Russland bietet Burundi Atomkraftwerke an – Lawrow gibt Ukraine Schuld an Krise im Ostkongo

Russland will Burundi mit Atomkraftwerken unterstützen – gleichzeitig gibt Außenminister Lawrow der Ukraine die Schuld an der Krise im Ostkongo.

Russland will Burundi beim Aufbau einer zivilen Atomwirtschaft unterstützen und bietet dem ostafrikanischen Land kleine modulare Kernkraftwerke sowie Wasserkraftprojekte an. Die Vereinbarungen wurden bei Gesprächen zwischen Präsident Évariste Ndayishimiye und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Bujumbura konkretisiert. Moskau bildet bereits burundische Fachkräfte aus, während der russische Staatskonzern Rosatom die Grundlagen für eine Zusammenarbeit im Nuklearbereich geschaffen hat.

Lawrow erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Burundis Außenminister Édouard Bizimana, russische Unternehmen seien bereit, mehrere konkrete Energieprojekte umzusetzen. Neben Kernenergie nannte er Vorhaben des staatlichen Wasserkraftkonzerns RusHydro.

Die Gespräche umfassten außerdem Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Verkehr, Handel und Technologietransfer. Beide Regierungen wollen ihre politische Zusammenarbeit bei den Vereinten Nationen und mit der Afrikanischen Union ausbauen.

Burundi prüft kleine modulare Reaktoren

Burundi interessiere sich besonders für kleine modulare Kernkraftwerke, sagte Lawrow. Diese Reaktoren werden mit geringerer Leistung als klassische Großkraftwerke geplant und können schrittweise errichtet werden.

Rosatom habe bereits ein grundlegendes Dokument mit der burundischen Seite unterzeichnet. Genauere Angaben zu Standort, Leistung, Kosten und Finanzierung eines möglichen Kraftwerks machten beide Regierungen nicht.

Burundische Studierende und Fachkräfte würden bereits an russischen Hochschulen auf eine künftige zivile Atomwirtschaft vorbereitet. Moskau sei bereit, diese Ausbildung auszuweiten.

„Personal wird bereits ausgebildet. Unsere Freunde interessieren sich für kleine modulare Kernkraftwerke“, sagte Lawrow. Burundier würden an den entsprechenden russischen Hochschulen für eine mögliche spätere Nuklearindustrie qualifiziert.

Ein Bauvertrag für ein Kernkraftwerk wurde bei dem Besuch nicht bekannt gegeben. Die bisherigen Schritte konzentrieren sich auf Ausbildung, Planung und institutionelle Zusammenarbeit.

Wasserkraft soll Stromversorgung erweitern

Neben der Kernenergie brachte Russland Wasserkraftprojekte in die Gespräche ein. Lawrow verwies auf die technischen Fähigkeiten von RusHydro, ohne einzelne Standorte oder Anlagen zu benennen.

Burundis Stromversorgung stützt sich vor allem auf Wasserkraft, erreicht jedoch nicht alle Teile des Landes. Regierung und internationale Partner arbeiten seit Jahren an zusätzlichen Kraftwerken und Übertragungsnetzen.

Die geplante Energiekooperation soll in Burundis nationale Entwicklungsstrategie „Vision 2040–2060“ eingebunden werden. Diese sieht einen Ausbau der Infrastruktur, mehr industrielle Produktion und eine stärkere Verarbeitung heimischer Rohstoffe vor.

Russische Unternehmen sollen neben Energieprojekten auch Möglichkeiten in Landwirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Technologietransfer prüfen. Konkrete Investitionssummen wurden zunächst nicht genannt.

Gemeinsames Zentrum gegen Infektionskrankheiten

Russland und Burundi bauen zugleich ihre Zusammenarbeit im Gesundheitswesen aus. Russische Fachleute arbeiten bereits in einem gemeinsamen Forschungszentrum für Infektionskrankheiten. Moskau hat außerdem ein mobiles Labor zur Erkennung gefährlicher Erreger bereitgestellt.

Lawrow erklärte, das Zentrum solle nicht nur Burundi, sondern auch Nachbarstaaten bei der Überwachung von Epidemien unterstützen. Die Gespräche standen im Zusammenhang mit dem Ebola-Ausbruch in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo.

Russische Spezialisten hätten geeignete Testsysteme für die dort verbreitete Virusvariante identifiziert. Russland sei nach Lawrows Darstellung bereit, einen Impfstoff in größeren Mengen herzustellen.

Dafür benötigten russische Forschungseinrichtungen biologische Proben. Moskau habe Burundi um entsprechendes Material gebeten. Sobald dieses vorliege, könne die industrielle Herstellung eines auf die Variante abgestimmten Impfstoffs beginnen, sagte der Außenminister.

Nähere Angaben zur wissenschaftlichen Prüfung, Zulassung oder Beteiligung internationaler Gesundheitsbehörden machte Lawrow nicht.

Zentrum für Katastrophenschutz geplant

Ein weiteres gemeinsames Vorhaben betrifft den Katastrophenschutz. Mit Unterstützung des russischen Ministeriums für Zivilschutz und Katastrophenhilfe soll in Burundi ein Zentrum zur Vorsorge und Reaktion auf Naturkatastrophen entstehen.

Russland bildet bereits burundische Fachkräfte in zivilen und militärischen Berufen aus. Dazu gehören auch Studiengänge und Lehrgänge an Einrichtungen des russischen Katastrophenschutzministeriums.

Lawrow sagte zusätzliche Stipendien zu, sofern die burundische Regierung Bedarf anmelde. Beide Seiten wollen außerdem den Austausch zwischen Hochschulen, Wissenschaftseinrichtungen und Jugendorganisationen verstärken.

Ndayishimiye fordert mehr Sitze für Afrika im UN-Sicherheitsrat

Ndayishimiye nutzte das Treffen auch in seiner Funktion als amtierender Vorsitzender der Afrikanischen Union. Er forderte eine gerechtere Vertretung Afrikas im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, sowohl bei den ständigen als auch bei den nichtständigen Sitzen.

Lawrow unterstützte diese Forderung. Die bisherige Zusammensetzung des Sicherheitsrates benachteilige afrikanische Staaten und andere Regionen des Globalen Südens.

„Die historische Ungerechtigkeit gegenüber den afrikanischen Ländern muss beseitigt werden“, sagte der russische Außenminister. Die westliche Staatengruppe könne keine zusätzlichen Sitze beanspruchen, da sie bereits überrepräsentiert sei.

Russland und Burundi bekannten sich zu einer multipolaren Weltordnung und zur staatlichen Souveränität. Beide Regierungen wollen ihre Positionen bei den Vereinten Nationen und in anderen multilateralen Organisationen enger abstimmen.

Konflikt im Ostkongo bleibt Thema der Gespräche

Die Sicherheitslage im Osten der Demokratischen Republik Kongo gehörte ebenfalls zu den zentralen Themen. Burundi grenzt an die Konfliktregion und unterstützt die kongolesische Regierung militärisch im Kampf gegen die Rebellenbewegung M23.

Ndayishimiye bekräftigte den Grundsatz „afrikanischer Lösungen für afrikanische Probleme“. Politische Krisen auf dem Kontinent sollten durch Dialog und regionale Vermittlung gelöst werden.

Lawrow stellte sich hinter diese Position und kritisierte äußere Einmischung. Er beschuldigte erneut ukrainische Akteure, mit Gruppen zusammenzuarbeiten, die gegen afrikanische Regierungen kämpften. Belege oder genauere Angaben zu diesen Vorwürfen legte er nicht vor.

Neben dem Ostkongo sprachen beide Seiten über die Sicherheitslage im Sahel und die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs in der Region der Großen Seen.

Burundi übernimmt Rolle beim Russland-Afrika-Gipfel

Ndayishimiye nahm die Einladung von Präsident Wladimir Putin zum dritten Russland-Afrika-Gipfel an. Das Treffen soll am 28. und 29. Oktober 2026 in Moskau stattfinden.

Als amtierender Vorsitzender der Afrikanischen Union soll Ndayishimiye den Gipfel gemeinsam mit der russischen Seite leiten. Die geplante Agenda umfasst Wirtschaft, Investitionen, Landwirtschaft, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Hochtechnologie und Kernenergie.

Russland will die Beschlüsse nach Lawrows Darstellung an den Entwicklungszielen der Agenda 2063 der Afrikanischen Union ausrichten. Moskau und Bujumbura vereinbarten eine enge Abstimmung bei der Vorbereitung des Treffens.

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