Diese Nicht-EU-Ausländer studieren in Deutschland – nicht alle sind erfolgreich

Zehntausende internationale Studierende kommen jedes Jahr nach Deutschland. Doch der Bund weiß nicht, wie viele von privaten Agenturen vermittelt werden und was nach dem Studium aus ihnen wird.

Die Bundesregierung hat keine Übersicht darüber, wie viele Studierende aus Nicht-EU-Staaten über private Vermittlungsagenturen ein Studium in Deutschland aufnehmen. Veröffentlicht wurde ihre Antwort am 5. August. Auch zur Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Agenturen, zu möglichen Falschinformationen sowie zum späteren beruflichen Verbleib erhebt der Bund keine umfassenden Daten. Gleichzeitig kamen im Wintersemester 2024/2025 allein aus Indien, China und der Türkei mehr als 137.000 Studierende an deutsche Hochschulen. 

Keine Zahlen zu Vermittlungsagenturen

Unbekannt ist, wie viele Menschen zwischen 2015 und 2025 durch Agenturen im Nicht-EU-Ausland für ein Studium in Deutschland angeworben wurden. Die Bundesregierung erfasst auch nicht, in welchem Umfang private oder staatliche Hochschulen mit solchen Vermittlern zusammenarbeiten.

Ebenso fehlen Daten darüber, ob internationale Studierende unzutreffende Angaben zu Studienbedingungen, Präsenzunterricht, notwendigen Sprachkenntnissen oder späteren Berufsaussichten erhalten haben. Der Bundesregierung seien lediglich einzelne Berichte über Missstände bekannt.

Auch über die durchschnittlichen Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten und die Aufnahme von Bildungs- oder Privatkrediten liegen keine eigenen Erkenntnisse vor. Der Wissenschaftsrat bezifferte die durchschnittlichen monatlichen Beiträge zuletzt auf 870 Euro an privaten Universitäten und 380 Euro an privaten Hochschulen für angewandte Wissenschaften. 

Die Bundesregierung beobachtet nach eigener Darstellung die Entwicklung und prüft einen möglichen Handlungsbedarf. Deutsche Auslandsvertretungen informierten in ihren Amtsbezirken über unseriöse Anwerbe- und Vermittlungsversuche. Zudem stehe der Bund mit betroffenen Akteuren im Austausch. Die Anerkennung und Aufsicht von Hochschulen einschließlich der Akkreditierung fallen jedoch überwiegend in die Zuständigkeit der Bundesländer. 

Indien stellt die größte Studierendengruppe

Im Wintersemester 2024/2025 studierten 59.419 indische Staatsangehörige an deutschen Hochschulen. Davon waren 48.181 an öffentlichen und 11.238 an privaten Einrichtungen eingeschrieben.

Es folgten China mit 42.695 und die Türkei mit 35.737 Studierenden. Weitere große Gruppen kamen aus Syrien mit 19.809, Iran mit 18.514 und Pakistan mit 13.140 Studierenden.

Unter den afrikanischen Herkunftsländern lag Ägypten mit 9.097 Studierenden vorn. Danach folgten Marokko mit 8.261, Tunesien mit 7.428 und Kamerun mit 7.023 Studierenden. Der überwiegende Teil dieser Gruppen war an öffentlichen Hochschulen eingeschrieben. 

Deutschland zählt insgesamt rund 402.000 internationale Studierende. 43 Prozent sind in den Ingenieurwissenschaften und weitere zwölf Prozent in Mathematik oder Naturwissenschaften eingeschrieben. In einer Erhebung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes erklärten 64 Prozent, langfristig in Deutschland bleiben zu wollen. 

Mehr als 58.000 Abschlüsse in einem Jahr

Im Prüfungsjahr 2024 schlossen 58.015 Studierende aus Nicht-EU-Staaten ihr Studium erfolgreich ab. Davon entfielen 51.222 Abschlüsse auf öffentliche oder kirchliche Hochschulen und 6.793 auf private Einrichtungen. 

Besonders häufig wurden Abschlüsse in Informatik erzielt. Das Statistische Bundesamt registrierte hier 4.179 bestandene Prüfungen. Es folgten Elektrotechnik und Elektronik mit 3.296 sowie Maschinenbau mit 2.743 Abschlüssen. Weitere stark vertretene Fächer waren internationales Management, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften und Bauingenieurwesen. 

Insgesamt wurden rund 28.000 der mehr als 58.000 Abschlüsse in einem Fach aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik erworben. Die Bundesregierung geht deshalb davon aus, dass internationale Absolventen besonders in technischen Berufen zur Besetzung offener Stellen beitragen. 

Unter den afrikanischen Staatsangehörigen verzeichnete Ägypten 2024 mit 1.315 die meisten erfolgreichen Abschlüsse. Es folgten Kamerun mit 1.080, Tunesien mit 1.053, Marokko mit 812 und Nigeria mit 711 Abschlüssen. 

Beruflicher Verbleib bleibt weitgehend unbekannt

Die Bundesregierung weiß nicht, wie viele Absolventen aus Nicht-EU-Staaten nach dem Studium in Deutschland bleiben und eine Beschäftigung aufnehmen. Daten zu den Einstiegsbranchen, zum Einkommen in den ersten Berufsjahren oder zu einer der Qualifikation entsprechenden Beschäftigung innerhalb von zwölf Monaten werden ebenfalls nicht erhoben.

Als Orientierung verweist der Bund auf eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aus dem Jahr 2022. Danach lebten zehn Jahre nach Beginn ihres Studiums noch 45 Prozent der internationalen Studierenden in Deutschland. Gemeinsam mit Kanada erreichte Deutschland damit die höchste Quote unter den untersuchten Mitgliedstaaten. 

Eine ältere Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft ergab, dass 2019 rund 89 Prozent der über ein Hochschulstudium Zugewanderten im Alter von 25 bis 64 Jahren erwerbstätig waren. 55 Prozent erzielten einen mittleren bis hohen Nettomonatslohn von mehr als 2.600 Euro. 

Detaillierte Zahlen zu Studienabbrüchen nach Nationalität und Hochschule fehlen ebenfalls. Für Bildungsausländer insgesamt registrierte das Statistische Bundesamt unter den Studienanfängern der Jahre 2018 bis 2020 jeweils mehr als 31.000 vorzeitige Abbrüche. Rund 61 Prozent der internationalen Studierenden gingen parallel zum Studium einer Erwerbstätigkeit nach.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share