Die UN-Generalversammlung hat Khalilur Rahman aus Bangladesch zu ihrem nächsten Präsidenten gewählt und damit den Übergang von Annalena Baerbocks Amtszeit eingeleitet. Die Wahl fand am Dienstag, 2. Juni 2026, in New York statt.
Rahman setzte sich in geheimer Abstimmung mit 99 Stimmen gegen Andreas Kakouris aus Zypern durch, der 91 Stimmen erhielt. Der Außenminister Bangladeschs übernimmt das Amt im September zur 81. Sitzungsperiode der Generalversammlung.
Ein Amt im Zentrum der UN-Reformdebatte
Rahman übernimmt die Präsidentschaft in einer Phase, in der die Vereinten Nationen unter wachsendem Reformdruck stehen. In seiner Ansprache stellte er die Wiederherstellung von Vertrauen, den Umgang mit globalen Umbrüchen und eine handlungsfähige UN in den Mittelpunkt. Sein Leitmotiv lautet: „Vertrauen wiederherstellen, Transformation gestalten: Vereinte Nationen, die für alle liefern.“
Der designierte Präsident erklärte vor den Mitgliedstaaten, die Vereinten Nationen müssten zeigen, dass sie sich anpassen, reformieren und bessere Ergebnisse liefern könnten. Zugleich müssten sie rechtfertigen, „jeden Cent“, den Mitgliedstaaten zur Verfügung stellten. Die Formulierung verweist auf eine Debatte, die die UN seit Monaten prägt: wachsende Aufgaben, sinkende Finanzierung und der Vorwurf mangelnder Effizienz.

Rahman ist derzeit Außenminister Bangladeschs. Er trat 1979 in den diplomatischen Dienst seines Landes ein und hatte nach UN-Angaben mehrere Führungspositionen innerhalb der Vereinten Nationen inne. Nominiert wurde er von der Gruppe der asiatisch-pazifischen Staaten.
Konflikte, Finanzdruck und schwindendes Vertrauen
UN-Generalsekretär António Guterres gratulierte Rahman nach der Wahl und sprach von einem Amt „in einem Moment tiefer Herausforderung, aber auch großer Möglichkeiten“. Die Welt stehe vor Konflikten, Spaltungen, wachsender Ungleichheit und Klimachaos. Die Fortschritte bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung blieben weit zurück, nur ein Fünftel der Ziele liege auf Kurs.
Guterres verwies zugleich auf Strukturen, die noch aus dem Jahr 1945 stammten. Das betreffe den Sicherheitsrat ebenso wie die internationale Finanzarchitektur. Auch die humanitäre Lage verschärfe sich, während Mittel für lebensrettende Hilfe und nachhaltige Entwicklung zurückgingen.
Rahman selbst nannte mehrere Schwerpunkte für seine Amtszeit. Dazu gehören Konfliktprävention, Schutz von Zivilisten, nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte, Gleichstellung, Finanzierungslücken und der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Mit Blick auf die Agenda 2030 sagte er: „Die Lücke zwischen Versprechen und Umsetzung bleibt zu groß.“
Baerbocks Amtszeit läuft bis September
Annalena Baerbock, Präsidentin der 80. Generalversammlung, gratulierte ihrem Nachfolger und bezeichnete das Amt als „einen der besten Jobs der Welt“. Rahmans jahrzehntelange multilaterale Erfahrung werde in einer schwierigen Zeit von Nutzen sein.
Baerbock bleibt noch bis September im Amt. Die verbleibenden drei Monate beschrieb sie als Übergangsphase, in der beide Präsidentschaften zusammenarbeiten sollen. Sie verglich die Wahl eines Nachfolgers während der laufenden Amtszeit mit einem Fußballspiel, bei dem bereits an die nächste Partie gedacht werde, obwohl das aktuelle Spiel erst in der 75. Minute sei.
Guterres würdigte Baerbocks Arbeit an der Spitze der Generalversammlung. Sie habe ihr Leitbild „Better Together“ mit Leben gefüllt und Mitgliedstaaten in einer schwierigen Phase um die Umsetzung des Zukunftspakts versammelt. Zudem hob er ihre Rolle im UN80-Reformprozess hervor, mit dem die Vereinten Nationen effizienter und handlungsfähiger werden sollen.
Baerbock ist die fünfte Frau an der Spitze der Generalversammlung. Guterres betonte, sie habe wiederholt daran erinnert, dass Frauenrechte in den Gründungsprinzipien der Vereinten Nationen verankert seien.
Deutschland wirbt weiter für Sitz im Sicherheitsrat
Die Wahl Rahmans fällt auch in eine Phase deutscher UN-Diplomatie. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner berichtete auf Facebook von einem Treffen mit Baerbock in New York. Dabei sei es um die Lage der Vereinten Nationen und um die anstehende Wahl für den Sicherheitsrat gegangen.
Stegner schrieb, Deutschland werfe im Schlussspurt „nochmal alles für seine Bewerbung in die Waagschale“. Die Bundesrepublik bewirbt sich um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat. Das Gremium trägt die Hauptverantwortung für Frieden und Sicherheit innerhalb der Vereinten Nationen, steht aber seit Jahren wegen Blockaden und der Zusammensetzung seiner ständigen Mitglieder in der Kritik.
Auch in der Generalversammlung wurde die Reform des Sicherheitsrats mehrfach angesprochen. Mali forderte im Namen der Afrikanischen Gruppe Fortschritte im zwischenstaatlichen Reformprozess. Mehrere Staaten verwiesen außerdem auf die anstehende Auswahl des nächsten UN-Generalsekretärs und verlangten ein transparentes Verfahren.
Marokko erhält ersten Sitzplatz im Plenarsaal

Neben der Präsidentenwahl bestimmte die Generalversammlung auch Vizepräsidenten und die Büros ihrer sechs Hauptausschüsse. Generalsekretär Guterres zog zudem per Los den ersten Sitzplatz im Plenarsaal für die kommende Sitzungsperiode. Dieser ging an Marokko. Die übrigen 192 Mitgliedstaaten folgen in englischer alphabetischer Reihenfolge.
Die 81. Sitzungsperiode beginnt im September. Sie fällt in das neunte Jahrzehnt der Vereinten Nationen, deren Reformfähigkeit, Finanzierung und politische Autorität in vielen Mitgliedstaaten zugleich verteidigt und infrage gestellt werden.

