DR Kongo fordert UN-Regeln für Kobalt und Kupfer: „Keine blutbefleckten Mineralien“

„Keine dekarbonisierte Wirtschaft mit blutbefleckten Mineralien“: Die DR Kongo fordert neue globale Regeln für Kobalt und Kupfer. Gleichzeitig verlangt Kinshasa die Umsetzung der UN-Resolution zum Ostkongo und will deutlich mehr Rohstoffverarbeitung im eigenen Land.

Die Demokratische Republik Kongo fordert einen internationalen Rahmen für kritische Rohstoffe und will Kobalt und Kupfer stärker im eigenen Land verarbeiten, statt sich auf die Rolle als Rohstofflieferant zu beschränken. Premierministerin Judith Suminwa Tuluka stellte den Vorschlag am Donnerstag, 24. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York vor. Sie verband die Rohstofffrage unmittelbar mit dem Krieg im Osten des Landes und warf Ruanda erneut vor, über die AFC/M23 militärisch in der DR Kongo einzugreifen. Zugleich soll eine strengere Rückverfolgbarkeit verhindern, dass Rohstoffe für Energiewende und Elektromobilität mit Konflikten und Kinderarbeit verbunden bleiben. 

Kongo schlägt weltweite Regeln für kritische Rohstoffe vor

Suminwa will unter dem Dach der Vereinten Nationen gemeinsam mit der Afrikanischen Union einen globalen Rahmen für faire, rückverfolgbare und krisenfeste Lieferketten bei kritischen Mineralien schaffen.

Beteiligt werden sollen Förder-, Verarbeitungs- und Verbraucherländer. Unternehmen, Händler, Raffinerien, Hersteller und Finanzinstitutionen sollen ebenfalls Verantwortung für die Herkunft der von ihnen genutzten Rohstoffe übernehmen.

Der Rahmen soll nach dem Vorschlag Kinshasas vier Bereiche miteinander verbinden: die Rückverfolgbarkeit von Mineralien, die Verantwortung wirtschaftlicher Akteure, den Schutz von Beschäftigten und Gemeinden sowie eine stärkere Verteilung der Wertschöpfung zugunsten der Förderländer. 

Die DR Kongo gehört zu den wichtigsten Rohstofflieferanten der Welt. Sie dominiert den internationalen Kobaltmarkt und ist zugleich ein bedeutender Kupferproduzent. Kobalt und Kupfer werden unter anderem für Batterien, Stromnetze, Elektrofahrzeuge und digitale Infrastruktur benötigt. Das Landgehört zu den zentralen globalen Lieferanten beider Metalle für Elektrofahrzeuge und saubere Energietechnologien. 

„Wir können keine dekarbonisierte Wirtschaft mit blutbefleckten Mineralien aufbauen“, sagte Suminwa. Eine gerechte Energiewende könne nicht darin bestehen, alte wirtschaftliche Abhängigkeiten lediglich in grüner Form fortzusetzen. 

Mehr Verarbeitung soll im Kongo stattfinden

Kinshasa will deshalb einen größeren Teil der Verarbeitung im eigenen Land ansiedeln.

Kobalt und Kupfer sollen nicht nur gefördert und exportiert werden. Die Regierung will nach den Worten Suminwas Vorprodukte für Batterien und industrielle Komponenten herstellen, Ingenieure ausbilden, Forschungskapazitäten stärken und kongolesische Unternehmen enger in internationale Wertschöpfungsketten einbinden.

„Wir wollen nicht länger einfach der Keller der Weltwirtschaft sein“, sagte die Premierministerin. Die DR Kongo wolle sich zu einem Produktionsstandort, Forschungszentrum und souveränen Partner entwickeln. 

Die Regierung versucht bereits, stärkeren Einfluss auf den Kobaltmarkt zu gewinnen. Im Juni verschärfte die staatliche Rohstoffbehörde die Kontrolle über Exportquoten und stellte nicht genutzte Mengen für Projekte von nationalem Interesse bereit. Dazu zählt ausdrücklich auch die Verarbeitung von Kobalt im Land. Die DR Kongo verfügt nach Angaben der Behörde über mehr als 70 Prozent der weltweiten Kobaltreserven. 

Lobito-Korridor soll mehr werden als eine Exportstrecke

Eine zentrale Rolle weist Suminwa dem Lobito-Korridor zu. Das von mehreren internationalen Partnern unterstützte Infrastrukturprojekt verbindet die rohstoffreichen Gebiete der DR Kongo und Sambias über Angola mit dem Atlantikhafen Lobito.

Die Europäische Union gehört gemeinsam mit den USA, Italien, Angola, der DR Kongo, Sambia, der Afrikanischen Entwicklungsbank und weiteren Partnern zu den Unterstützern des Vorhabens. Die EU beschreibt den Korridor als regionale Wirtschaftsachse, die den Süden der DR Kongo und den sambischen Kupfergürtel mit internationalen Märkten verbinden soll. 

Suminwa machte jedoch deutlich, dass Kinshasa den Erfolg des Projekts nicht allein an schnelleren Rohstoffexporten messen will.

„Ein Korridor, der nur den Weg von der Mine zum Hafen verkürzt, wiederholt lediglich die Vergangenheit“, sagte sie. Der Lobito-Korridor müsse stattdessen zu einer Achse regionaler Industrialisierung werden. Dazu sollen Verkehrswege, Energieversorgung, Verarbeitung und regionale Handelsbeziehungen ausgebaut werden. 

Ziel: Kein Kind mehr in einer Mine

Die kongolesische Regierung verband ihre Forderung nach neuen Lieferkettenregeln ausdrücklich mit dem Kampf gegen Kinderarbeit.

Gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation, UNICEF und weiteren Partnern sollen Kontrollen, Schulbesuch und wirtschaftliche Alternativen für Familien verbessert werden. Auch der handwerkliche Kleinbergbau soll stärker formalisiert, Händler sollen reguliert und Abbaugebiete besser kontrolliert werden.

Das Ziel formulierte Suminwa knapp: „Null Kinder in den Minen.“

Verantwortung ende dabei nicht an den Landesgrenzen. Abnehmer und Hersteller müssten ebenfalls sicherstellen, dass ihre Lieferketten nicht auf Kinderarbeit beruhten.

„Der wirkliche Beweis für eine verantwortungsvolle Lieferkette ist nicht das Elektrofahrzeug, das am Ende verkauft wird. Es ist das Kind, das am Anfang der Lieferkette nicht mehr in die Mine hinabsteigt“, sagte die Premierministerin. 

Kinshasa verbindet Rohstoffe mit Krieg im Ostkongo

Die Rohstoffagenda stellte Suminwa unmittelbar in den Zusammenhang mit dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt im Osten der DR Kongo.

Die Premierministerin bezeichnete die Lage als einen von Ruanda geführten „Aggressionskrieg“ über die Allianz AFC/M23. Diese Formulierung gibt die Position der kongolesischen Regierung wieder.

Der UN-Sicherheitsrat hat die Rolle Ruandas jedoch in zentralen Punkten ebenfalls ausdrücklich thematisiert. In der einstimmig angenommenen Resolution 2773 vom Februar 2025 verurteilte er die Offensive der M23 „mit Unterstützung der ruandischen Streitkräfte“ und forderte Ruanda auf, seine Unterstützung für die M23 einzustellen und seine Streitkräfte ohne Vorbedingungen aus der DR Kongo abzuziehen. 

Gleichzeitig verlangte der Sicherheitsrat von der kongolesischen Regierung, jede Unterstützung für bewaffnete Gruppen wie die Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas, FDLR, einzustellen und Verpflichtungen zu deren Neutralisierung umzusetzen. Auch im Juni 2026 wurden beide Forderungen im Sicherheitsrat erneut formuliert. 

Damit enthält Resolution 2773 Verpflichtungen für beide Seiten des Konflikts.

Kongo verlangt Umsetzung statt neuer Resolutionen

Suminwa stellte deshalb nicht neue Verhandlungen im Sicherheitsrat in den Vordergrund, sondern die Durchsetzung bereits gefasster Beschlüsse.

„Wir brauchen keine neuen Texte, die jene ersetzen, die bereits verabschiedet wurden. Was wir brauchen, ist ihre Umsetzung“, sagte sie.

Resolution 2773 verlangt unter anderem eine Einstellung der Feindseligkeiten, den Rückzug der M23 aus kontrollierten Gebieten, das Ende paralleler Verwaltungsstrukturen, den Rückzug ruandischer Truppen sowie humanitären Zugang. Sie verurteilt außerdem die illegale Ausbeutung und den Handel mit natürlichen Ressourcen im Osten der DR Kongo. 

Das Friedensabkommen zwischen der DR Kongo und Ruanda, das am 27. Juni 2025 in Washington unterzeichnet wurde, bezeichnete Suminwa gemeinsam mit dem Doha-Prozess und der Vermittlung der Afrikanischen Union als mögliche Wege zu einer politischen Lösung.

Das Washington-Abkommen sieht unter anderem Sicherheitsvereinbarungen, den Rückzug ruandischer Kräfte und eine stärkere regionale wirtschaftliche Integration vor. Rohstofflieferketten und Investitionen bilden einen wichtigen wirtschaftlichen Bestandteil der Vereinbarungen. 

Für Millionen Kongolesen sei der Frieden trotzdem weiterhin nur ein Versprechen, sagte Suminwa.

Streit um die FDLR bleibt zentral

Einen zentralen Konfliktpunkt zwischen Kigali und Kinshasa bildet weiterhin die FDLR.

Ruandas Premierminister Justin Nsengiyumva hatte wenige Stunden zuvor vor der UN-Generalversammlung erklärt, die Gruppe verbreite seit mehr als drei Jahrzehnten eine genozidale Ideologie, begehe schwere Menschenrechtsverletzungen und stelle eine direkte Gefahr für die Sicherheit Ruandas dar.

Die Vereinten Nationen führen die FDLR als sanktionierte bewaffnete Organisation. Der Sicherheitsrat machte im Juli 2026 bei der Sanktionierung eines führenden FDLR-Mitglieds die Gruppe unter anderem für Angriffe auf Zivilisten, Tötungen, Vertreibungen, die Rekrutierung von Kindern und sexuelle Gewalt verantwortlich. 

Suminwa erklärte nun, die DR Kongo setze ihre Verpflichtungen zur Entwaffnung der FDLR um. Ein am 30. Mai vereinbartes Protokoll sehe Entwaffnung, Demobilisierung, Zusammenführung und anschließende Rückführung oder Neuansiedlung von Kämpfern vor. Am 8. September seien mit Unterstützung der UN-Mission MONUSCO 120 mit der FDLR verbundene Personen zurückgeführt worden, sagte sie. 

Aus Sicht Kinshasas dürfe die FDLR deshalb nicht länger als Begründung für die Präsenz ausländischer Streitkräfte auf kongolesischem Territorium dienen.

MONUSCO soll vorerst bleiben

Bei der Zukunft der UN-Friedensmission MONUSCO warnte die Premierministerin vor einem Rückzug unabhängig von der Sicherheitslage.

Die Mission spiele weiterhin eine Rolle beim Schutz der Zivilbevölkerung, bei der Überwachung einer Waffenruhe und bei der Unterstützung der Friedensvereinbarungen. Veränderungen ihrer Präsenz müssten von den Bedingungen vor Ort, den Fähigkeiten kongolesischer Institutionen und der Vermeidung eines Sicherheitsvakuums abhängen.

Der Sicherheitsrat hat MONUSCO ebenfalls eine Rolle bei der Unterstützung der laufenden Friedensprozesse zugewiesen. Noch im Juni forderten Ratsmitglieder uneingeschränkte Bewegungsfreiheit für die Mission und die Wiederherstellung ihres Zugangs zu wichtigen Flughäfen und Versorgungswegen. 

Suminwa verband den Friedensprozess dabei erneut mit der Rohstofffrage. Die Bodenschätze, die bislang Konflikte mitfinanzierten, sollten zu einer Grundlage für industrielle Entwicklung und regionale Zusammenarbeit werden.

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