Bola Tinubu tritt bei der nächsten Präsidentschaftswahl in Nigeria erneut für den regierenden All Progressives Congress an. Die offizielle Nominierung erfolgte am 24. Mai 2026 in Abuja. Der Präsident startet damit früh in einen Wahlkampf, der von seiner umstrittenen Reformpolitik, wirtschaftlicher Belastung und einer geschwächten Opposition geprägt ist. Tinubu versprach seinem Land einen Kurs der wirtschaftlichen Expansion und demokratischen Festigung, wenn er weitere vier Jahre im Amt erhält.
Klare Vorwahl gegen einen chancenlosen Herausforderer
Tinubu setzte sich in der Präsidentschaftsvorwahl des All Progressives Congress deutlich gegen Stanley Osifo durch. Der Vorsitzende des Wahlkomitees der APC-Vorwahlen, Pius Anyim, gab das Ergebnis in Abuja bekannt. Demnach erhielt Tinubu 10.999.162 Stimmen, Osifo kam auf 16.503 Stimmen.
Nach der Übergabe der Parteifahne und der Nominierungsurkunde nahm Tinubu die Kandidatur an. „Ich akzeptiere mit Demut und tiefer Dankbarkeit die Nominierung unserer großen Partei, des All Progressives Congress, um bei der Wahl 2027 erneut als ihr Präsidentschaftskandidat anzutreten“, erklärte der Präsident.
Tinubu war 2023 erstmals zum Präsidenten gewählt worden. Damals gewann er die Wahl mit 36,6 Prozent der Stimmen. Atiku Abubakar erreichte 29 Prozent, Peter Obi 25 Prozent und Rabiu Kwankwaso etwas mehr als sechs Prozent.
Präsident verteidigt Reformkurs trotz hoher Belastung
In seiner Rede stellte Tinubu die Fortsetzung seiner Reformpolitik in den Mittelpunkt. Seine Regierung hatte seit 2023 unter anderem die Kraftstoffsubventionen abgeschafft und Reformen am Devisenmarkt eingeleitet. Diese Maßnahmen sollten Staatsausgaben senken und Investoren anziehen, lösten aber zugleich starke Preissteigerungen und sozialen Druck aus.
Tinubu räumte die Belastung für viele Haushalte ein. „Manchmal ist es schwierig, und ich teile den Schmerz mit euch. Ich weiß, was es bedeutet, eine Wirtschaft zu reformieren, die in Trümmern lag“, sagte er. Er fügte hinzu: „Wenn ihr Schlaf verloren habt, habe ich auch welchen verloren. Wenn ihr Gewicht verloren habt, glaube ich, dass ich auch welches verloren habe.“
Der Präsident verband diese Lage mit seinem eigenen Regierungsauftrag. „2022 habe ich um diese Aufgabe gebeten, ihr alle habt mich unterstützt, und ich habe sie bekommen. Also muss ich sie erfüllen“, sagte Tinubu.
Energie, Bildung und Sicherheit als Wahlkampfthemen
Tinubu verwies auf mehrere Programme seiner Regierung. Dazu zählt der Studentenkreditfonds, aus dem nach seinen Angaben mehr als 282 Milliarden Naira an rund 1,5 Millionen Begünstigte ausgezahlt wurden. Auch Steuerreformen, Infrastrukturprojekte und die Energieversorgung sollen Teil seiner Kampagne werden.
Im Stromsektor nannte Tinubu eine Produktionsleistung von 6.000 Megawatt. Zudem habe das Programm zur Erfassung von Stromverbrauchern 2,5 Millionen Nutzer erreicht, um geschätzte Abrechnungen zu verringern. Ein Anleiheprogramm über 4.000 Milliarden Naira soll geprüfte Schulden gegenüber Stromproduzenten begleichen.

Sicherheit bleibt ein weiterer Schwerpunkt. Tinubu kündigte an, härter gegen Banditentum und andere kriminelle Gruppen vorzugehen. Nigeria kämpft in mehreren Landesteilen mit bewaffneten Gruppen, Entführungen, dschihadistischer Gewalt und Konflikten um Land und Ressourcen.
Opposition sucht Linie gegen Amtsbonus der APC
Tinubu geht mit einem starken Amtsbonus in die Wahlvorbereitung. Der All Progressives Congress kontrolliert große Teile der politischen Landschaft in Nigeria. In den vergangenen Jahren haben mehrere Gouverneure und politische Akteure aus Oppositionsparteien zum Regierungslager gewechselt.
Die Opposition tritt bisher ohne geschlossene Linie auf. Atiku Abubakar, Peter Obi und Rabiu Kwankwaso gehören weiter zu den wichtigsten Figuren gegen Tinubu. Peter Obi, früher Gouverneur des Bundesstaates Anambra, trat 2023 für die Labour Party an und hat sich inzwischen neu positioniert. Atiku Abubakar bleibt als ehemaliger Vizepräsident eine zentrale Figur der nationalen Opposition.
Mehrere Oppositionsparteien sind von internen Streitigkeiten und juristischen Verfahren betroffen. Vertreter der Opposition werfen dem Regierungslager vor, diese Konflikte zu verschärfen. Belege dafür liegen nicht vor. Tinubus Lager verweist dagegen auf die Schwäche und Uneinigkeit seiner Gegner.
Wahlbehörde steht nach Streit von 2023 unter Druck
Die nächste Präsidentschaftswahl wird auch ein Test für Nigerias Wahlbehörde INEC. Nach der umstrittenen Wahl 2023 hatten Oppositionskandidaten und Teile der Zivilgesellschaft Mängel bei der Ergebniserfassung kritisiert. Tinubus Wahlsieg wurde gerichtlich angefochten, blieb aber bestehen.
Für die Wahl 2027 spielt die Übertragung von Ergebnissen aus den Wahllokalen eine zentrale Rolle. Der nigerianische Senat unterstützte im Februar 2026 nach öffentlichem Druck die elektronische Übermittlung von Wahlergebnissen in Echtzeit. Befürworter sehen darin ein Mittel gegen Manipulationen bei der Zusammenführung der Ergebnisse.
Tinubu stellte die kommende Wahl als Abstimmung über die Fortsetzung seines Kurses dar. „Mit weiteren vier Jahren Disziplin, Fokus und nationaler Zusammenarbeit werden wir Nigeria fest auf einen unumkehrbaren Weg wirtschaftlicher Expansion, Industrialisierung, Energiesicherheit, Infrastrukturentwicklung, Ernährungssouveränität und demokratischer Festigung führen“, sagte der Präsident.

