Deutschland und Algerien haben eine strategische Agenda beschlossen und wollen ihre Zusammenarbeit bei Energie, Rohstoffen, Investitionen, Migration und Sicherheit deutlich ausbauen. Die gemeinsame Erklärung wurde am Donnerstag, 16. Juli 2026, beim Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Abdelmadjid Tebboune in Berlin verabschiedet. Beide Regierungen kündigten einen regelmäßigen politischen Dialog sowie engere Kontakte zwischen Ministerien, Behörden und Unternehmen an. Im Zentrum stehen zusätzliche Gaslieferungen, ein Wasserstoffkorridor nach Europa und bessere Bedingungen für deutsche Investitionen in Algerien.
Tebboune war am Mittwochabend zu einem zweitägigen offiziellen Besuch in Berlin eingetroffen. Neben dem Gespräch mit Merz traf er Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem persönlichen Austausch in der Villa Borsig. Bereits zum Auftakt sprach der algerische Präsident mit Mitgliedern der algerischen Gemeinschaft in Deutschland.
Regelmäßiger Dialog zu Politik, Migration und Sicherheit
Deutschland und Algerien wollen künftig regelmäßige Konsultationen zu bilateralen, regionalen und internationalen Fragen abhalten. Dazu gehören die Sicherheitslage in Nordafrika und der Sahelzone, Migration, Terrorismus, Cybersicherheit und Desinformation.
Merz betonte in der gemeinsamen Pressekonferenz das gemeinsame Interesse an Stabilität in der Region: „Gemeinsam ist uns das Interesse an Stabilität in der Region, nicht zuletzt im Blick auf das benachbarte Sahel.“ Auch über den Krieg in der Ukraine und die deutsche Haltung gegenüber Russland habe er mit Tebboune gesprochen.
Beide Regierungen bekräftigten zudem ihre Zusammenarbeit bei Rückkehr, Rückübernahme und Wiedereingliederung ausreisepflichtiger Personen. Grundlage bleibt das deutsch-algerische Protokoll über die Identifizierung und Rückübernahme. Die bestehende Kooperation soll fortgeführt und gegebenenfalls erweitert werden.
Deutschland setzt auf Algeriens Gas und Wasserstoff
Merz betonte in der gemeinsamen Pressekonferenz das gemeinsame Interesse an Stabilität in der Region: „Gemeinsam ist uns das Interesse an Stabilität in der Region, nicht zuletzt im Blick auf das benachbarte Sahel.“ Auch über den Krieg in der Ukraine und die deutsche Haltung gegenüber Russland habe er mit Tebboune gesprochen.
Deutschland und Algerien halten weitere Gaslieferungen für beiderseitig wünschenswert. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit auf erneuerbare Energien und klimafreundliche Energieträger ausgeweitet werden.
Eine zentrale Rolle spielt der geplante südliche Wasserstoffkorridor. Über die Verbindung soll künftig Wasserstoff aus Nordafrika über Italien nach Mitteleuropa und Deutschland transportiert werden. Das Vorhaben ist als Projekt der europäischen Global-Gateway-Initiative und als europäische Energieautobahn eingestuft.
Merz kündigte an, Deutschland werde das Projekt gemeinsam mit Algerien und Italien in den kommenden Monaten vorantreiben. Beide Länder wollen außerdem bei Power-to-X-Technologien, der Senkung von Methanemissionen sowie beim Umwelt- und Klimaschutz enger zusammenarbeiten.

Tebboune bezeichnete Algerien als zuverlässigen Energielieferanten für Europa. Er sprach von einem neuen Korridor für Gas und Wasserstoff, dem später weitere erneuerbare Energien und Stromlieferungen folgen könnten.
Deutsche Unternehmen sollen stärker investieren
Die Bundesregierung und die algerische Führung wollen auch die Wirtschaftsbeziehungen auf eine neue Grundlage stellen. Deutschland gehört bereits zu den wichtigsten europäischen Lieferanten Algeriens. Deutsche Unternehmen liefern vor allem Industriemaschinen, elektrische Ausrüstung, Fahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Erzeugnisse.
Merz erklärte, beide Seiten hätten über Verbesserungen des Investitionsklimas, größere Rechtssicherheit und transparentere Verwaltungsverfahren gesprochen. In der gemeinsamen Erklärung verpflichten sich Deutschland und Algerien zu Transparenz, Nichtdiskriminierung und rechtsstaatlichen Standards bei Investitionen.
Tebboune betonte die wachsende Präsenz deutscher Firmen: „Deutsche Unternehmen sind in Algerien mehr und mehr präsent. Jedes Jahr werden es mehr.“ Über eine zentrale Anlaufstelle für Investoren seien bereits Projekte im Umfang von rund 900 Millionen US-Dollar angestoßen worden.
Neben Energie und Rohstoffen sehen beide Regierungen Potenzial in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, bei Baumaschinen, Verkehrsinfrastruktur, Landwirtschaft, Petrochemie, Pharmaindustrie und Hochtechnologie. Tebboune hob insbesondere die Zusammenarbeit bei spezialisierten Medikamenten und neuen medizinischen Behandlungstechnologien hervor.
Geprüft werden soll auch eine Wiederbelebung der deutsch-algerischen gemischten Wirtschaftskommission. Zusätzlich ist ein bilateraler Wirtschaftsrat vorgesehen, der deutsche und algerische Unternehmen, Verbände und Handelskammern miteinander vernetzen soll.
Neue Direktverbindung zwischen Berlin und Algier
Während seines Treffens mit der algerischen Diaspora kündigte Tebboune eine neue Flugverbindung von Air Algérie zwischen Berlin und Algier an. Die Strecke soll nach seinen Angaben noch vor Ende des Jahres 2026 aufgenommen werden, voraussichtlich im November.
Air Algérie fliegt in Deutschland bereits Frankfurt an. Die neue Berlin-Verbindung ist Teil des Ausbaus des internationalen Streckennetzes, für den die staatliche Fluggesellschaft ihre Flotte mit neuen Langstrecken-, Mittelstrecken- und Regionalflugzeugen erweitert.
Tebboune spricht über Opposition und politische Kritik
Vor Mitgliedern der algerischen Gemeinschaft äußerte sich Tebboune auch zum Umgang mit politischen Gegnern. „Was die Opposition betrifft, so ist sie in Algerien willkommen“, sagte der Präsident.
Jeder Algerier habe das Recht, Kritik zu äußern, seine Ablehnung zu begründen und eine eigene politische Vorstellung zu vertreten. Solche Positionen könnten den nationalen politischen Prozess bereichern. Zugleich grenzte Tebboune legitime Kritik von Beleidigungen und Diffamierungen ab, die aus seiner Sicht Hass und Gewalt förderten.
In der gemeinsamen Pressekonferenz wurde der Präsident außerdem zu einer möglichen Begnadigung des in Algerien inhaftierten französischen Sportjournalisten Christophe Gleizes befragt. Gleizes war wegen „Verherrlichung des Terrorismus“ zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.
Tebboune lehnte eine Antwort in Berlin ab. „Aus Respekt vor der algerischen Justiz werde ich diese Frage nur in Algerien beantworten“, erklärte er. Gleizes hatte auf eine weitere Überprüfung seines Urteils durch den Obersten Gerichtshof verzichtet. Damit ist das Urteil rechtskräftig und eine Begnadigung durch den Präsidenten grundsätzlich möglich.

