Äthiopien hat zwölf moderne Su-35-Kampfjets aus Russland erhalten und will seine Luftverteidigung zusätzlich mit vier Batterien des russischen S-400-Systems verstärken. Premierminister Abiy Ahmed bestätigte die Lieferung am Mittwoch, dem 28. Oktober 2026, während seines Aufenthalts zum Russland-Afrika-Gipfel in Moskau. Die Kampfflugzeuge wurden nach seinen Angaben ein Jahr früher als ursprünglich vereinbart übergeben. Der Ausbau der äthiopischen Streitkräfte erfolgt inmitten neuer Kämpfe in der Region Tigray und einer militärischen Konfrontation mit dem Nachbarstaat Eritrea.
Russland liefert zwölf Su-35-Kampfjets ein Jahr früher als vereinbart
Premierminister Abiy Ahmed bezeichnete die Übergabe der zwölf Flugzeuge als wichtigen Schritt zur Modernisierung der äthiopischen Streitkräfte. Die Lieferung erfolgte auf Grundlage eines bereits bestehenden Verteidigungsabkommens zwischen Addis Abeba und Moskau.
„Unsere umfassenden Bemühungen, den Frieden und die Sicherheit unseres Landes dauerhaft zu gewährleisten, haben heute einen neuen Meilenstein erreicht“, erklärte Abiy auf der Plattform X.
Die neuen Fähigkeiten der Streitkräfte versetzten Äthiopien zunehmend in die Lage, mögliche Angriffe bereits im Vorfeld abzuschrecken.
Besonders dankte der Regierungschef dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für die beschleunigte Lieferung. Die Maschinen seien ein Jahr früher übergeben worden, als beide Staaten ursprünglich vereinbart hatten.
Die Su-35 gehört zu den modernsten russischen Kampfflugzeugen der sogenannten Generation 4++. Der zweistrahlige Mehrzweckkampfjet wurde für Luftüberlegenheitsoperationen entwickelt, kann aber auch Ziele am Boden angreifen. Er verfügt über leistungsfähige Radarsysteme, eine hohe Reichweite und besonders manövrierfähige Triebwerke.
Neben den Flugzeugen umfasst die Vereinbarung nach Darstellung Abiys auch vier Batterien des russischen S-400-Luftabwehrsystems. Diese sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt geliefert werden.

Das S-400 ist für die Bekämpfung verschiedener Luftziele ausgelegt, darunter Kampfflugzeuge, Drohnen und bestimmte Raketen. In Verbindung mit modernen Kampfflugzeugen kann es die Luftverteidigung über größere Entfernungen verstärken.
Weder der Wert des Rüstungsgeschäfts noch die konkreten Lieferbedingungen wurden veröffentlicht. Auch zum Zeitpunkt der Übergabe der S-400-Systeme und zu den künftigen Stationierungsorten machte Abiy keine Angaben.
Neue Kämpfe in Tigray verschärfen die Sicherheitslage
Im September 2026 brachen in der nordäthiopischen Region Tigray erneut größere Kampfhandlungen aus. Bewaffnete Kräfte der Tigray People’s Liberation Front (TPLF) und ihrer Verbündeten gingen gegen die Bundesregierung vor und nahmen mehrere strategische Einrichtungen unter ihre Kontrolle.
Die äthiopischen Streitkräfte reagierten mit einer Gegenoffensive. Anfang Oktober eroberten regierungsnahe Einheiten die Regionalhauptstadt Mekelle zurück. Die Kämpfe erfassten auch angrenzende Gebiete in Amhara und Afar.
Damit geriet das im November 2022 unterzeichnete Friedensabkommen von Pretoria weiter unter Druck. Es hatte den zweijährigen Bürgerkrieg zwischen der äthiopischen Regierung und der TPLF beendet, bei dem Hunderttausende Menschen ums Leben kamen.
Gleichzeitig eskalierte der Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea. Beide Nachbarstaaten brachen am 1. Oktober ihre diplomatischen Beziehungen ab.
Addis Abeba wirft der eritreischen Regierung vor, bewaffnete Gruppen in Tigray zu unterstützen und eigene Truppen auf äthiopischem Staatsgebiet einzusetzen. Eritrea bestreitet die Anschuldigungen und beschuldigt seinerseits Äthiopien, einen militärischen Angriff vorzubereiten.
Die gegenseitigen Vorwürfe wurden inzwischen auch vor den UN-Sicherheitsrat getragen.
Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos erklärte in einem Schreiben vom 9. Oktober, sein Land ergreife Maßnahmen im Rahmen des völkerrechtlichen Selbstverteidigungsrechts. Eritreas Außenminister Osman Saleh wies diese Darstellung einen Tag später zurück und warf Addis Abeba vor, einen Angriff auf eritreisches Territorium rechtfertigen zu wollen.
Ein weiterer Konfliktpunkt ist der Zugang zum Roten Meer. Äthiopien ist seit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 ein Binnenstaat und bemüht sich seit Jahren um einen gesicherten Zugang zu Seehäfen.
Russische Rüstungsgeschäfte stärken Beziehungen zu Addis Abeba
Die Zusammenarbeit bei Verteidigung und Sicherheit gehört zu den Schwerpunkten der russischen Afrikapolitik. Moskau ist bereits in mehreren afrikanischen Staaten als Rüstungslieferant, militärischer Ausbildungspartner oder durch eigene Sicherheitskräfte präsent.
Äthiopien unterhält seit Jahrzehnten militärische Beziehungen zu Russland und zuvor zur Sowjetunion. Die äthiopischen Luftstreitkräfte setzen bereits unterschiedliche Kampfflugzeuge russischer beziehungsweise sowjetischer Herkunft ein.
Die jetzt angekündigte Ausrüstung erweitert diese Zusammenarbeit um moderne Kampfflugzeuge und weitreichende Luftabwehrsysteme.
Bereits am 12. September hatten Abiy Ahmed und Wladimir Putin am Rande des BRICS-Gipfels in Neu-Delhi über eine Vertiefung ihrer strategischen Partnerschaft gesprochen. Nach Angaben der äthiopischen Regierung standen damals Verteidigung, Sicherheit, Handel, Investitionen und Technologie auf der Tagesordnung.
Auch wirtschaftlich haben sich die Beziehungen verstärkt. Putin erklärte im September, das bilaterale Handelsvolumen sei 2025 auf mehr als das Dreifache des Vorjahreswertes gestiegen.
Hinzu kommt die Zusammenarbeit im Bildungsbereich. Nach russischen Angaben haben mehr als 20.000 Äthiopier eine Ausbildung an russischen Einrichtungen erhalten.
Äthiopien gehört seit Januar 2024 der BRICS-Staatengruppe an, in der Russland und mehrere weitere Schwellenländer ihre wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit koordinieren.
Europäische Union warnt vor regionalem Krieg
Die militärische Eskalation zwischen Äthiopien und Eritrea hat auch die Europäische Union auf den Plan gerufen.
Brüssel forderte beide Staaten und alle weiteren Beteiligten auf, die Gewalt unverzüglich zu reduzieren und auf Handlungen oder Äußerungen zu verzichten, die die Spannungen weiter verschärfen könnten.
Die Erklärung, die auch vom Auswärtigen Amt veröffentlicht wurde, betont ausdrücklich die territoriale Unversehrtheit aller Staaten. Externe Akteure werden aufgefordert, auf Einmischung zu verzichten und ihren Einfluss für diplomatische Lösungen einzusetzen.
Das Auswärtige Amt warnt inzwischen vor Reisen in die besonders betroffenen Regionen Tigray, Amhara und Afar sowie in Teile der Grenzgebiete. Nach den deutschen Reise- und Sicherheitshinweisen werden bei den aktuellen Kämpfen auch Drohnen eingesetzt. Flugverbindungen und Kommunikationsnetze sind in betroffenen Gebieten teilweise unterbrochen.
Die Europäische Union unterstützt weiterhin eine politische Lösung auf Grundlage des Friedensabkommens von Pretoria und unter Vermittlung der Afrikanischen Union.
Bei seinem Besuch in Moskau stellte Abiy Ahmed die russischen Waffenlieferungen dagegen ausdrücklich in den Zusammenhang mit der nationalen Abschreckungsfähigkeit.
Die neuen Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme stärkten nach seiner Darstellung die Souveränität Äthiopiens und seine Fähigkeit, auf Sicherheitsbedrohungen zu reagieren. Sie sollen zugleich dazu beitragen, die regionale Stabilität zu gewährleisten.

