Der AfD-Bundestagsabgeordnete Rocco Kever fordert einen weitgehenden Rückzug des Bundes aus der klassischen Entwicklungsfinanzierung und will private Geldgeber stärker einbinden. Seit seinem Einzug in den Bundestag befasst sich der 47-Jährige für seine Fraktion mit Entwicklungspolitik. Die AfD will das Bundesentwicklungsministerium auflösen und die derzeit vorgesehenen Milliardenmittel auf einen Bruchteil reduzieren. Entwicklungsprojekte sollen nach Kevers Vorstellungen stärker über Crowdfunding und private Finanzierung getragen werden.
AfD will Entwicklungsetat massiv reduzieren
Kever vertritt die AfD im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Bundestages. In einem Porträt der Wochenzeitung Das Parlament begründet er den Kurs seiner Fraktion mit Zweifeln an der Wirksamkeit der bisherigen deutschen Entwicklungspolitik.
„Wir machen seit 60 Jahren Entwicklungshilfe, und in Afrika kippt wieder ein Staat nach dem anderen“, sagte Kever. Er sehe zu wenige Erfolgsgeschichten und zu geringe Ergebnisse. Zugleich kritisiert er, dass von den eingesetzten Geldern nach seiner Auffassung zu wenig bei den eigentlich vorgesehenen Empfängern ankomme.
Die AfD fordert deshalb die Auflösung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die im Bundeshaushalt vorgesehenen 10,1 Milliarden Euro sollen nach den Vorstellungen der Partei auf zwei Milliarden Euro reduziert werden.
Davon sollen 800 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zum Auswärtigen Amt wechseln. Weitere 1,2 Milliarden Euro sollen dem Bundeswirtschaftsministerium zugeordnet werden.
Private Finanzierung statt staatlicher Entwicklungsgelder
Kever stellt die Entwicklungszusammenarbeit dabei nicht grundsätzlich infrage. Es gebe erfolgreiche Projekte, deren Wirkung messbar sei. Auch humanitäre Hilfe bezeichnet er als wichtig.
Bei längerfristigen Entwicklungsprojekten will der AfD-Politiker jedoch die Finanzierung verändern. Statt überwiegend auf Steuermittel zu setzen, sollen private Geldgeber und Crowdfunding eine größere Rolle übernehmen.
„Ich habe nicht das hehre Ziel, die Welt zu retten. Aber wenn, dann sollte man doch darauf achten, dass das Geld auch sinnvoll ankommt“, sagte Kever.
Der Ansatz würde die bisherige Struktur der deutschen Entwicklungszusammenarbeit grundlegend verändern. Deutschland finanziert bislang über das BMZ zahlreiche bilaterale und multilaterale Programme in Afrika, Asien, Lateinamerika und anderen Regionen.
Kever kritisiert Vorgehen gegen USAID
Von pauschalen Kürzungen nach dem Vorbild der US-Entwicklungsbehörde USAID grenzt sich Kever zugleich ab. Den weitreichenden Abbau der US-Entwicklungsstrukturen kritisiert er als wenig zielgerichtet.
„Das war eine kaum zielführende Rasenmäher-Methode“, sagte der AfD-Politiker. Als Beispiel nannte er Sambia. Dort könnten wichtige Medikamente fehlen. Ein solches Vorgehen sei kontraproduktiv.
Auch gegenüber der Bundesregierung übt Kever Kritik. Antworten auf Kleine Anfragen seiner Fraktion zur Entwicklungspolitik seien aus seiner Sicht häufig zu unbestimmt.
Von der Sozialpädagogik in den Bundestag

Kever wurde in Templin geboren und wuchs in Kühlungsborn und Schwedt auf. Nach dem Realschulabschluss absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Bauzeichner und wechselte anschließend zur Bundeswehr. Dort verpflichtete er sich für zehn Jahre und schied als Hauptfeldwebel aus.
An der Bundeswehrfachschule Hannover erwarb er anschließend die Fachschulreife Sozialpädagogik. Mit Anfang 30 begann er ein Studium der Sozialwissenschaften in Osnabrück.
2014 trat Kever in die AfD ein. Ab 2017 arbeitete er zunächst als Pressereferent einer AfD-Stadtratsfraktion in Hannover und später als Referent für einen Bundestagsabgeordneten. Zwischen 2022 und 2025 war er stellvertretender Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion.
Die Entwicklungspolitik habe innerhalb der Partei zunächst nur eine geringe Rolle gespielt, erklärte Kever gegenüber Das Parlament. Erst in den vergangenen Jahren habe sich innerhalb der AfD ein stärkeres Verständnis für dieses Politikfeld entwickelt.

