Uganda schickt den früheren UN-Spitzendiplomaten Olara Otunnu ins Rennen um die Nachfolge von António Guterres und stellt damit einen zweiten afrikanischen Bewerber neben Macky Sall auf. Die formale Mitteilung erfolgte am 25. Juli 2026. Der 75-Jährige ist der siebte Kandidat im Auswahlverfahren für das Amt des UN-Generalsekretärs. Seine Nominierung erweitert das bislang stark von Bewerberinnen und Bewerbern aus Lateinamerika geprägte Feld.
Das ugandische Außenministerium begründete die Entscheidung mit Otunnus jahrzehntelanger Erfahrung in der internationalen Diplomatie, bei den Vereinten Nationen und in der Friedensarbeit.
„Die einzigartige Bandbreite der Erfahrungen von Botschafter Otunnu, die das UN-Sekretariat, den Sicherheitsrat, die nationale Regierung, die Wissenschaft und die Friedensarbeit auf lokaler Ebene umfasst, macht ihn besonders geeignet, die Vereinten Nationen in dieser kritischen Phase der internationalen Beziehungen zu führen“, erklärte das Ministerium.
Zweiter afrikanischer Kandidat neben Macky Sall
Mit Otunnu treten nun zwei Afrikaner um die Nachfolge von Guterres an. Der frühere senegalesische Präsident Macky Sall war bereits im März durch Burundi nominiert worden. Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye stellte sich im Juli offiziell hinter die Bewerbung seines Vorgängers und wies Regierung und diplomatische Vertretungen an, Unterstützung für Sall zu mobilisieren.
Sall und Otunnu bringen unterschiedliche politische Profile in das Auswahlverfahren ein. Sall führte Senegal von 2012 bis 2024 und stand zeitweise der Afrikanischen Union vor. Otunnus Laufbahn ist dagegen stärker durch die Vereinten Nationen, internationale Konfliktvermittlung und Menschenrechtsfragen geprägt.
Die Nominierung aus Kampala bedeutet nicht, dass einer der beiden Bewerber als gemeinsamer Kandidat der Afrikanischen Union antritt. Beide müssen im Sicherheitsrat und unter den UN-Mitgliedstaaten eigenständig Unterstützung gewinnen.
Seit dem Ende der Amtszeit des Ghanaers Kofi Annan im Jahr 2006 hat kein Afrikaner mehr an der Spitze der Vereinten Nationen gestanden.
Vom Sicherheitsrat zum Schutz von Kindern in Kriegen
Olara Otunnu vertrat Uganda von 1980 bis 1985 als ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York. Im Dezember 1981 übernahm er den Vorsitz des Sicherheitsrats. Anschließend war er von 1985 bis 1986 Außenminister Ugandas.
𝐔𝐠𝐚𝐧𝐝𝐚 𝐀𝐧𝐧𝐨𝐮𝐧𝐜𝐞𝐬 𝐀𝐦𝐛𝐚𝐬𝐬𝐚𝐝𝐨𝐫 𝐎𝐥𝐚𝐫𝐚 𝐎𝐭𝐮𝐧𝐧𝐮'𝐬 𝐂𝐚𝐧𝐝𝐢𝐝𝐚𝐭𝐮𝐫𝐞 𝐟𝐨𝐫 𝐔𝐍 𝐒𝐞𝐜𝐫𝐞𝐭𝐚𝐫𝐲-𝐆𝐞𝐧𝐞𝐫𝐚𝐥
— Government of Uganda (@GovUganda) July 26, 2026
The Government of Uganda has nominated Ambassador Olara Otunnu for the position of United Nations Secretary-General, presenting a… pic.twitter.com/QZlIbNnca5
Seine internationale Laufbahn führte ihn später an die Spitze der International Peace Academy, die heute International Peace Institute heißt. Von 1990 bis 1998 leitete er die in New York ansässige Einrichtung.
UN-Generalsekretär Kofi Annan ernannte Otunnu 1997 zum ersten Sonderbeauftragten für Kinder und bewaffnete Konflikte. In dieser Funktion arbeitete er daran, die Rekrutierung von Kindersoldaten und andere schwere Verstöße gegen Kinder in Kriegsgebieten stärker auf die Tagesordnung des Sicherheitsrats zu setzen.
Während seiner Amtszeit entstand der politische Rahmen für einen Überwachungs- und Berichtsmechanismus, der schwere Verletzungen von Kinderrechten in bewaffneten Konflikten dokumentiert. Der Sicherheitsrat verankerte dieses Verfahren 2005 in seiner Resolution 1612.
Otunnu lehrte zudem unter anderem an der Albany Law School, der American University of Paris und dem Französischen Institut für Internationale Beziehungen. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Oxford und absolvierte einen Masterstudiengang an der Harvard Law School.
Die „Otunnu-Formel“ bei der Wahl der UN-Spitze
Ugandas Regierung verweist bei seiner Bewerbung auch auf Otunnus Rolle bei der Auswahl früherer UN-Generalsekretäre. Während seiner Zeit im Sicherheitsrat war er 1981 an der Überwindung einer Blockade bei der Suche nach einem Nachfolger für Kurt Waldheim beteiligt.

Otunnu wird die Einführung informeller Probeabstimmungen zugeschrieben, mit denen die Mitglieder des Sicherheitsrats die Unterstützung für einzelne Kandidaten testen. Das als „Otunnu-Formel“ bezeichnete Verfahren wurde auch bei späteren Auswahlprozessen eingesetzt. Die Abstimmungen zeigen, welche Bewerber Unterstützung erhalten und gegen wen sich Widerstand formiert.
Die Wahl von 1981 führte schließlich zur Ernennung des Peruaners Javier Pérez de Cuéllar zum UN-Generalsekretär. Die Vereinten Nationen beschreiben Otunnu als einen der Akteure, die zur Auflösung der damaligen Pattsituation beitrugen.
Sieben Kandidaten im Rennen um die Nachfolge
Guterres scheidet nach zwei fünfjährigen Amtszeiten am 31. Dezember 2026 aus dem Amt. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin übernimmt die Leitung der Vereinten Nationen am 1. Januar 2027.
Über die Besetzung entscheidet zunächst der Sicherheitsrat. Er empfiehlt der UN-Generalversammlung einen Kandidaten, den diese anschließend ernennt. China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die Vereinigten Staaten können als ständige Mitglieder des Sicherheitsrats jede Bewerbung durch ein Veto blockieren.

