Deutschland hat sich erneut gegen den von US-Präsident Donald Trump angekündigten Ausschluss Südafrikas vom G20-Gipfel in den Vereinigten Staaten gestellt. Außenminister Johann Wadephul bekräftigte die deutsche Position am 23. Juli bei einer Rede an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg. Ein G20 ohne Südafrika würde nach seinen Worten eine bedeutende afrikanische Stimme und eine regionale Wirtschafts- und Politikkraft an den Rand drängen.
Berlin stellt sich damit offen gegen die Pläne der US-Regierung für den Gipfel 2026 in Miami. Auch Russland hat die einseitige Ausgrenzung Pretorias kritisiert. Eine gemeinsame deutsch-russische Initiative gibt es jedoch nicht.
Wadephul nennt Südafrika unverzichtbar
Wadephul verwies in Johannesburg auf den G20-Gipfel, den Südafrika 2025 als erstes afrikanisches Gastgeberland ausgerichtet hatte. Das Treffen habe gezeigt, dass das Land ein unverzichtbares Mitglied des internationalen Wirtschaftsforums sei.
„Südafrika auszuschließen bedeutet, eine wichtige afrikanische Stimme und eine regionale wirtschaftliche und politische Kraft an den Rand zu drängen“, sagte der Außenminister. Dies könne in niemandes Interesse liegen. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit werde mehr internationale Zusammenarbeit benötigt und nicht weniger.
Südafrikas Außenminister Ronald Lamola würdigte die deutsche Haltung nach Gesprächen mit Wadephul in Pretoria als prinzipielle Unterstützung eines inklusiven G20. Südafrika werde die Zusammensetzung und Integrität des Forums weiterhin verteidigen, erklärte das Außenministerium.
Lamola wies zugleich darauf hin, dass Südafrika zu den Gründungsmitgliedern des G20 gehört. Das Land sei kein eingeladener Gast, über dessen Teilnahme der jeweilige Gastgeber allein entscheiden könne.
„Kein Land kann eigenständig beschließen, ein Gründungsmitglied des G20 auszuladen“, sagte Lamola. Pretoria stehe weiterhin bereit, an den Treffen teilzunehmen. Die übrigen Mitglieder müssten sich mit der geplanten Ausgrenzung befassen.
Berlin widerspricht Washington nicht zum ersten Mal
Die deutsche Position ist nicht neu. Bereits nach Trumps Ankündigung vom 26. November 2025 erklärte die Bundesregierung, sie wolle den US-Präsidenten dazu bewegen, seine Entscheidung zurückzunehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte damals entsprechende Gespräche mit Washington an.

Wadephuls Rede in Johannesburg verschärft jedoch die öffentliche Auseinandersetzung. Der Außenminister formulierte den Widerspruch zur US-Regierung unmittelbar in Südafrika und verband die Frage der G20-Mitgliedschaft mit der internationalen Vertretung des afrikanischen Kontinents.
Neben Südafrika gehört inzwischen auch die Afrikanische Union als ständiges Mitglied zum G20. Südafrika bleibt jedoch der einzige einzelne afrikanische Staat in dem Forum, das große Industrie- und Schwellenländer sowie die Europäische Union und die Afrikanische Union zusammenbringt.
Trump will Südafrika nicht einladen
Trump hatte im November 2025 angekündigt, Südafrika keine Einladung zum G20-Gipfel unter der amerikanischen Präsidentschaft auszustellen. Der US-Präsident begründete seinen Schritt unter anderem mit dem Streit um die Übergabe des G20-Vorsitzes nach dem Gipfel in Johannesburg und mit Vorwürfen gegen die südafrikanische Regierung wegen ihres Umgangs mit der weißen Minderheit der Afrikaaner.
Die US-Regierung hatte den Gipfel in Johannesburg zuvor boykottiert. Washington warf Südafrika außerdem vor, während seiner Präsidentschaft politische Schwerpunkte gegen den Willen der Vereinigten Staaten durchgesetzt zu haben.
Pretoria weist die Vorwürfe zurück und betrachtet den angekündigten Ausschluss als unzulässigen Versuch, bilaterale Konflikte auf das gesamte G20-Format zu übertragen. Südafrika übernahm die Präsidentschaft im Dezember 2024 von Brasilien und führte das Forum bis Ende 2025.
Russlands G20-Vertreter Denis Agafonov erklärte Anfang Juli, Änderungen an der Zusammensetzung des Forums könnten nur im Konsens der Mitglieder erfolgen. Der jeweilige Gastgeber könne ein Mitglied nicht einseitig ausschließen. Deutschland und Russland vertreten damit in dieser Frage eine ähnliche Position, ohne ihr Vorgehen miteinander abzustimmen.
G20-Streit belastet Beziehungen zwischen Pretoria und Washington
Der Konflikt um den Gipfel ist Teil einer länger anhaltenden Verschlechterung der Beziehungen zwischen Südafrika und den Vereinigten Staaten. Zu den Streitpunkten gehören die südafrikanische Innenpolitik, die Haltung Pretorias im Gaza-Krieg und die engen Beziehungen des Landes zu Russland und China.
Der G20 arbeitet ohne Gründungsvertrag und ohne festes Sekretariat. Seine Entscheidungen beruhen weitgehend auf politischer Abstimmung und Konsens. Der turnusmäßig wechselnde Vorsitz organisiert die Treffen und setzt Schwerpunkte, besitzt jedoch keine formelle Befugnis, die dauerhafte Zusammensetzung des Forums allein zu verändern.
Der Gipfel unter amerikanischer Präsidentschaft soll 2026 in Miami stattfinden. Südafrika hält an seinem Anspruch fest, dort als vollwertiges Mitglied und nicht lediglich als Gaststaat vertreten zu sein.

