Die Demokratische Republik Kongo verlangt von einem chinesischen Bergbauunternehmen weiterhin rund 5,2 Millionen Euro Entschädigung für drei von einem Chemieunfall betroffene Stadtviertel in Lubumbashi. Das Bergbauministerium bekräftigte die Forderung am Freitag, 6. November 2026. Der Konzern Congo Dongfang International Mining (CDM) muss nach dem Willen der Regierung trotz finanzieller Schwierigkeiten und eines angekündigten Betriebsstopps für die Umweltschäden aufkommen. Zusätzlich wurde gegen das Unternehmen eine Geldstrafe von rund 5,7 Millionen Euro zugunsten der Staatskasse verhängt.
Das Ministerium reagierte damit auf Kritik von Menschenrechtsorganisationen, die der Regierung unzureichende Fortschritte bei der Entschädigung der Betroffenen vorwerfen. Ein Jahr nach dem Austritt chemisch belasteter Abwässer warten die betroffenen Gemeinden weiterhin auf die zugesagten kollektiven Entschädigungen.
CDM gehört zum chinesischen Konzern Zhejiang Huayou Cobalt, einem bedeutenden internationalen Hersteller von Materialien für Batterien und die Elektrofahrzeugindustrie.
Drei Stadtviertel warten auf Entschädigung
Die Forderungen betreffen die Stadtviertel Kasapa, Kamatete und Kamisepe in Lubumbashi, der Hauptstadt der rohstoffreichen Provinz Haut-Katanga.
Jede der drei Gemeinden soll umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro für gemeinschaftliche Wiedergutmachungsmaßnahmen erhalten. Insgesamt sind damit rund 5,2 Millionen Euro vorgesehen.
Das Geld soll zusätzlich zu den individuellen Entschädigungen bereitgestellt werden, die nach Angaben des Bergbauministeriums bereits an einen Teil der Betroffenen gezahlt wurden.
Die Umsetzung der kollektiven Entschädigung verzögert sich jedoch. Nach Darstellung der Regierung muss zunächst der vertragliche Pflichtenkatalog des Bergbauunternehmens überarbeitet werden.
Dabei soll das Stadtviertel Kamisepe ausdrücklich aufgenommen werden. Dieses war bei der ursprünglichen Festlegung der Verpflichtungen nicht berücksichtigt worden.
Das Ministerium führt die Verzögerungen außerdem auf finanzielle Schwierigkeiten zurück, auf die sich CDM beruft.
Die Unternehmensleitung hatte zuletzt die Einstellung ihrer Aktivitäten angekündigt. Für die kongolesische Regierung ändert das jedoch nichts an den bestehenden Verpflichtungen.
„Die Einstellung der Tätigkeit eines Unternehmens beendet nicht dessen Verantwortung“, erklärte das Ministerium.
Chemisch belastete Abwässer gelangten in Wohngebiete
Der Umweltvorfall ereignete sich im November 2025 an einer Anlage von Congo Dongfang International Mining in Lubumbashi.
Nach den Ermittlungen der kongolesischen Behörden wurden in einem Becken, das ursprünglich zum Rückhalten von Wasser vorgesehen war, säurehaltige Lösungen gelagert.

Belastete Flüssigkeiten gelangten anschließend in die Umgebung und beeinträchtigten angrenzende Wohngebiete und Wasserquellen.
Das Bergbauministerium ordnete daraufhin eine dreimonatige Aussetzung der Geschäftstätigkeit des Unternehmens an und setzte eine Untersuchungskommission ein.
Die Ermittler sollten den Unfallhergang, die Umweltschäden und die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung untersuchen.
Nach Angaben des Ministeriums wurden in den betroffenen Gebieten Sanierungsarbeiten eingeleitet. Auch kontaminierte Brunnen und Wasserstellen sollten gereinigt beziehungsweise wiederhergestellt werden.
Die Regierung verpflichtete CDM außerdem, während der angeordneten Betriebsaussetzung die Gehälter seiner Beschäftigten weiterzuzahlen.
Mehr als 600 Menschen medizinisch behandelt
Das Bergbauministerium verweist auf bereits umgesetzte Hilfsmaßnahmen.
Unmittelbar nach dem Vorfall seien 350 Haushalte unterstützt worden. Zudem hätten 612 Menschen medizinische Versorgung erhalten.
Weitere 423 Personen seien individuell entschädigt worden.
Diese Angaben beziehen sich auf Maßnahmen, die die Regierung als bereits erfolgt bezeichnet. Sie sind von der noch ausstehenden gemeinschaftlichen Entschädigung für die drei Stadtviertel zu unterscheiden.
Unklar bleibt, in welchem Umfang die langfristige gesundheitliche Überwachung der betroffenen Bevölkerung bereits umgesetzt wurde.
Fünf zivilgesellschaftliche Organisationen erklärten Anfang November, dass wesentliche Zusagen zur Wiedergutmachung weiterhin nicht erfüllt seien.
Sie verlangen unter anderem eine langfristige medizinische Betreuung der Betroffenen, zusätzliche Trinkwasserbrunnen und die vollständige Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Behörden
Die erneute Stellungnahme des Bergbauministeriums folgte auf öffentliche Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen.
Die Organisationen Meda Mapendo, Horizon Kasapa, VADDIPER, Action pour la Justice et les Droits Humains und das Institut de Recherche en Droits Humains (IRDH) werfen den Behörden vor, die Umsetzung der angeordneten Maßnahmen nicht konsequent genug überwacht zu haben.
Der Direktor des IRDH, Hubert Tshiswaka, erklärte gegenüber dem UN-Radiosender Radio Okapi, dass die gemeinschaftlichen Entschädigungen, zusätzliche Brunnen und ein System zur gesundheitlichen Überwachung der Bevölkerung noch nicht verwirklicht worden seien.
Die Organisationen verlangen außerdem, dass die Regierung den vollständigen Bericht der Untersuchungskommission einschließlich der Ergebnisse der Untersuchungen zu möglichen chemischen Gesundheitsschäden veröffentlicht.
Sie forderten die Nationalversammlung auf, Bergbauminister Louis Watum Kabamba zur Behandlung des Falls zu befragen.
Das Ministerium weist die Kritik an einer unzureichenden staatlichen Reaktion zurück. Es betont, die Entscheidungen seien auf Grundlage der Empfehlungen einer Untersuchungskommission getroffen worden, an der auch Vertreter der Zivilgesellschaft beteiligt gewesen seien.
Nach Darstellung der Behörde wurden die Maßnahmen von mehreren zuständigen Institutionen gemeinsam geprüft und beschlossen.
Zur tatsächlichen Geschäftstätigkeit von CDM gab es zuletzt unterschiedliche Darstellungen. Während Menschenrechtsorganisationen Anfang November von einer Wiederaufnahme der Aktivitäten berichteten, erklärte das Ministerium, das Unternehmen habe inzwischen einen Betriebsstopp angekündigt.
Chinesischer Konzern ist Teil der internationalen Batterielieferkette
Der Fall betrifft einen bedeutenden Akteur im kongolesischen Bergbausektor.
Congo Dongfang International Mining ist eine Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns Zhejiang Huayou Cobalt. Das Unternehmen ist international in der Produktion und Verarbeitung von Rohstoffen für Batterien und Elektrofahrzeuge tätig.
Die Demokratische Republik Kongo ist der weltweit größte Produzent von Kobalt und einer der größten Kupferförderer. Beide Metalle sind für internationale Industrie- und Energielieferketten von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung.
Chinesische Unternehmen verfügen über umfangreiche Investitionen im kongolesischen Bergbau. Sie sind sowohl an der Rohstoffgewinnung als auch an der Weiterverarbeitung beteiligt.
Gleichzeitig hat die kongolesische Regierung in den vergangenen Jahren ihre Bemühungen verstärkt, den wirtschaftlichen Nutzen der Rohstoffförderung für den Staat und die lokale Bevölkerung zu erhöhen.
Dazu gehören strengere Anforderungen an Unternehmen, die Überwachung von Umweltschäden und die Durchsetzung finanzieller Verpflichtungen gegenüber betroffenen Gemeinden.
Zusätzlich 5,7 Millionen Euro Strafe an den Staat
Neben der gemeinschaftlichen Entschädigung muss CDM nach Angaben des Bergbauministeriums eine Geldstrafe von umgerechnet rund 5,7 Millionen Euro an die kongolesische Staatskasse zahlen.
Damit belaufen sich die von der Regierung genannten finanziellen Verpflichtungen aus der Entschädigungsregelung und der Geldstrafe zusammen auf rund 10,9 Millionen Euro.
Die Behörde machte allerdings keine genauen Angaben dazu, ob die staatliche Geldstrafe bereits vollständig beglichen wurde.
Auch für die Auszahlung der gemeinschaftlichen Entschädigungen nannte das Ministerium keinen verbindlichen Zeitplan.
Bergbauminister Louis Watum Kabamba bekräftigte, dass sich das Unternehmen weder durch Liquiditätsprobleme noch durch die Einstellung seiner Geschäftstätigkeit seinen Verpflichtungen entziehen könne.
