Das G20-Außenministertreffen in Atlanta findet ohne Südafrika statt, obwohl das Land reguläres Mitglied der Gruppe ist und erst im vergangenen Jahr deren Vorsitz innehatte. Die Beratungen unter amerikanischer Führung beginnen am Freitag, dem 30. Oktober 2026, und dauern bis Samstag. Auf der offiziellen Internetseite der US-G20-Präsidentschaft fehlt Südafrika in der Teilnehmerübersicht, während Polen als Gast aufgeführt wird. Zugleich treffen mit Deutschlands Außenminister Johann Wadephul und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zwei Politiker aufeinander, die mit gegensätzlichen Positionen zu den internationalen Handels- und Sicherheitskonflikten anreisen.
USA lassen Südafrika bei G20-Treffen außen vor
Die Vereinigten Staaten haben Südafrika nicht zum Außenministertreffen eingeladen.
Die offizielle Internetseite der amerikanischen G20-Präsidentschaft zeigt eine veränderte Zusammensetzung der Staatenteilnehmer. Unter den 19 aufgeführten Ländern befinden sich 18 reguläre G20-Mitglieder sowie Polen, das von US-Präsident Donald Trump zusätzlich eingeladen wurde. Südafrika fehlt vollständig. Die Afrikanische Union wird dagegen weiterhin als eigenständiger Teilnehmer geführt.
Eine formelle Änderung der G20-Mitgliedschaft bedeutet diese Darstellung nicht. Südafrika gehört weiterhin zu den 19 Mitgliedstaaten der Gruppe, der außerdem die Europäische Union und seit 2023 die Afrikanische Union angehören.
Trump hatte bereits 2025 angekündigt, Südafrika vom diesjährigen G20-Gipfel auszuschließen. Er begründete seine Entscheidung unter anderem mit Vorwürfen einer systematischen Verfolgung der weißen Minderheit in Südafrika. Die südafrikanische Regierung weist diese Anschuldigungen zurück. Für die Behauptung eines staatlich organisierten Völkermords an weißen Südafrikanern gibt es keine belastbaren Belege.
Der Ausschluss belastet die Beziehungen zwischen Washington und Pretoria, die bereits durch unterschiedliche Positionen zur internationalen Politik und amerikanische handelspolitische Maßnahmen angespannt sind.
Besonders auffällig ist, dass Südafrika erst im November 2025 den ersten G20-Gipfel auf afrikanischem Boden in Johannesburg ausgerichtet hatte. Die damalige amerikanische Regierung unter Trump boykottierte die Veranstaltung.
Merz fordert Südafrikas Teilnahme – Russland unterstützt Pretoria
Die amerikanische Entscheidung stößt auch bei der Bundesregierung auf Widerspruch.
Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Trump am 21. Oktober beim Berlin Global Dialogue ausdrücklich auf, Südafrika zum G20-Gipfel im Dezember in Miami einzuladen.
„Wer über die Zukunft der Weltwirtschaft spricht, muss alle wichtigen Partner einbeziehen. Selbstverständlich gehört Afrika an den Tisch“, erklärte Merz.
Der Kanzler verwies dabei auf die formale Mitgliedschaft Südafrikas und der Afrikanischen Union.
„Deshalb fordere ich, dass Südafrika beim G20-Gipfel vertreten ist.“
Auch Russland kritisiert die amerikanische Entscheidung. Das russische Außenministerium erklärte am 29. Oktober, Moskau lehne den einseitigen Ausschluss Südafrikas aus dem G20-Prozess ab und fordere die Wiederherstellung seiner uneingeschränkten Teilnahmerechte.
Damit vertreten Berlin und Moskau in dieser Frage eine ähnliche Position gegenüber Washington. Bei den übrigen Themen des Außenministertreffens bestehen dagegen erhebliche Gegensätze.
Wadephul verlangt von Russland Ende der Angriffe auf Handelswege
Bundesaußenminister Johann Wadephul will das Treffen nutzen, um für offene Märkte, sichere Lieferketten und die internationale Handelsordnung zu werben.
Bereits vor seiner Abreise am 28. Oktober kündigte er an, Russland und Iran wegen ihrer Rolle bei der Gefährdung internationaler Handelsrouten deutlich zu kritisieren.
„Russland und der Iran müssen endlich aufhören, Handelswege in Geiselhaft zu nehmen und damit Wirtschaftskrisen und Hunger zu provozieren“, erklärte Wadephul.
Berlin verweist insbesondere auf russische Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer sowie auf die Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus und am Bab al-Mandab. Die Konflikte gefährdeten die Energieversorgung und internationale Lebensmitteltransporte.
Das Auswärtige Amt kündigte zudem ausdrücklich an, Wadephul werde beim G20-Treffen auf ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine drängen.
Lawrow werde voraussichtlich ebenfalls teilnehmen und müsse sich dieser Diskussion stellen, erklärte ein Sprecher der Bundesregierung am 28. Oktober.
Ein bilaterales Treffen zwischen Wadephul und Lawrow wurde allerdings nicht angekündigt.
Russland reist mit einer grundsätzlich anderen Position nach Atlanta. Das Außenministerium in Moskau erklärte, Lawrow wolle sich gegen den Einsatz wirtschaftlicher Sanktionen, Handelskriege und die politische Instrumentalisierung internationaler Lieferketten wenden.
Die G20 sollten nach russischer Vorstellung zu ihrem ursprünglichen wirtschaftspolitischen Auftrag zurückkehren und nicht zur Verschärfung geopolitischer Konflikte genutzt werden.
Moskau will außerdem eine stärkere Vertretung der Staaten des Globalen Südens in internationalen Finanzinstitutionen verlangen und für die Zusammenarbeit innerhalb von BRICS und anderen nichtwestlich geprägten Organisationen werben.
Die russische Delegation kritisierte bereits vor dem Treffen Verzögerungen bei der amerikanischen Visaerteilung und Akkreditierung. Ein Großteil der Schwierigkeiten sei inzwischen überwunden worden.
Rubio setzt auf Energieversorgung und wirtschaftliche Sicherheit
Gastgeber des Außenministertreffens ist US-Außenminister Marco Rubio. Die amerikanische Regierung will sich auf die wirtschaftlichen Folgen internationaler Konflikte konzentrieren.
Für Freitag sind zwei zentrale Arbeitssitzungen vorgesehen. Zunächst beraten die Minister über geopolitische Fragen, anschließend über Energieversorgung und Wirtschaftswachstum.

Die amerikanische Agenda umfasst die Sicherheit internationaler Schifffahrtswege, den Zugang zu kritischen Rohstoffen und die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten.
Besonders die Lage im Nahen Osten und der Krieg gegen die Ukraine dürften die Gespräche prägen. Auch Handelskonflikte mit China und die amerikanische Zollpolitik gehören zu den Streitpunkten zwischen den Mitgliedstaaten.
Das Außenministertreffen bereitet den Gipfel der Staats- und Regierungschefs vor, den Trump für den 14. und 15. Dezember in Miami angesetzt hat.
Die G20 vereinen rund 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und etwa drei Viertel des Welthandels. Ihre Beschlüsse werden grundsätzlich im Konsens gefasst. Die Gruppe verfügt allerdings weder über einen ständigen Verwaltungsapparat noch über ein Verfahren, mit dem die jeweilige Präsidentschaft eigenständig Mitgliedstaaten ausschließen könnte.
Schon bei früheren Ministertreffen unter amerikanischem Vorsitz verhinderten politische Differenzen gemeinsame Abschlusserklärungen.
Während die USA in Atlanta auf wirtschaftspolitische Ergebnisse setzen, verlangen Deutschland und Russland unterschiedliche Antworten auf die Ursachen der gegenwärtigen Handels- und Sicherheitskrisen. Der Streit über Südafrikas Teilnahme kommt damit zu einer Tagesordnung hinzu, bei der bereits die grundlegenden politischen Positionen der Teilnehmer weit auseinanderliegen.

