Die Europäische Union und Marokko wollen ihre Beziehungen spürbar ausbauen. Bei einem Treffen in Rabat vereinbarten EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Marokkos Außenminister Nasser Bourita konkrete nächste Schritte für eine engere politische, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Am 16. April kamen beide Seiten in der marokkanischen Hauptstadt zusammen. Für Kallas war es die erste Reise nach Marokko und in den Maghreb seit ihrem Amtsantritt.
Das Treffen knüpft an den EU-Marokko-Assoziationsrat von Ende Januar an und soll den Beziehungen neuen Schwung geben. In Rabat bekräftigten beide Seiten, dass sie ihre Partnerschaft nicht nur politisch bestätigen, sondern strukturell vertiefen wollen. Im Mittelpunkt steht dabei eine neue strategische und umfassende Partnerschaft, die die bilateralen Beziehungen auf eine neue Stufe heben soll.
Rabat und Brüssel wollen enger zusammenarbeiten
Geplant sind in den kommenden Monaten neue politische Konsultationen und ein Sicherheitsdialog in Rabat. Zugleich soll der institutionelle Austausch im Rahmen des Assoziierungsabkommens wieder vollständig aufgenommen werden. Beide Seiten wollen den Beziehungen damit mehr Verlässlichkeit und ein klareres politisches Gerüst geben.
Die Zusammenarbeit soll dabei weit über klassische Felder wie Handel und Investitionen hinausgehen. Kallas und Bourita kündigten an, sich auch in internationalen und regionalen Foren enger abzustimmen. Genannt wurden gemeinsame Initiativen zu Menschenrechten, Frieden, internationaler Sicherheit und Stabilität.
Auch im Mittelmeerraum soll die Kooperation enger werden. Beide Seiten verwiesen auf die Vorbereitungen für das regionale Sicherheitsforum EU-Mittelmeer im November. Themen sollen unter anderem Terrorismusbekämpfung, maritime Sicherheit und Cyber-Resilienz sein.
Kallas nannte Marokko in Rabat einen „engen, verlässlichen und strategischen Partner“ der Europäischen Union. Die Grundlage der Beziehungen sei bereits stark, sagte sie, „aber wir werden sie noch weiter stärken“.
Bourita rückt den geopolitischen Wert der Partnerschaft in den Mittelpunkt
Bourita machte deutlich, dass Marokko die Beziehung zur Europäischen Union nicht als rein technische Zusammenarbeit versteht. Rabat sehe darin eine strategische und geopolitische Partnerschaft, die für beide Seiten an Bedeutung gewinne.

In seiner Erklärung sagte der Außenminister, diese Beziehung sei für König Mohammed VI. „eine zentrale Partnerschaft“, und zwar „nicht nur als Schlagwort, sondern als reale Tatsache und objektive Beschreibung des Gewichts dieser Beziehung in der Außenpolitik beider Seiten“.
Bourita beschrieb die Partnerschaft als breit angelegt. Sie umfasse politische, wirtschaftliche, sicherheitspolitische, soziale, kulturelle und menschliche Fragen. Zugleich drängte er auf ein neues strategisches Dokument, das den Rahmen für die Beziehungen in den kommenden Jahren setzen soll.
Westsahara bleibt ein Schlüsselthema
Ein zentraler Punkt der Gespräche war erneut die Westsahara. Im gemeinsamen Kommuniqué bekräftigten beide Seiten ihre Unterstützung für den von den Vereinten Nationen geführten Prozess im Einklang mit der Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrats aus dem Jahr 2025.
Kallas verwies dabei auf die EU-Position vom 29. Januar 2026. Demnach unterstützt die Union die Bemühungen des UN-Generalsekretärs und seines Persönlichen Gesandten und sieht den marokkanischen Autonomieplan als Grundlage für Verhandlungen. Ziel sei eine gerechte, dauerhafte und für beide Seiten annehmbare politische Lösung im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen.
In ihrer Presseerklärung formulierte Kallas diesen Kurs noch klarer. Die EU habe ihre Position zur Westsahara Anfang des Jahres geändert. Dieser Schritt spiegele die jüngsten Entwicklungen im Sicherheitsrat wider und halte zugleich an der Unterstützung für den UN-Prozess fest.
Gemeinsamer Blick auf Krisen in der Ukraine und Nahost
Neben den bilateralen Beziehungen ging es in Rabat auch um internationale Konflikte und Krisen. Im gemeinsamen Kommuniqué werden der Krieg mit Iran, die Lage in Gaza und im Westjordanland, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie die Situation im Sahel genannt.
Zur Ukraine hielten beide Seiten fest, dass Staaten in ihren internationalen Beziehungen auf Gewalt oder Gewaltandrohung verzichten müssten. Zugleich bekräftigten sie ihre Unterstützung für die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen.
Auch die Lage im Mittelmeerraum und im Sahel nahm in den Gesprächen breiten Raum ein. Kallas hob hervor, dass Marokko eine wichtige Rolle für die Zusammenarbeit im Mittelmeerraum spiele. Bourita sagte, Marokko und die EU teilten „dieselbe Vision und dieselben Werte“, die sie regional und international verteidigen wollten.
Neue Akzente bei Digitalisierung, Ausbildung und Investitionen
Kallas verwies zudem auf Felder, in denen die Zusammenarbeit bereits ausgeweitet wird. Neben der grünen Transformation, Bildung und Investitionen nannte sie neue Programme zu Qualifizierung, Unternehmertum und einem besseren Geschäftsumfeld. Hinzu komme ein neuer digitaler Dialog über künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Innovation.

Auch die Ausbildung des diplomatischen Nachwuchses soll stärker verknüpft werden. Nach den Worten der EU-Außenbeauftragten wollen beide Seiten die Beziehungen ihrer diplomatischen Akademien vertiefen, damit künftige Generationen enger zusammenarbeiten.
Bourita verwies seinerseits auf jüngste Kontakte mit EU-Vertretern in Bereichen wie Digitalisierung, Hochschulkooperation sowie Forschung und Innovation. Aus seiner Sicht zeigt das, wie stark die bilateralen Beziehungen derzeit in Bewegung sind.
Partnerschaft soll politisch breiter und verbindlicher werden
Zum Abschluss unterstrichen beide Seiten ihren Willen, die Beziehungen weiter zu verdichten. Kallas sagte, die Europäische Union wolle die Partnerschaft mit Marokko „auf eine höhere Ebene“ bringen. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die neue strategische Partnerschaft noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden könne.
Bourita sprach von einer Beziehung „zwischen gleichberechtigten Partnern“, die auf gegenseitigem Respekt, Klarheit in den Positionen und einem gemeinsamen politischen Anspruch beruhen solle.

