Die Vereinten Nationen treiben ihre UN80-Reform in die Umsetzung und wollen 2026 die Zahl der Stellen im UN-Sekretariat um 21 Prozent reduzieren, Aufgaben an günstigere Standorte verlagern und Doppelstrukturen abbauen. Die Bilanz wurde am 3. September 2026 in New York vorgestellt. Zugleich hat die Generalversammlung erstmals einer institutionellen Fusion zugestimmt: Das Fortbildungszentrum des UN-Systems und das Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen UNITAR sollen zusammengeführt werden. Weitere mögliche Zusammenschlüsse betreffen unter anderem UNDP und UNOPS sowie UN-Women und den Bevölkerungsfonds UNFPA.
UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete den Schritt als Übergang von der Planung zur Umsetzung. „Wir sind von der Diagnose zum Entwurf und zunehmend zur Umsetzung übergegangen“, sagte er vor der Generalversammlung. UN80 solle die Organisation weniger fragmentiert machen, Verwaltungskosten senken und die Umsetzung bestehender Mandate verbessern.
21 Prozent weniger Stellen im UN-Sekretariat
Den stärksten unmittelbaren Einschnitt plant die Organisation im eigenen Sekretariat. Für 2026 sieht UN80 nach Darstellung von Guterres eine Verringerung der Stellen um 21 Prozent vor. Zugleich sollen Aufgaben an Standorte mit niedrigeren Kosten verlagert und Verwaltungsdienste stärker zusammengelegt werden.
Guterres stellte die Kürzungen als Teil eines neuen Betriebsmodells dar. Weniger Ressourcen sollten in administrative und bürokratische Abläufe fließen und mehr Kapazitäten für die eigentlichen Aufgaben der Vereinten Nationen zur Verfügung stehen.
Bereits aufgebaut wurde eine gemeinsame Verwaltungsplattform in New York, die rund 6.000 Beschäftigte unterstützt. Die Lohn- und Gehaltsabrechnung wurde nach Angaben des Generalsekretärs in einem globalen Team gebündelt. In Valencia nahm zudem ein digitales Zentrum seine Arbeit auf.
Eine im Juli veröffentlichte Roadmap untersucht weitere gemeinsame Dienstleistungen über einzelne UN-Einrichtungen und Standorte hinweg. Machbarkeitsanalysen sehen bei verschiedenen Verwaltungsdiensten Effizienzgewinne zwischen 20 und 80 Prozent. Dabei handelt es sich bislang um errechnete Potenziale, nicht um bereits realisierte Einsparungen.
Generalversammlung stimmt erster Fusion zu
Parallel zu den Einschnitten im Sekretariat beginnt der institutionelle Umbau des UN-Systems. Die Generalversammlung billigte die Zusammenlegung des United Nations System Staff College mit UNITAR.
Beide Einrichtungen arbeiten im Bereich Ausbildung und Weiterbildung. Durch die Fusion sollen ihre Angebote für Mitgliedstaaten und UN-Personal gebündelt werden. Guterres bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Schritt der UN80-Initiative.
Auch bei Forschungseinrichtungen laufen Zusammenlegungen. Für das UN-Forschungsinstitut für soziale Entwicklung UNRISD wurde ein Fahrplan zur Eingliederung in die Universität der Vereinten Nationen beschlossen. UNRISD soll dabei als Institut innerhalb der Universität weiterarbeiten.
Ein weiterer Plan sieht die Integration des Interregionalen Forschungsinstituts der Vereinten Nationen für Kriminalität und Rechtspflege in das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC vor.
UNDP und UNOPS könnten zusammengehen
Noch offen ist eine deutlich größere Strukturfrage. Die Vereinten Nationen prüfen einen möglichen Zusammenschluss des Entwicklungsprogramms UNDP mit dem Büro für Projektdienste UNOPS.
Die möglichen Vorteile einer Fusion werden derzeit im gemeinsamen Exekutivrat von UNDP, UNFPA und UNOPS behandelt. Für eine unabhängige Bewertung werden nach Angaben von Guterres die Bedingungen vorbereitet. Parallel untersuchen beide Organisationen, wie sie ihre Arbeit enger koordinieren und Doppelstrukturen reduzieren können.
Ebenfalls geprüft wurde eine engere institutionelle Verbindung zwischen UN-Women und dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen UNFPA. Die Untersuchung befasst sich damit, ob Kompetenzen zu Gleichstellung und Frauenrechten mit der Arbeit von UNFPA zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, Bevölkerungsentwicklung und Jugend stärker gebündelt werden könnten.
Die Leitungen beider Organisationen haben dazu Analysen in ihren jeweiligen Aufsichtsgremien vorgelegt. Eine Entscheidung über eine Fusion ist bislang nicht gefallen.
Bei UNAIDS geht die Neuordnung bereits weiter. Globale und nationale Aufgaben des gemeinsamen UN-Programms zu HIV/Aids sollen schrittweise auf andere Teile des UN-Systems übertragen werden. Konkrete Entscheidungen stellte Guterres für Oktober in Aussicht.
Mehr als 40.000 UN-Beschlüsse in einem Register
Ein weiterer Schwerpunkt von UN80 betrifft die Vielzahl der über Jahrzehnte angesammelten UN-Mandate. Guterres verwies auf Resolution 80/251, mit der die Mitgliedstaaten neue Verfahren für deren Verwaltung und Überprüfung geschaffen haben.
Ein digitales Mandatsregister bündelt inzwischen mehr als 40.000 Resolutionen und Entscheidungen seit 1946. Sie werden mit Programmen, Haushaltsangaben und Berichten des Generalsekretärs verknüpft.
Die Vereinten Nationen haben zudem mehr als 600 Reihen regelmäßig vorgeschriebener Berichte untersucht, die innerhalb der vergangenen drei Jahre veröffentlicht wurden. Neue Vorgaben sollen diese Berichte kürzer, verständlicher und stärker auf Ergebnisse ausrichten.
Würden die ersten Änderungen vollständig umgesetzt, könnte das Berichtswesen allein in diesem Jahr um rund 700.000 Wörter schrumpfen, sagte Guterres. Die Entscheidung darüber, welche Mandate bestehen bleiben oder verändert werden, liegt weiterhin ausschließlich bei den Mitgliedstaaten.
Gemeinsame Daten- und Technologiesysteme
Auch die IT-Strukturen der Vereinten Nationen sollen stärker vereinheitlicht werden. Eine sogenannte Technology Accelerator Platform soll gemeinsame technische Lösungen fördern, anstatt ähnliche Systeme in verschiedenen Organisationen parallel zu betreiben.
Mit dem UN System Data Commons entsteht zugleich eine gemeinsame Plattform für Daten und Statistiken. Mehr als 25 UN-Einrichtungen haben sich nach Angaben von Guterres daran beteiligt.

Der Generalsekretär formulierte das Prinzip der Reform so: Wenn verschiedene Einrichtungen im Wesentlichen dieselbe Aufgabe erfüllten, müsse geprüft werden, ob dafür tatsächlich jeweils eigene Systeme, Plattformen und technische Infrastruktur erforderlich seien.
Somalia und Sudan gehören zu fünf Reform-Pilotländern
UN80 soll sich auch auf die praktische Arbeit in Krisenstaaten auswirken. Im Rahmen des sogenannten New Humanitarian Compact erproben die Vereinten Nationen ein neues Modell ihrer humanitären Hilfe.
Die fünf Pilotgebiete sind Afghanistan, Haiti, Somalia, Sudan und die besetzten palästinensischen Gebiete. Humanitäre Planungen sollen dort vereinfacht, Lieferketten stärker miteinander verbunden und Datensysteme zusammengeführt werden.
Zugleich sollen die Zuständigkeiten zwischen einzelnen UN-Organisationen klarer werden. Die UN-Koordinatoren in den betroffenen Ländern erhalten zusätzliche Instrumente, um die verschiedenen Organisationen auf gemeinsame Prioritäten auszurichten.
Auch die Entwicklungsteams der Vereinten Nationen sollen stärker an den jeweiligen Bedürfnissen der Staaten ausgerichtet werden. Ein neues System für kurzfristig abrufbare Expertise soll Ländern Zugang zu Fachwissen aus dem gesamten UN-System ermöglichen, selbst wenn die entsprechenden Fachleute nicht dauerhaft vor Ort vertreten sind.

