Mali und Algerien beenden diplomatische Eiszeit

Botschafter zurück, Lufträume wieder offen: Mali und Algerien leiten nach dem Drohnenstreit an ihrer Grenze die Normalisierung ihrer Beziehungen ein.

Mali und Algerien schicken ihre Botschafter zurück und öffnen ihre Lufträume nach mehr als einem Jahr gegenseitiger Spannungen wieder. Die Entscheidungen traten am Freitag, den 10. Juli 2026, in Kraft. Beide Regierungen leiten damit die Normalisierung ihrer Beziehungen ein, die seit dem Abschuss einer malischen Militärdrohne an der gemeinsamen Grenze schwer belastet waren.

Der malische Übergangsregierung kündigte die Rückkehr ihres Botschafters nach Algier sowie die Öffnung des nationalen Luftraums für alle zivilen und militärischen Flugzeuge aus oder mit Ziel Algerien an. Präsident Abdelmadjid Tebboune ordnete seinerseits die Rückkehr des algerischen Botschafters Kamal Retieb nach Bamako an.

Algerien hatte bereits zuvor seinen Luftraum vollständig für den malischen Flugverkehr geöffnet. Damit sind die im April 2025 verhängten gegenseitigen Beschränkungen auf beiden Seiten aufgehoben.

Botschafter kehren nach Bamako und Algier zurück

Die malische Regierung begründete ihre Maßnahmen mit einer „Wiederbelebung der Beziehungen der Zusammenarbeit und Freundschaft“ zwischen beiden Staaten. Das Kommuniqué unterzeichnete der Minister für territoriale Verwaltung und Dezentralisierung sowie Regierungssprecher, Brigadegeneral Issa Ousmane Coulibaly.

Das algerische Außenministerium erklärte, die Rückkehr Kamal Retiebs nach Bamako spiegele Tebbounes Willen wider, die Beziehungen „auf ihren natürlichen historischen Weg“ zurückzuführen. Dieser beruhe auf gegenseitigem Respekt sowie auf Zusammenarbeit im Interesse beider Länder und der gesamten Sahel-Sahara-Region.

Retieb war am 7. April 2025 zu Konsultationen nach Algier zurückgerufen worden. Auch Mali hatte seinen diplomatischen Vertreter abgezogen. Mit der Rückkehr beider Botschafter nehmen die Hauptstädte ihre diplomatischen Kontakte nun wieder auf höchster bilateraler Ebene auf.

Lufträume wieder vollständig geöffnet

Das algerische Verteidigungsministerium öffnete den nationalen Luftraum mit Wirkung vom 10. Juli erneut für den gesamten malischen Flugverkehr. Die Regelung gilt für Flüge aus Mali und nach Mali über alle internationalen Verbindungen.

Wenige Stunden später hob auch Bamako seine Sperre auf. Die malische Entscheidung erfasst ausdrücklich alle zivilen und militärischen Flugzeuge mit Herkunft oder Ziel Algerien.

Ob und wann reguläre Direktverbindungen wieder aufgenommen werden, blieb zunächst offen. Air Algérie veröffentlichte zunächst keinen Flugplan für eine mögliche Rückkehr auf die Strecke nach Bamako. Die politischen Entscheidungen schaffen jedoch wieder die rechtlichen Voraussetzungen für den Luftverkehr zwischen beiden Ländern.

Drohnenabschuss löste schwere Krise aus

Auslöser der Eskalation war der Abschuss einer malischen Aufklärungsdrohne in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 2025 nahe Tinzaouatène an der Grenze zwischen Mali und Algerien.

Algier erklärte damals, das Fluggerät habe wiederholt algerischen Luftraum verletzt. Bamako wies diese Darstellung zurück und warf Algerien vor, die Drohne über malischem Staatsgebiet abgeschossen zu haben.

Algerien sperrte daraufhin seinen Luftraum für Mali. Die malische Regierung reagierte mit einer gleichlautenden Maßnahme gegen algerische zivile und militärische Flugzeuge. Auch Burkina Faso und Niger, Malis Partner in der Konföderation der Sahelstaaten, schlossen sich zeitweise der politischen Konfrontation mit Algerien an.

Die Auseinandersetzung verschärfte bereits bestehende Differenzen über den Umgang mit bewaffneten Gruppen im Norden Malis. Die Grenzregion um Tinzaouatène liegt nahe Kidal, einem langjährigen Zentrum separatistischer und bewaffneter Bewegungen.

Verhältnis war bereits zuvor belastet

Die Beziehungen zwischen Bamako und Algier hatten sich schon vor dem Drohnenvorfall deutlich verschlechtert. Mali kündigte Anfang 2024 das Friedensabkommen von Algier aus dem Jahr 2015 auf. Algerien hatte das Abkommen vermittelt und über Jahre als dessen wichtigster Garant fungiert.

Bamako warf Algier wiederholt vor, Kontakte zu bewaffneten Gruppen zu unterhalten und sich in innere malische Angelegenheiten einzumischen. Algerien hielt dagegen an seiner Rolle als regionaler Vermittler fest und betonte die territoriale Einheit Malis.

Im Mai 2026 zog sich Mali zudem aus dem Gemeinsamen operativen Generalstabs-Komitee zurück. Die in Tamanrasset ansässige Struktur war 2010 von Algerien, Mali, Mauretanien und Niger zur Koordinierung des Kampfes gegen bewaffnete Gruppen in der Sahelzone gegründet worden.

Algerien leitete Annäherung im Frühjahr ein

Der jetzigen Normalisierung gingen mehrere Signale aus Algier voraus. Außenminister Ahmed Attaf bekräftigte Ende April 2026 die Unterstützung Algeriens für die territoriale und institutionelle Einheit Malis.

Tebboune bot Bamako Anfang Mai erneut eine Vermittlung durch Algerien an, sofern die malische Regierung darum bitte. Zugleich unterschied er zwischen Übergangspräsident Assimi Goïta und Mitgliedern der malischen Regierung, denen er eine Mitverantwortung an der Verschlechterung der Beziehungen zuschrieb.

Die Wiederannäherung an Mali folgt auf eine Entspannung zwischen Algerien und den beiden anderen Staaten der Sahel-Konföderation. Nigers Botschafter kehrte im Februar 2026 nach Algier zurück. Wenige Tage später besuchte Präsident Abdourahamane Tiani Algerien. Mit Burkina Faso vereinbarte Algier neue Kooperationen in den Bereichen Energie und Bergbau.

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