Russland plant neue Afrika-Strategie – Lawrow will “afrikanische Souveränität” stärken

Russland bereitet für Ende Oktober den dritten Afrika-Gipfel in Moskau vor. Ein neuer Aktionsplan soll Handel, Investitionen und politische Zusammenarbeit bis 2029 ordnen.

Russland will beim dritten Russland-Afrika-Gipfel in Moskau einen dreijährigen Aktionsplan für die Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten beschließen. Das Treffen ist für Ende Oktober 2026 angesetzt. Der Plan soll die wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Beziehungen von 2027 bis 2029 strukturieren. Außenminister Sergej Lawrow stellte zugleich einen weiteren Ausbau der diplomatischen Präsenz Russlands auf dem Kontinent in Aussicht.

Lawrow kündigte die Vorhaben bei einer Sitzung des Wirtschaftsrates des russischen Außenministeriums in Moskau an. Im Zentrum der Beratungen standen die Vorbereitung des Gipfels und bessere Bedingungen für russische Unternehmen auf afrikanischen Märkten.

„Russland wird die afrikanischen Länder weiterhin bei ihren Bemühungen unterstützen, ihre Souveränität in allen Bereichen zu stärken“, sagte Lawrow. Dazu zählte er das Recht, natürliche Ressourcen eigenständig zu verwalten und nationale Entwicklungswege selbst zu bestimmen.

Aktionsplan für die Jahre 2027 bis 2029

Die Grundlage des geplanten Aktionsplans wurde nach russischen Angaben bei der zweiten Ministerkonferenz des Russland-Afrika-Partnerschaftsforums im Dezember 2025 in Kairo vereinbart. Das Dokument soll beim Gipfel in Moskau verabschiedet werden und als strategischer Rahmen für die folgenden drei Jahre dienen.

Konkrete Inhalte nannte Lawrow zunächst nicht. Seine Ausführungen verwiesen jedoch auf Handel, Investitionen, Rohstoffe, Energie und die Unterstützung russischer Unternehmen beim Markteintritt in afrikanischen Staaten.

Parallel zum Gipfel soll erneut ein Wirtschafts- und Humanitärforum stattfinden. Russische Unternehmen und Wirtschaftsverbände sollen sich an der Vorbereitung seiner Agenda beteiligen und Vorschläge für die praktische Zusammenarbeit einbringen.

Das Treffen in Moskau wäre der dritte Gipfel dieser Art. Die erste Zusammenkunft fand 2019 im russischen Sotschi statt, die zweite 2023 in Sankt Petersburg. Die Formate gehören zu Moskaus zentralen Instrumenten, um politische Kontakte mit afrikanischen Regierungen zu bündeln und wirtschaftliche Projekte anzubahnen.

Handelsvolumen steigt auf mehr als 27 Milliarden Dollar

Der russische Handel mit afrikanischen Staaten überstieg im vergangenen Jahr nach Angaben Lawrows ein Volumen von 27 Milliarden US-Dollar. Er sprach von einem schnellen Wachstum, räumte jedoch ein, dass der Gesamtumfang weiterhin ausbaufähig sei.

Russlands Handelsbeziehungen mit Afrika bleiben damit deutlich kleiner als die des Kontinents mit der Europäischen Union oder China. Moskau konzentriert sich unter anderem auf Energie, Bergbau, Landwirtschaft, Getreide, Düngemittel, Rüstungsgüter und zivile Nukleartechnik.

Ein Teil der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wird durch staatliche Abkommen begleitet. In mehreren afrikanischen Ländern sind russische Unternehmen an Projekten im Rohstoff- und Energiesektor interessiert. Zugleich versucht Moskau, neue Absatzmärkte für russische Produkte und Dienstleistungen zu erschließen.

Die Sitzung des Wirtschaftsrates diente deshalb auch dazu, Erfahrungen russischer Unternehmen auf afrikanischen Märkten auszuwerten. Das Außenministerium wolle wissen, welche politischen, rechtlichen und finanziellen Hindernisse ihre Tätigkeit erschwerten, erklärte Lawrow.

Moskau erweitert diplomatische Präsenz in Afrika

Russland baut zugleich sein diplomatisches Netzwerk auf dem Kontinent aus. Im vergangenen Jahr eröffnete Moskau Botschaften in Niger, Sierra Leone und Südsudan. Im Außenministerium wurde außerdem eine eigene Abteilung für die Partnerschaft mit Afrika eingerichtet.

Als nächste Standorte nannte Lawrow Gambia, Liberia, Togo und die Komoren. Mit den geplanten Vertretungen will Russland seine Präsenz vor allem in Westafrika und im Indischen Ozean verstärken.

Die Ausweitung folgt auf mehrere Jahre intensiverer diplomatischer Kontakte. Innerhalb von 18 Monaten hätten afrikanische Staatsoberhäupter insgesamt 17 Besuche in Russland absolviert, sagte Lawrow.

Moskaus Beziehungen zu afrikanischen Regierungen haben sich seit den 2010er-Jahren verdichtet. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 gewann der Kontinent für die russische Außenpolitik weiter an Gewicht. Russland sucht dort politische Unterstützung in internationalen Organisationen, neue Absatzmärkte und Partner zur Umgehung westlicher Sanktionen.

Russland beruft sich auf sowjetische Vergangenheit

Lawrow stellte die heutige Afrika-Politik erneut in die Tradition der Sowjetunion. Diese habe afrikanische Unabhängigkeitsbewegungen unterstützt und zur Gründung und Festigung neuer Staaten beigetragen.

Die damalige Hilfe bezeichnete er als umfassend und unentgeltlich. Diese Darstellung gehört seit Jahren zur russischen Kommunikation gegenüber afrikanischen Staaten. Moskau grenzt seine Zusammenarbeit dabei regelmäßig von den früheren Kolonialmächten und westlichen Partnern ab.

„Heute setzt Afrika seine Bemühungen um wirtschaftliche Unabhängigkeit mit Unterstützung regionaler Integrationsorganisationen und der Afrikanischen Union fort“, sagte Lawrow. Den Kontinent beschrieb er als ein Zentrum einer entstehenden multipolaren Weltordnung.

Russland verbindet diese Rhetorik mit der Forderung nach weniger westlichem Einfluss und einer stärkeren staatlichen Kontrolle über Rohstoffe. Mehrere afrikanische Regierungen, besonders im Sahel, haben ihre Beziehungen zu Moskau ausgebaut, nachdem sie die militärische und politische Zusammenarbeit mit Frankreich und anderen westlichen Staaten eingeschränkt hatten.

Sicherheit bleibt wichtiger Teil der Beziehungen

Die sicherheitspolitische Zusammenarbeit bildet einen weiteren Schwerpunkt der russischen Afrika-Politik. Russland liefert militärische Ausrüstung, bildet Streitkräfte aus und schließt Verteidigungsabkommen mit Regierungen, die mit Aufständen, Terrorismus oder innerstaatlichen Konflikten konfrontiert sind.

Besonders eng sind die Beziehungen zu mehreren militärisch geführten Staaten im Sahel. Dort präsentieren die Regierungen die Zusammenarbeit mit Russland als Teil einer souveräneren Sicherheits- und Außenpolitik.

Moskau wiederum beschreibt sich als Partner ohne politische Bedingungen. Kritiker verweisen dagegen auf russische Sicherheitsstrukturen, wirtschaftliche Interessen an Rohstoffen und die Unterstützung autoritärer Regierungen.

Lawrow ging in seiner Rede nicht näher auf militärische Kooperationen ein. Der Schwerpunkt lag auf wirtschaftlichen Projekten, diplomatischer Präsenz und der Vorbereitung des Gipfels im Oktober. An dessen Agenda sollen neben Regierungsvertretern auch russische Unternehmen und Organisationen mit Afrika-Geschäft mitwirken.

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