Die Demokratische Republik Kongo fordert von den USA konkrete Investitionen in Bergbau, Infrastruktur und Energieversorgung statt weiterer wirtschaftlicher Absichtserklärungen. Anlass war die zweite Sitzung des gemeinsamen Lenkungsausschusses am 5. November 2026 in Paris. Kongos Wirtschaftsminister Daniel Mukoko Samba erklärte, der Erfolg der strategischen Partnerschaft müsse an fertiggestellten Projekten, neuen Arbeitsplätzen und greifbaren wirtschaftlichen Ergebnissen gemessen werden. Obwohl beide Regierungen Fortschritte bei wichtigen Rohstoff- und Infrastrukturprojekten meldeten, wurden keine neuen Finanzierungszusagen bekannt gegeben.
Die Regierung in Kinshasa verbindet die Zusammenarbeit mit Washington mit der Erwartung, künftig einen größeren Teil ihrer Bodenschätze im eigenen Land zu verarbeiten und zusätzliche Industriearbeitsplätze zu schaffen. Die USA wollen zugleich ihren Zugang zu Kupfer, Kobalt und anderen kritischen Rohstoffen ausbauen und ihre Lieferketten unabhängiger von der chinesisch dominierten Verarbeitung machen.
Wirtschaftsminister verlangt messbare Ergebnisse
Daniel Mukoko Samba, zugleich stellvertretender Premierminister der Demokratischen Republik Kongo, formulierte nach den Gesprächen eine klare Erwartung an die amerikanische Seite.
„Unsere Forderung: von unterzeichneten Abkommen zu tatsächlichen Investitionen übergehen“, erklärte er am 6. November auf der Plattform X.
Neun Monate nach dem ersten Treffen des Lenkungsausschusses in Washington seien mehrere Vorhaben vorangekommen. Dazu gehörten der Lobito-Korridor, das Wasserkraftprojekt Grand Inga sowie neue Möglichkeiten für den Export und die Verarbeitung von Kupfer und Kobalt.
Der Erfolg des Abkommens solle künftig daran gemessen werden, wie viele Projekte abgeschlossen, wie viele Arbeitsplätze geschaffen und welche Fortschritte bei der Wiederherstellung des Friedens erzielt worden seien.

Die USA und die Demokratische Republik Kongo hatten ihre strategische Partnerschaft am 4. Dezember 2025 vereinbart. Sie soll amerikanische Investitionen in den kongolesischen Rohstoffsektor ermöglichen und zugleich Infrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität fördern.
Lobito-Korridor soll Kupfer und Kobalt zum Atlantik bringen
Eines der wichtigsten Vorhaben ist der Ausbau des Lobito-Korridors, einer Transportverbindung zwischen den Rohstoffregionen der Demokratischen Republik Kongo und Sambias sowie dem angolanischen Atlantikhafen Lobito.
Die bestehende Bahnstrecke soll modernisiert und durch weitere Verbindungen ergänzt werden. Damit können Kupfer, Kobalt und andere Erzeugnisse aus den zentralafrikanischen Bergbaugebieten über Angola zu internationalen Märkten transportiert werden.
Besondere Bedeutung hat der kongolesische Abschnitt zwischen Dilolo an der Grenze zu Angola und Sakania an der Grenze zu Sambia.
Beim Treffen in Paris begrüßten beide Delegationen die Unterzeichnung eines Konzessionsvertrags für den Lobito-Korridor. Damit wurde ein weiterer rechtlicher Schritt zur Entwicklung der Infrastruktur erreicht.
Die Vereinbarung bedeutet jedoch nicht, dass die gesamte Finanzierung der vorgesehenen Bahnstrecken bereits gesichert ist.
Am Lobito-Korridor sind neben den USA auch die Europäische Union, die Afrikanische Entwicklungsbank und weitere internationale Finanzierungspartner beteiligt. Die Europäische Union unterstützt das Projekt im Rahmen ihrer Global-Gateway-Initiative, die Verkehrs-, Energie- und Handelsverbindungen zwischen Europa und Partnerstaaten ausbauen soll.
Grand Inga soll Energie für die Industrialisierung liefern
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war das geplante Wasserkraftprojekt Grand Inga am Kongo-Fluss.
Das Vorhaben gehört zu den größten langfristig geplanten Energieprojekten Afrikas. Es soll die umfangreichen Wasserkraftressourcen des Flusses erschließen und könnte sowohl den Strombedarf der Demokratischen Republik Kongo als auch den regionaler Abnehmer decken.
Für die kongolesische Regierung ist die Energieversorgung eng mit der Industrialisierung verbunden. Bergbauunternehmen benötigen große Mengen Elektrizität für die Förderung und insbesondere für die Weiterverarbeitung von Erzen.
Bislang wird ein erheblicher Teil der kongolesischen Rohstoffe außerhalb des Landes verarbeitet. Der Ausbau einer eigenen Industrie setzt deshalb neben Investitionen in Fabriken auch eine leistungsfähigere Stromversorgung voraus.
Die amerikanische und die kongolesische Delegation berieten in Paris über die nächsten Schritte bei Grand Inga. Konkrete neue Finanzierungszusagen, verbindliche Bauentscheidungen oder zusätzliche Zeitpläne wurden in der gemeinsamen Erklärung allerdings nicht genannt.
Amerikanische Entwicklungsbank prüft weitere Investitionen
Die amerikanische Entwicklungsfinanzierungsinstitution International Development Finance Corporation (DFC) stellte bei dem Treffen ihre wachsende Liste möglicher Investitionsvorhaben im Kongo vor.
Beide Regierungen verwiesen zudem auf ein zunehmendes Interesse amerikanischer Unternehmen an der sogenannten strategischen Rohstoffreserve. Dabei handelt es sich um einen im Partnerschaftsabkommen vorgesehenen Mechanismus für ausgewählte Mineralvorkommen und Bergbauprojekte.
Die Vereinbarung räumt amerikanischen Investoren besondere Möglichkeiten ein, sich frühzeitig um entsprechende Projekte und Rohstofflieferungen zu bemühen.
Washington will dadurch den Zugang zu Rohstoffen sichern, die unter anderem für Batterien, Elektrofahrzeuge, Energietechnik und industrielle Anwendungen benötigt werden.
Für Kinshasa ist die Vergabe von Förderrechten dagegen nur ein Teil der angestrebten wirtschaftlichen Entwicklung. Die Regierung fordert zusätzlich Investitionen in Verarbeitungskapazitäten und Arbeitsplätze vor Ort.
Das kongolesische Parlament hat inzwischen steuer- und zollrechtliche Regelungen für Vorhaben im Rahmen der strategischen Partnerschaft geschaffen. Diese sollen Investoren mehr Planungssicherheit bieten.
Beide Delegationen vereinbarten, die Umsetzung dieser Vorschriften weiter abzustimmen. Neue konkrete Investitionssummen wurden nicht veröffentlicht.
Kongos Rohstoffpolitik zwischen USA und China
Die Demokratische Republik Kongo nimmt auf den internationalen Rohstoffmärkten eine zentrale Stellung ein. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Kobalt und gehört zu den größten Kupferförderern.
Während zahlreiche Rohstoffe im Kongo gewonnen werden, spielt China bei ihrer industriellen Verarbeitung und in den internationalen Lieferketten eine dominierende Rolle. Chinesische Unternehmen sind zudem an bedeutenden kongolesischen Bergbauprojekten beteiligt.
Die Vereinigten Staaten verfolgen deshalb das Ziel, alternative Lieferketten aufzubauen und amerikanischen Unternehmen einen stärkeren Zugang zum kongolesischen Rohstoffmarkt zu verschaffen.
Das strategische Partnerschaftsabkommen sieht dafür unter anderem besondere Investitionsmöglichkeiten, den Zugang zu ausgewählten Rohstoffprojekten und eine engere Zusammenarbeit bei der Vermarktung mineralischer Erzeugnisse vor.
Erste wirtschaftliche Aktivitäten sind bereits angelaufen. Dazu gehören amerikanisch unterstützte Bergbauvorhaben sowie zusätzliche Kupferlieferungen in die USA. Die langfristig vorgesehenen Infrastruktur- und Industrieprojekte befinden sich jedoch teilweise noch in der Entwicklungs- oder Finanzierungsphase.
Die kongolesische Regierung versucht gleichzeitig, internationale Investitionen stärker an Bedingungen für lokale Beschäftigung und Wertschöpfung zu knüpfen.
Sicherheit im Ostkongo bleibt Teil der Rohstoffpartnerschaft
Neben wirtschaftlichen Fragen stand die Sicherheitslage im Osten der Demokratischen Republik Kongo auf der Tagesordnung.
Die Region ist seit Jahren von bewaffneten Konflikten geprägt. Insbesondere die Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee, der M23-Rebellengruppe und weiteren bewaffneten Akteuren beeinträchtigen die staatliche Kontrolle und die wirtschaftliche Entwicklung.
Die USA und die Demokratische Republik Kongo bekräftigten in Paris, dass Frieden und Sicherheit eine Grundlage der strategischen Partnerschaft seien.
Mukoko Samba verlangte deshalb, die wirtschaftliche Zusammenarbeit auch an Fortschritten bei der Stabilisierung des Landes zu messen.
Beide Regierungen kündigten eine engere Abstimmung ihrer Ministerien, Behörden und technischen Institutionen an. Der gemeinsame Lenkungsausschuss soll die Umsetzung der Projekte anhand klarer Zuständigkeiten, realistischer Zeitpläne und überprüfbarer Ergebnisse begleiten.
