nach Jahrzehnten von Bürgerkrieg, Staatszerfall und bewaffneten Konflikten im Wiederaufbau seiner staatlichen Institutionen.
Die UNSOM begleitete insbesondere die Entwicklung des föderalen Staatsaufbaus. Dazu gehörten die Einrichtung regionaler Verwaltungsstrukturen, die Zusammenarbeit zwischen Zentralregierung und Bundesstaaten sowie die Vorbereitung politischer Übergangsprozesse und Wahlen.
Weitere Aufgaben umfassten die Unterstützung der Justiz, die Reform des Sicherheitssektors, den Aufbau der Polizei und die Förderung der Menschenrechte.
Die Mission unterstützte außerdem die Beteiligung von Frauen und jungen Menschen am politischen Leben, vermittelte zwischen Konfliktparteien und arbeitete mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen.
Im November 2024 wurde UNSOM in die Übergangsmission UNTMIS umgewandelt. Anders als ihre Vorgängerin konzentrierte sich diese auf die geordnete Übertragung der verbleibenden Aufgaben an nationale und internationale Partner.

Die Geschichte der UN-Einsätze in Somalia reicht allerdings weiter zurück. Bereits Anfang der 1990er-Jahre hatten die Vereinten Nationen nach dem Zusammenbruch der Zentralregierung internationale Missionen entsandt. Das Ende von UNTMIS markiert deshalb den Abschluss einer mehr als 30 Jahre umfassenden Geschichte solcher Einsätze zur Unterstützung von Frieden, Staatsaufbau und politischer Stabilisierung.
Unterstützung der Afrikanischen Union gegen Al-Shabaab geht weiter
Die Schließung der UNTMIS bedeutet keinen vollständigen Rückzug der Vereinten Nationen aus Somalia. UN-Organisationen, Entwicklungsprogramme und humanitäre Einrichtungen setzen ihre Arbeit fort.
Auch die militärische Unterstützung durch die Afrikanische Union ist von der Entscheidung nicht unmittelbar betroffen. Ihre Unterstützungs- und Stabilisierungsmission AUSSOM besitzt ein eigenes Mandat des UN-Sicherheitsrats, das bis zum 31. Dezember 2026 verlängert wurde.
Die Mission unterstützt somalische Sicherheitskräfte im Kampf gegen die islamistische Al-Shabaab-Miliz, die seit rund zwei Jahrzehnten gegen die Regierung kämpft und weiterhin Teile des Landes kontrolliert.
Die Miliz verübt regelmäßig Anschläge und militärische Angriffe. Trotz gemeinsamer Operationen somalischer und afrikanischer Streitkräfte verfügt sie weiterhin über die Fähigkeit, größere Sicherheitsoperationen und Anschläge durchzuführen.
Das UN-Unterstützungsbüro UNSOS bleibt ebenfalls tätig. Es stellt logistische Leistungen für die Mission der Afrikanischen Union und weitere unterstützte Sicherheitskräfte bereit.
UN-Generalsekretär António Guterres betonte in seiner Erklärung zum Missionsende, dass Somalia angesichts fortbestehender politischer, sicherheitspolitischer und humanitärer Herausforderungen weiterhin internationale Unterstützung benötige. Besonders verwies er auf die Bedrohung durch Al-Shabaab und die Notwendigkeit eines schrittweisen Sicherheitsübergangs.
Erst am 26. Oktober hatte Somalias Präsident Hassan Sheikh Mohamud bei einem Treffen mit Ugandas Präsident Yoweri Museveni in Entebbe um fortgesetzte militärische Unterstützung geworben. Uganda gehört seit Jahren zu den wichtigsten Truppenstellern der afrikanischen Friedens- und Stabilisierungsmissionen in Somalia.
Mohamud würdigte den Einsatz ugandischer Streitkräfte und äußerte den Wunsch, dass sie weiterhin im Land bleiben, um die somalischen Sicherheitskräfte zu unterstützen.
Verfassungsstreit und Wahlen bleiben politische Herausforderungen
Neben der Sicherheitslage steht Somalia vor ungelösten Konflikten über die föderale Ordnung und die künftige politische Machtverteilung.
Zwischen der Zentralregierung in Mogadischu, mehreren Bundesstaaten und oppositionellen Kräften bestehen unterschiedliche Vorstellungen über Verfassungsreformen, Wahlverfahren und die Zuständigkeiten der staatlichen Ebenen.
Insbesondere Puntland und Jubaland lehnen Teile der von der Bundesregierung vorangetriebenen Verfassungsänderungen ab. Auch die Verlängerung der Amtszeit von Präsident Mohamud hat politische Auseinandersetzungen ausgelöst.
Die nationale Wahlkommission kündigte am 15. Oktober an, die Wahlen zu beiden Kammern des Bundesparlaments am 15. April 2027 und die Präsidentschaftswahl am 15. Mai 2027 abzuhalten.
Der Zeitplan ist politisch umstritten. Oppositionsvertreter kritisieren, dass wesentliche Fragen zur Verfassungsordnung und zum Wahlverfahren weiterhin nicht einvernehmlich geklärt seien.
Die UNTMIS hatte sich während ihrer Tätigkeit an der Unterstützung der Wahlbehörden und an Gesprächen über einen möglichst breiten politischen Konsens beteiligt.
Bei der Abschlussveranstaltung begrüßte Zenenga deshalb eine neue öffentliche Einladung von Präsident Mohamud an die politischen Akteure des Landes, den Dialog wieder aufzunehmen.
UN setzen Zusammenarbeit über reguläre Organisationen fort
Die künftige Zusammenarbeit zwischen Somalia und den Vereinten Nationen wird stärker über die dauerhaft im Land tätigen UN-Einrichtungen organisiert.
Die Koordination übernimmt das UN-Länderteam unter Leitung von George Conway, der zugleich als humanitärer Koordinator tätig ist.
Zu dessen Aufgaben gehören die Unterstützung nationaler Entwicklungsziele, humanitäre Hilfe, Menschenrechtsschutz und die Zusammenarbeit mit somalischen Behörden sowie internationalen Partnern.
Zenenga betonte bei der Abschlussveranstaltung, dass das Ende der politischen Mission nicht mit dem Ende der internationalen Unterstützung gleichzusetzen sei.
„Die Schließung von UNTMIS bedeutet nicht das Ende der Unterstützung durch die Vereinten Nationen“, erklärte er.
Der UN-Vertreter würdigte zugleich die Arbeit der nationalen und internationalen Beschäftigten der bisherigen Missionen. Besonders erinnerte er an jene UN-Mitarbeiter und Angehörigen afrikanischer Friedensmissionen, die bei ihren Einsätzen in Somalia ums Leben kamen.

