Die nigerianische Medizinabsolventin Nnani Adaobi Marian ist nach einem Luftangriff auf Charkiw in Deutschland gestorben. Die Regierung Nigerias bestätigte den Fall am Dienstag. Die 23-Jährige hatte an der Nationalen Medizinischen Universität Charkiw studiert und sollte wenige Tage später ihre Abschlussfeier erleben.
Das nigerianische Außenministerium erklärte, Marian sei Berichten zufolge Verletzungen erlegen, die sie bei einem russischen Luftangriff auf Charkiw erlitten habe. Abuja sprach der Familie, ihren Freunden, früheren Kommilitonen und der nigerianischen Gemeinschaft in der Ukraine sein Beileid aus.
Die nigerianischen Vertretungen in der Ukraine und in Deutschland sollen nun die genauen Umstände klären und konsularische Hilfe für die Angehörigen leisten. Das Ministerium bekräftigte zugleich seine Sorge über zivile Opfer im Ukraine-Krieg und rief zu einem Ende der Kampfhandlungen auf.
Verletzungen nach Angriff vom 29. Juni
Marian wurde am 29. Juni bei einem Angriff im Bezirk Kholodnohirskyj in Charkiw schwer verletzt. Ukrainische Berichte sprechen von einem Angriff mit Fliegerbomben. Sie wurde zunächst in Charkiw behandelt und anschließend nach Deutschland verlegt, wo Ärzte weiter um ihr Leben kämpften.

Die Nationale Medizinische Universität Charkiw würdigte Marian als engagierte und hilfsbereite Absolventin. Sie habe seit 2020 an der Universität studiert und sich durch Fleiß, Verantwortungsbewusstsein und sehr gute Leistungen ausgezeichnet. Zusätzlich habe sie medizinische Erfahrungen bei Praktika an der University of Cambridge und an der Biruni University in der Türkei gesammelt.
Die Universität erklärte, Ärzte in Charkiw und Deutschland hätten bis zuletzt versucht, Marian zu retten. Ihre Verletzungen seien jedoch zu schwer gewesen.
Freundin starb am Angriffsort
Nach ukrainischen Angaben war Marian mit ihrer Freundin Fatima Huseynova auf dem Weg zu einem Fotoshooting vor der Abschlussfeier, als der Angriff erfolgte. Huseynova starb demnach noch am Ort des Angriffs. Marian wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.
Bei dem Angriff sollen weitere Menschen verletzt worden sein. Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, liegt nahe der russischen Grenze und wird seit Beginn des russischen Angriffskriegs immer wieder beschossen. Die Stadt ist ein wichtiger Universitätsstandort und hatte vor dem Krieg zahlreiche internationale Studierende, darunter viele aus afrikanischen Ländern.
Für die nigerianische Gemeinschaft in der Ukraine ist der Tod der jungen Absolventin ein weiterer Einschnitt in einem Krieg, der auch Ausländerinnen und Ausländer trifft, die zum Studium oder zur Arbeit im Land geblieben sind.
Russland weist Verantwortung zurück
Die russische Botschaft in Nigeria wies Berichte zurück, wonach Marian durch einen russischen Angriff getötet worden sei. Es gebe derzeit keine bestätigten Informationen darüber, wessen Handlungen ihren Tod tatsächlich verursacht hätten, erklärte die Botschaft.
Zugleich erklärte die russische Seite, zivile Opfer würden häufig durch die ukrainische Luftabwehr verursacht. Die russischen Streitkräfte griffen ausschließlich militärische Ziele an und zielten nicht auf Zivilisten oder soziale Infrastruktur, hieß es in der Erklärung.
Nigeria hat diese Darstellung nicht übernommen. Das Außenministerium sprach weiter von einem berichteten russischen Luftangriff und kündigte an, die Umstände über die diplomatischen Vertretungen zu prüfen.
Afrikanische Studierende im Ukraine-Krieg
Der Fall erinnert an die Lage afrikanischer Studierender in der Ukraine. Vor dem russischen Angriffskrieg war das Land ein wichtiger Bildungsstandort für junge Menschen aus Nigeria, Ghana, Marokko, Ägypten, Südafrika und weiteren afrikanischen Staaten. Besonders Medizin, Pharmazie und Ingenieurwissenschaften zogen viele internationale Studierende an.
Nach Kriegsbeginn 2022 verließen zahlreiche Studierende die Ukraine. Andere blieben, kehrten nach einer Flucht zurück oder setzten ihr Studium trotz der unsicheren Lage fort. Universitäten in Städten wie Charkiw, Dnipro, Kiew und Odessa versuchten, Lehrbetrieb, Abschlussprüfungen und internationale Programme unter Kriegsbedingungen aufrechtzuerhalten.
Nigerias Außenministerium erklärte, es werde die Entwicklung weiter beobachten und die Interessen nigerianischer Staatsangehöriger im Ausland schützen. Die konsularische Prüfung soll klären, welche weiteren Schritte für die Familie von Nnani Adaobi Marian nötig sind.

