Die Deutsche Welle richtet ihre Strategie stärker auf den Kampf gegen Desinformation in Afrika aus. Im Mittelpunkt stehen dabei Länder mit eingeschränkter Medienfreiheit wie Nigeria und die Demokratische Republik Kongo. Die Bundesregierung unterstützt diesen Kurs grundsätzlich, fordert jedoch klarere Kriterien für die Auswahl der Zielregionen und kritisiert zugleich einzelne Aspekte der Planung. Zudem sorgen Kürzungen im Haushalt für zusätzlichen Druck auf den Auslandssender.
Die Stellungnahme der Bundesregierung zur Aufgabenplanung der Deutschen Welle für die Jahre 2026 bis 2029 wurde am Donnerstag, 25. Juni 2026, im Bundestag veröffentlicht. Der Sender will unter dem Leitmotiv „Freiheit, Innovation, Dialog“ gezielt gegen Desinformation vorgehen und unabhängige Informationen in politisch sensiblen Regionen stärken.
Nigeria und Demokratische Republik Kongo im Fokus
Die Deutsche Welle definiert weltweit 16 sogenannte Prio-A-Länder, in denen sie ihre Aktivitäten besonders ausbauen will. In Subsahara-Afrika stehen Nigeria und die Demokratische Republik Kongo im Zentrum. Beide Länder gelten als Schlüsselstaaten mit wachsender Bevölkerung, großer politischer Bedeutung und zunehmendem Einfluss auf regionale Entwicklungen.
Der Sender sieht dort einen hohen Bedarf an verlässlichen Informationen, da Desinformation und Einflussnahme durch autoritäre Akteure zunehmen.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer betonte in diesem Zusammenhang, die Deutsche Welle müsse sich stärker auf Regionen konzentrieren, „die für Deutschland und Europa besonders relevant sind“, und dort zur freien Meinungsbildung beitragen.
Neben Nigeria und dem Kongo sollen auch weitere Länder in West-, Ost- und Zentralafrika über verschiedene Sprachangebote erreicht werden, darunter Englisch, Französisch, Haussa und Kisuaheli.
Subsahara-Afrika gewinnt nach Einschätzung der Deutschen Welle auch deshalb an Bedeutung, weil internationale Akteure wie Russland und China ihren Einfluss ausbauen, während sich die USA teilweise zurückziehen. Der Sender will dem mit unabhängigen journalistischen Angeboten entgegenwirken.
Bundesregierung fordert mehr Transparenz
Die Bundesregierung unterstützt die stärkere Ausrichtung auf Regionen mit eingeschränkter Medienfreiheit und wachsender Desinformation. Sie verlangt jedoch eine nachvollziehbare Begründung dafür, warum bestimmte Länder priorisiert werden.
Reichweite allein solle künftig nicht mehr entscheidend sein. Stattdessen müssten Kriterien wie Medienfreiheit, politische Lage und strategische Bedeutung stärker berücksichtigt werden. Die Deutsche Welle müsse offenlegen, wie diese Faktoren gewichtet werden und warum einzelne Sprachangebote ausgebaut oder reduziert werden.
Auch die Konzentration auf junge, urbane Zielgruppen sieht die Bundesregierung kritisch. Der Sender müsse breitere Bevölkerungsschichten erreichen, insbesondere Menschen mit eingeschränktem Zugang zu digitalen Medien.
Kritik an Strategie und europäischer Rolle
Die Bundesregierung mahnt zudem eine stärkere Zusammenarbeit mit europäischen Partnern an. Statt im Wettbewerb zu stehen, sollten Auslandssender wie die Deutsche Welle, der BBC World Service oder France Médias Monde enger kooperieren, um Desinformation effektiver zu begegnen.

Zugleich wird das Ziel der Deutschen Welle, zur „führenden Stimme der Freiheit aus Europa“ zu werden, zurückhaltend bewertet. Entscheidend sei nicht die Positionierung im Wettbewerb, sondern die gemeinsame Stärkung unabhängiger Medienangebote.
Auch innerhalb der Europäischen Union müsse der Sender klarer darlegen, welchen Mehrwert seine Angebote gegenüber bestehenden Medien leisten.
Künstliche Intelligenz als Chance und Risiko
Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist der Einsatz künstlicher Intelligenz. Die Deutsche Welle will KI nutzen, um Inhalte schneller zu produzieren, zu übersetzen und gezielter zu verbreiten.
Gleichzeitig sieht der Sender darin eine wachsende Gefahr: Deepfakes und automatisierte Desinformationskampagnen könnten öffentliche Debatten manipulieren. Die Deutsche Welle will deshalb verstärkt auf transparente Quellen und journalistische Standards setzen.
Die Bundesregierung unterstützt den Einsatz von KI, fordert jedoch klare Regeln und eine deutliche Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und automatisierten Formaten.
Gesetzesreform geplant
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kündigte an, den gesetzlichen Auftrag der Deutschen Welle zu überarbeiten. Der bisherige Rahmen sei zu weit gefasst und müsse an neue geopolitische und technologische Entwicklungen angepasst werden.
Die Bekämpfung von Desinformation und die Stärkung freier Meinungsbildung sollen dabei stärker in den Mittelpunkt rücken. Die redaktionelle Unabhängigkeit des Senders bleibt jedoch durch die Rundfunkfreiheit geschützt.
Kürzungen belasten den Sender
Parallel zur strategischen Neuausrichtung steht die Deutsche Welle unter finanziellem Druck. Für das Jahr 2026 erhält der Sender rund 415,4 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt – weniger als ursprünglich geplant.
Der Haushaltsausschuss kürzte den Zuschuss um 10,1 Millionen Euro. Gleichzeitig steigen die Kosten, etwa durch Tarifanpassungen. Insgesamt muss die Deutsche Welle Einsparungen in Millionenhöhe bewältigen.
Der Deutsche Journalisten-Verband warnt vor möglichen Folgen für Beschäftigte. Bis zu 300 überwiegend freie Mitarbeiter könnten von Einkommenseinbußen oder Arbeitsplatzverlusten betroffen sein.
Die Deutsche Welle fordert daher eine langfristig verlässliche Finanzierung, um ihren Auftrag im Kampf gegen Desinformation erfüllen zu können.

