Die UN-Generalversammlung hat mit überwältigender Mehrheit für eine stärker flächentreue Darstellung der Kontinente auf Weltkarten gestimmt und damit eine von afrikanischen Staaten getragene Initiative gegen die Verzerrungen der Mercator-Projektion unterstützt. Die Abstimmung fand am 4. September 2026 in New York statt. 164 Staaten stimmten für die Resolution „Correct the Map“, die USA als einziges Land dagegen, sechs Staaten enthielten sich. Das deutsche Entwicklungsministerium verwendet eine Weltkarte auf Grundlage der empfohlenen Equal-Earth-Projektion bereits seit diesem Frühjahr.
Die Resolution fordert keine Abschaffung der Mercator-Projektion und schreibt auch keine einheitliche Weltkarte vor. Regierungen, internationale Organisationen, Schulen und Technologieunternehmen werden vielmehr dazu aufgerufen, Equal Earth oder andere flächentreue Projektionen zu verwenden, wenn es auf die tatsächlichen Größenverhältnisse der Kontinente ankommt.
164 Staaten unterstützen afrikanische Initiative
Togo hatte die Resolution im Namen der afrikanischen Staatengruppe in die Generalversammlung eingebracht. Der Text geht auf eine Initiative der Afrikanischen Union zurück, die sich seit Monaten dafür einsetzt, die auf vielen Weltkarten verzerrte Darstellung Afrikas zu korrigieren.
„Eine faire Karte verändert nicht die Geografie der Welt, sie verändert, wie wir die Welt sehen“, sagte Togos Außenminister Robert Dussey vor der Abstimmung. Karten seien nicht nur geografische Werkzeuge. Sie prägten Bildung, Vorstellungskraft und die Wahrnehmung der Welt.

Die Afrikanische Union begrüßte das Abstimmungsergebnis. Ihr Kommissionsvorsitzender Mahmoud Ali Youssouf bezeichnete die Annahme der Resolution als wichtigen Schritt zu einer genaueren Darstellung Afrikas und anderer Weltregionen. Internationale Institutionen, Bildungssysteme, Verlage und digitale Plattformen sollten schrittweise Karten verwenden, die tatsächliche Flächenverhältnisse besser wiedergäben.
Die Afrikanische Union hatte Equal Earth im Februar 2026 als bevorzugte Projektion angenommen. Auch der neunte Panafrikanische Kongress in Lomé hatte zuvor gefordert, die verzerrte Darstellung des Kontinents auf Weltkarten international zum Thema zu machen.
Warum Afrika auf Mercator-Karten kleiner erscheint
Die Mercator-Projektion wurde 1569 vom flämischen Kartografen Gerardus Mercator für die Seefahrt entwickelt. Ihr Vorteil liegt darin, dass konstante Kompassrichtungen als gerade Linien dargestellt werden können. Für die Navigation war dies von großem praktischem Nutzen.
Die Methode verändert jedoch die Flächenverhältnisse erheblich. Regionen erscheinen umso größer, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. Gebiete in hohen nördlichen und südlichen Breiten werden dadurch gegenüber äquatornahen Regionen stark vergrößert.
Besonders anschaulich ist der Vergleich zwischen Afrika und Grönland. Auf vielen Mercator-Karten wirken beide Landmassen ähnlich groß. Tatsächlich ist Afrika flächenmäßig ungefähr 14-mal so groß wie Grönland.
Die UN-Resolution verweist deshalb auf eine „symbolische Verkleinerung“ Afrikas sowie auf verzerrte Größenverhältnisse für Lateinamerika und Südasien. Nach Auffassung der Initiatoren beeinflusst die jahrzehntelange Verwendung solcher Karten nicht nur den Geografieunterricht, sondern auch Vorstellungen über wirtschaftliche Größenordnungen, Infrastrukturbedarf und Entwicklungspotenziale.
Equal Earth wurde 2018 entwickelt und gehört zu den flächentreuen Projektionen. Bei solchen Karten bleiben die Größenverhältnisse der dargestellten Flächen erhalten. Dafür müssen andere Eigenschaften wie Formen oder Entfernungen stärker verzerrt werden. Auch die UN-Resolution erkennt ausdrücklich an, dass keine zweidimensionale Karte sämtliche Eigenschaften der kugelförmigen Erde gleichzeitig unverzerrt darstellen kann.
BMZ verwendet Equal Earth bereits
In Deutschland hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Wechsel bereits vollzogen. Das BMZ verwendet nach eigenen Angaben seit dem Frühjahr 2026 eine Weltkarte auf Grundlage der Equal-Earth-Projektion.
Das Ministerium stellt die Karte auch öffentlich zur Verfügung und bietet eine gedruckte Fassung an. Damit setzt eine deutsche Bundesbehörde bereits jene Darstellung ein, deren breitere Verwendung die Generalversammlung nun empfiehlt.
Auch Frankreich geht in diese Richtung. Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte unmittelbar vor der UN-Abstimmung an, dass das französische Außenministerium bei seinen Weltkarten künftig von der Mercator-Projektion abrücken werde. Eine veränderte Karte verändere zwar nicht die Welt, sagte Barrot, die Korrektur einer verzerrenden Darstellung sei jedoch „ein Akt der Wahrheit“.
USA lehnen Resolution als ideologisch ab
Washington stellte sich als einziges UN-Mitglied gegen die Resolution. Die Vertreterin der USA erklärte vor der Abstimmung, der zunächst technisch wirkende Vorstoß könne nicht von einem größeren „radikalen ideologischen Projekt“ getrennt werden.
Die Generalversammlung beschäftige sich mit Kartenprojektionen aus dem 16. Jahrhundert und deren Verbindung zu Wiedergutmachung und „kognitiver Gerechtigkeit“, kritisierte sie. Die Resolution „verspottet die Arbeit und den Zweck dieser Institution“, erklärte die US-Vertreterin.
Der Resolutionstext verwendet tatsächlich Begriffe wie „kognitive Gerechtigkeit“ und historische Wiedergutmachung. Die afrikanischen Initiatoren stellen die kartografische Frage damit ausdrücklich auch in einen historischen Zusammenhang mit kolonial geprägten Vorstellungen über Afrika.
Dussey wies zugleich den Vorwurf zurück, der Vorstoß richte sich gegen bestimmte Staaten, Zivilisationen oder kartografische Traditionen. Auch die historische Bedeutung der Mercator-Projektion für die Navigation werde nicht infrage gestellt.
Streit über Grenzen auf Equal-Earth-Karten
Die sechs Enthaltungen kamen von Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und der Ukraine. Ihre Einwände richteten sich weniger gegen flächentreue Karten als gegen politische Grenzdarstellungen auf Karten, die mit dem Equal-Earth-Projekt verbunden sind.

Die Ukraine erklärte, bestimmte Darstellungen russisch besetzter ukrainischer Gebiete seien nicht mit ihrer territorialen Integrität und einschlägigen Resolutionen der Generalversammlung vereinbar. Kiew warnte davor, die Empfehlung einer Kartenprojektion so auszulegen, dass daraus Aussagen über umstrittene Gebiete abgeleitet werden könnten.
Auch die Europäische Union griff diese Frage auf, unterstützte die Resolution jedoch. Sie stellte ausdrücklich klar, dass der Beschluss ausschließlich kartografische Größenverhältnisse, Bildung und geografische Kenntnisse betreffe. Fragen der Souveränität, des territorialen Status und international anerkannter Grenzen würden davon nicht berührt.
Mehrere weitere Staaten machten nach der Abstimmung ähnliche Vorbehalte geltend. Großbritannien stimmte für die Resolution, betonte aber ebenfalls, dass ihre Bezugnahme auf Equal Earth keine Anerkennung bestimmter Grenzdarstellungen bedeute.
Die Resolution ist nicht verbindlich. Sie empfiehlt Staaten unter anderem, Kartenprojektionen und deren Grenzen stärker im Schulunterricht zu behandeln, flächentreue Darstellungen bei geeigneten Anwendungen einzusetzen und Bildung, Medien sowie Wissenschaft für Verzerrungen durch unterschiedliche Projektionen zu sensibilisieren. Technologieplattformen werden aufgefordert, mit Staaten und regionalen Organisationen über genauere Darstellungen der Größenverhältnisse von Kontinenten zusammenzuarbeiten.

