EU bezahlt – USA profitieren: DR Kongo vergibt Lobito-Konzession für Rohstoffe

EU investiert, doch USA und China profitieren: Der Lobito-Korridor wird zum geopolitischen Schauplatz im Wettbewerb um Afrikas Rohstoffe.

Die Demokratische Republik Kongo hat die Konzession für ihren Abschnitt des Lobito-Korridors genehmigt und damit ein zentrales Infrastrukturprojekt ihrer strategischen Partnerschaft mit den USA vorangebracht. Die Entscheidung fiel am 10. Juli im kongolesischen Ministerrat. Der Konzessionsvertrag soll an das von der US-Entwicklungsbank DFC unterstützte Unternehmen Mota-Engil vergeben werden. Washington verbindet die Verkehrsroute mit dem Aufbau sicherer Lieferketten für kritische Rohstoffe und einer stärkeren wirtschaftlichen Anbindung Zentralafrikas an den Atlantik.

Das Büro für afrikanische Angelegenheiten des US-Außenministeriums bezeichnete die Genehmigung als einen wichtigen Meilenstein der strategischen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der DR Kongo. Die endgültige Unterzeichnung des Konzessionsvertrags steht noch aus.

Erst danach kann nach Darstellung des US-Außenministeriums die Unterstützung der U.S. International Development Finance Corporation, kurz DFC, abgeschlossen Aufbau sicherer Lieferketten für kritische Rohstoffe und mit der Umsetzung begonnen werden.

Korridor verbindet kongolesische Rohstoffregionen mit dem Atlantik

Der Lobito-Korridor soll die rohstoffreichen Gebiete der Demokratischen Republik Kongo und Sambias über Angola mit dem Hafen von Lobito am Atlantischen Ozean verbinden. Eisenbahnstrecken, Straßen und weitere Logistikinfrastruktur sollen den Transport von Rohstoffen und anderen Waren erleichtern.

Die USA wollen mit dem Projekt zugleich Investitionen in der Region fördern, Arbeitsplätze schaffen und den Handel zwischen den beteiligten Ländern ausbauen. Das US-Außenministerium bezeichnete die Route als Verbindung, von der Zentralafrika insgesamt profitieren könne.

Für die Vereinigten Staaten ist der Korridor eng mit dem Zugang zu kritischen Mineralien verbunden. Die DR Kongo verfügt über große Vorkommen von Rohstoffen, die unter anderem für Batterien, Elektronik, Energietechnik und moderne Rüstungssysteme benötigt werden.

Das strategische Partnerschaftsabkommen zwischen Washington und Kinshasa soll mehr amerikanische und mit den USA verbundene Investitionen in den kongolesischen Bergbausektor ermöglichen. Zugleich wollen beide Seiten die Rohstoffproduktion stärker diversifizieren und verlässliche Lieferwege aufbauen.

EU-Förderung und Kritik an geopolitischer Nutzung

Der Lobito-Korridor ist jedoch nicht ausschließlich ein Projekt der USA. Die Europäische Union hat im Rahmen ihrer Global-Gateway-Initiative bereits Fördergelder, politische Unterstützung und Investitionserleichterungen für den Ausbau der Infrastruktur bereitgestellt. Ziel war es, nachhaltige Entwicklung, regionale Integration und stabile Handelsverbindungen zu fördern.

Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die EU zwar maßgeblich zur Anschubfinanzierung und politischen Absicherung beigetragen habe, nun aber vor allem andere Akteure von dem Projekt profitieren könnten. Insbesondere die USA nutzen den Korridor strategisch zur Sicherung von Rohstofflieferketten, während China weiterhin über starke Positionen in der Verarbeitung und Logistik verfügt.

Diese Entwicklung wirft Fragen nach der strategischen Positionierung Europas auf. Beobachter sehen die Gefahr, dass europäische Investitionen indirekt geopolitische Konkurrenzprojekte stärken, ohne dass die EU selbst in gleichem Maße wirtschaftlich oder politisch profitiert.

Washington verbindet Lobito mit Wettbewerb um Lieferketten

US-Unterstaatssekretär Jacob Helberg bezeichnete die kongolesische Entscheidung als Signal für die Fortsetzung der Partnerschaft mit Washington. Der Lobito-Korridor sei ein zentraler Bestandteil der amerikanischen Investitionsstrategie und solle transparente Lieferketten für Rohstoffe schaffen, die auch für die Entwicklung künstlicher Intelligenz benötigt würden.

Die US-Regierung stellt das Projekt zunehmend in den Zusammenhang ihres wirtschaftlichen und technologischen Wettbewerbs mit China. Bei einer Anhörung des Auswärtigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses am 15. Juli erklärte der Ausschussvorsitzende Brian Mast, die Vereinigten Staaten dürften bei Rohstoffen, Technologien, Energie und Infrastruktur nicht von China oder anderen strategischen Konkurrenten abhängig bleiben.

China habe über Jahrzehnte Einfluss auf Bergwerke, Verarbeitungskapazitäten, Häfen, Logistiknetze und Technologieplattformen aufgebaut, sagte Mast. Die USA müssten deshalb ihre diplomatischen, finanziellen und wirtschaftspolitischen Instrumente enger miteinander verbinden.

Die Anhörung unter dem Titel „Beendigung der Lieferkettenabhängigkeit“ befasste sich mit der Rolle der DFC, der U.S. Trade and Development Agency und der Millennium Challenge Corporation. Die drei staatlichen Einrichtungen sollen Projekte vorbereiten, Investitionen finanzieren und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Partnerländern verbessern.

DFC finanziert Bahnstrecke mit 553 Millionen Dollar

DFC-Vorstandschef Ben Black verwies bei der Anhörung auf einen Kredit über 553 Millionen US-Dollar für die Wiederherstellung der Lobito Atlantic Railway. Die Bahnstrecke bildet einen wesentlichen Teil des Korridors zwischen dem Atlantikhafen in Angola und den Rohstoffregionen im südlichen Zentralafrika.

Die Finanzierung soll dazu beitragen, eine stärker westlich ausgerichtete Lieferquelle für kritische Mineralien aufzubauen. Zugleich könnten die Transportkosten für den regionalen Handel um bis zu 30 Prozent sinken.

Seit Blacks Amtsantritt hat die DFC nach seinen Angaben rund 1,5 Milliarden Dollar für Projekte in Afrika zugesagt. Die staatliche Entwicklungsbank verfügt seit ihrer erneuten gesetzlichen Ermächtigung über eine Investitionskapazität von 205 Milliarden Dollar.

Ihre internationale Projektpipeline umfasst derzeit mehr als 340 mögliche Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 78 Milliarden Dollar. Die Projekte verteilen sich auf Landwirtschaft, Gesundheitsversorgung, Finanzdienstleistungen, Energie, Technologie und kritische Rohstoffe.

Neben dem Lobito-Korridor baut die DFC ihre Investitionen im internationalen Rohstoffsektor aus. Die Behörde beteiligt sich mit 600 Millionen Dollar an einem Rohstoffkonsortium mit einem Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Dollar. Weitere Finanzierungen von 900 Millionen Dollar für Bergbau- und Mineralprojekte wurden nach Angaben Blacks bereits genehmigt.

USA setzen auf staatlich gestützte private Investitionen

Die amerikanische Strategie verbindet staatliche Kredite und Garantien mit privatem Kapital. Die DFC soll Projekte finanzieren, die wegen ihrer Größe, ihrer Risiken oder ihrer strategischen Bedeutung nicht allein durch den Markt zustande kommen.

Black bezeichnete große Infrastruktur-, Energie- und Rohstoffprojekte als Schwerpunkt der künftigen Arbeit. Die Investitionen sollen wirtschaftliche Strukturen schaffen, die langfristig mit amerikanischen Kapitalmärkten, Unternehmen und Technologien verbunden sind.

Das US-Außenministerium sieht die Genehmigung der kongolesischen Konzession als Bestätigung dieses Ansatzes. Die Regierung in Kinshasa habe damit ihr Interesse an amerikanisch gestützten Investitionen, offenen Märkten und transparenteren Lieferketten bekräftigt.

Die abschließende Unterzeichnung des Vertrags zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Mota-Engil war am 15. Juli noch nicht erfolgt. Washington und Kinshasa bereiteten nach Angaben des US-Außenministeriums eine Unterzeichnungszeremonie vor.

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