Nigers Sicherheitskräfte haben einen Putschversuch in Niamey mit Unterstützung russischer Soldaten des Africa Corps niedergeschlagen. Die Kämpfe begannen in der Nacht vom 28. auf den 29. August und dauerten teilweise bis Samstagabend. Dutzende an dem Putschversuch beteiligte Soldaten wurden festgenommen, eine offizielle Zahl der Toten und Verletzten liegt weiterhin nicht vor. Einen Tag später entsandte Algerien auf Bitte der nigrischen Regierung vier Kampfflugzeuge nach Niamey.
Die russische Beteiligung wurde inzwischen von Moskau offiziell bestätigt. Das russische Außenministerium erklärte am Sonntag, Angriffe „regierungsfeindlicher Kräfte“ auf staatliche Einrichtungen seien von nigrischen Sicherheitskräften „mit Unterstützung von Militärangehörigen des Africa Corps“ zurückgeschlagen worden.
Beteiligte am Putschversuch griffen strategische Ziele in Niamey an
Die Auseinandersetzungen hatten kurz nach Mitternacht an der Luftwaffenbasis 101 begonnen, die unmittelbar am internationalen Flughafen Diori Hamani liegt. Anschließend wurden auch im Umfeld des Präsidentenpalastes und weiterer strategischer Einrichtungen Schüsse und Explosionen gemeldet.
Nigers Verteidigungsminister Salifou Mody sprach zunächst von einem „Unmutsausbruch“ einer Gruppe von Soldaten, die gegen militärische Vorschriften verstoßen habe. Die Soldaten hätten Kameraden auf der Basis 101 festgesetzt und anschließend auf sensible Einrichtungen in der Hauptstadt geschossen.
Die Konföderation der Allianz der Sahelstaaten, AES, wählte eine deutlich schärfere Formulierung. Das Bündnis aus Niger, Mali und Burkina Faso bezeichnete die Ereignisse als „Unternehmen zur Destabilisierung“ und sprach von „Verrat“ durch eine Gruppe von Soldaten.
Nach Angaben nigrischer Staatsmedien waren Hunderte unzufriedene Soldaten beteiligt. Im staatlichen Fernsehen wurden am Samstagabend Bilder von gefangenen und teilweise verletzten Militärangehörigen gezeigt. Auf weiteren Aufnahmen waren zahlreiche Soldaten in Reihen und auf den Knien zu sehen.
Eine genaue Zahl der Festgenommenen wurde nicht genannt. Während der Nacht zum Sonntag führten Sicherheitskräfte weitere Kontrollen und Festnahmen durch. Die Zufahrten nach Niamey wurden kontrolliert, strategische Punkte der Hauptstadt blieben durch schwer bewaffnete Einheiten gesichert.
Präsidentengarde und Africa Corps greifen ein
Eine zentrale Rolle bei der Niederschlagung spielte die Präsidentengarde von Staatschef Abdourahamane Tiani. Sicherheitsquellen zufolge blieb sie Tiani loyal und ging gegen die am Putschversuch beteiligten Einheiten vor.
An der Luftwaffenbasis 101 erhielten die nigrischen Kräfte Unterstützung durch das russische Africa Corps. Russlands Botschafter in Niger, Viktor Voropaev, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur TASS, die russischen Kräfte hätten eine Anfrage zur Unterstützung bei der Neutralisierung der am Putschversuch beteiligten Soldaten erhalten.
Das russische Außenministerium bestätigte den Einsatz am Sonntag ebenfalls. Moskau erklärte zugleich, die Behörden unter Tiani hätten die Lage wieder unter Kontrolle.
Die Basis 101 besitzt besondere strategische Bedeutung. Dort befinden sich neben nigrischen Luftstreitkräften und Drohnen auch das Hauptquartier der russischen Militärpräsenz sowie Strukturen der gemeinsamen Streitkräfte der Allianz der Sahelstaaten. Auch italienische Soldaten sind auf dem Gelände stationiert.
Soldaten aus besonders belasteten Frontregionen beteiligt
Unter den am Putschversuch Beteiligten befanden sich nach übereinstimmenden Medienberichten Angehörige verschiedener Einheiten, darunter Soldaten der Spezialkräfte. Ein Teil soll aus den Regionen Tillabéri und Dosso sowie aus Ouallam und Téra nach Niamey gekommen sein.
Diese Verbände kämpfen im Westen Nigers gegen den Islamischen Staat in der Sahelzone und die mit Al-Qaida verbundene Gruppe Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin, JNIM. Die nigrischen Streitkräfte haben dort wiederholt hohe Verluste erlitten.
Analysten und Sicherheitsquellen berichteten zuletzt von wachsender Unzufriedenheit innerhalb einzelner Fronteinheiten. Der Direktor des Timbuktu Institute, Bakary Sambe, verwies auf wiederholte Frustrationen innerhalb der Spezialkräfte über die Verluste im Kampf gegen dschihadistische Gruppen.
Ob die Ereignisse als organisierter Versuch zur Übernahme der Staatsmacht geplant waren, haben die nigrischen Behörden bislang nicht erklärt. Der Verteidigungsminister bezeichnete sie offiziell als „Unmutsbewegung“. Andere Quellen berichten, dass junge Offiziere einen Sturz Tianis angestrebt hätten.
Algerien entsendet vier Kampfflugzeuge
Am Sonntag landeten vier algerische Kampfflugzeuge auf dem Flughafen von Niamey. Sie wurden von einem Tankflugzeug vom Typ Iljuschin Il-78 begleitet. Zuvor war auch ein militärisches Transportflugzeug vom Typ Il-76 eingetroffen.

Die staatliche nigrische Nachrichtenagentur ANP bezeichnete die Entsendung als Unterstützung Algeriens für die nigrischen Streitkräfte. Premierminister Ali Mahaman Lamine Zeine sowie Verteidigungsminister Salifou Mody und die Führung der nigrischen Streitkräfte empfingen die algerische Delegation am Flughafen.
Nach Angaben des algerischen Verteidigungsministeriums erfolgte die Entsendung auf Bitte der nigrischen Behörden und auf Weisung von Präsident Abdelmadjid Tebboune. Algerische Medien identifizierten die vier Maschinen als Sukhoi Su-30.
Die militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern war bereits Anfang August ausgebaut worden. Algerien hatte Niger am 9. August vier Hubschrauber übergeben, darunter zwei Mi-171 und zwei Mi-24.
Neben Algerien erklärte auch die Türkei ihre Unterstützung für Niger und rief zur Zurückhaltung auf. Die AES stellte sich hinter die nigrischen Institutionen und lobte die loyal gebliebenen Sicherheitskräfte für die Niederschlagung des Putschversuchs.
Niger wird seit dem Militärputsch vom Juli 2023 von Abdourahamane Tiani geführt. Seine Regierung beendete einen Großteil der bisherigen sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit westlichen Staaten und baute insbesondere die militärischen Beziehungen zu Russland aus.

