US-Präsident Donald Trump hat den Streit um Äthiopiens Grand Ethiopian Renaissance Dam erneut aufgegriffen und erklärt, er habe den Konflikt zwischen Ägypten und Äthiopien gelöst. Am Freitag, 9. Oktober, sprach er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Syracuse im US-Bundesstaat New York. Tatsächlich gibt es weiterhin kein bindendes Abkommen über den Betrieb und das Wassermanagement des größten Wasserkraftwerks Afrikas. Trump wiederholte zugleich die Behauptung, die USA hätten den Staudamm finanziert, und sagte, Äthiopien habe dem Nil „das ganze Wasser genommen“.
Trump: Äthiopien habe dem Nil das Wasser genommen
Trump führte den Konflikt zwischen Ägypten und Äthiopien in Syracuse unter mehreren internationalen Auseinandersetzungen auf, die er nach eigenen Angaben beigelegt habe.
„Sie haben ein großes Staudammprojekt in Äthiopien gebaut, einen der größten der Welt“, sagte Trump. Das Projekt sei „natürlich von Amerika finanziert“ worden. Dies sei „eine dumme Sache“ gewesen.
Anschließend erklärte der US-Präsident: „Sie haben das ganze Wasser aus einem Ort namens Nil genommen.“ Für Ägypten sei das „nicht besonders gut“. Der Nil habe „kein Wasser mehr“, fügte Trump hinzu und sagte: „Aber ich habe das geregelt.“
Eine Vereinbarung, die den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Ägypten, Äthiopien und Sudan abschließend regelt, existiert jedoch weiterhin nicht. Besonders umstritten sind verbindliche Regeln für den Betrieb des Staudamms und die Wasserabgabe während lang anhaltender Dürreperioden.
Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit versucht, zwischen den drei Staaten zu vermitteln. Die damaligen Gespräche unter Beteiligung der US-Regierung und der Weltbank führten nicht zu einer unterzeichneten Vereinbarung. Anfang 2026 bot Trump erneut eine amerikanische Vermittlung an. Ägypten und Sudan begrüßten den Vorstoß.
Behauptung über US-Finanzierung nicht belegt
Auch Trumps Darstellung der Finanzierung des Grand Ethiopian Renaissance Dam entspricht nicht der dokumentierten Finanzierungsgeschichte des Projekts.
Der rund fünf Milliarden Dollar teure Staudamm wurde überwiegend aus äthiopischen Mitteln finanziert. Addis Abeba mobilisierte dafür unter anderem staatliche Anleihen, Mittel äthiopischer Banken sowie Beiträge aus der Bevölkerung und der Diaspora. Belastbare Belege dafür, dass die Vereinigten Staaten den Bau des GERD finanziert hätten, liegen nicht vor.

Trump hatte die Behauptung bereits mehrfach erhoben. Auch bei einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi im Januar 2026 erklärte er, das Projekt sei von den Vereinigten Staaten finanziert worden.
Äthiopien nahm den Grand Ethiopian Renaissance Dam am 9. September 2025 offiziell in Betrieb. Mit einer installierten Leistung von 5.150 Megawatt ist er das größte Wasserkraftwerk Afrikas und soll die Stromproduktion des Landes erheblich erhöhen. Addis Abeba will außerdem mehr Elektrizität in Nachbarstaaten exportieren.
Streit dreht sich vor allem um Dürreperioden
Auch Trumps Aussage, Äthiopien habe das gesamte Wasser des Nils genommen, trifft die Funktionsweise des Wasserkraftwerks nicht.
Das Wasser des Blauen Nils wird im Reservoir gespeichert und zur Stromerzeugung durch die Turbinen geleitet, bevor es flussabwärts weiterfließt. Der Konflikt zwischen den Nil-Anrainerstaaten konzentriert sich deshalb vor allem darauf, wie viel Wasser Äthiopien in besonders trockenen Jahren zurückhalten oder abgeben darf und welche verbindlichen Regeln dafür gelten sollen.
Ägypten bezieht den weit überwiegenden Teil seines Süßwassers aus dem Nil und betrachtet verbindliche Garantien für den Wasserfluss deshalb als Frage der nationalen Sicherheit. Addis Abeba wiederum beruft sich auf das Recht Äthiopiens, die eigenen Wasserressourcen für Energieversorgung und wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen.
Seit Beginn der Befüllung des GERD-Stausees im Jahr 2020 wurden keine vollständigen Unterbrechungen des Wasserflusses nach Sudan und Ägypten registriert. Äthiopien argumentiert zudem, der Staudamm könne Hochwasser begrenzen und die Abflüsse stärker regulieren.
Die ägyptische Regierung fordert dennoch eine rechtlich bindende Vereinbarung. Besonders bei mehrjährigen Dürrephasen müsse sichergestellt sein, dass Äthiopien ausreichend Wasser in Richtung Sudan und Ägypten abgibt.
Vier Staaten erhöhen den politischen Druck
Trumps neue Aussagen treffen auf einen inzwischen deutlich breiteren regionalen Konflikt.
Die vier Staaten forderten bei grenzüberschreitenden Flüssen die Einhaltung des Prinzips, anderen Staaten keinen Schaden zuzufügen. Maßnahmen mit Auswirkungen auf die bestehenden Wassernutzungen der beiden flussabwärts gelegenen Nil-Staaten Ägypten und Sudan dürften nicht einseitig erfolgen. Vorgesehen seien vorherige Information, Konsultationen und Konsens.
Zugleich erklärten die vier Staaten, die Verwaltung des Roten Meeres sei ausschließlich Sache der Anrainerstaaten. Damit berührt die Erklärung einen zweiten Konflikt mit Addis Abeba. Das Binnenland Äthiopien fordert seit Jahren einen dauerhaften Zugang zum Roten Meer und hat diesem Ziel zuletzt erneut hohe politische Priorität eingeräumt.
Addis Abeba verbindet Nil und Roten Meer
Das äthiopische Außenministerium reagierte einen Tag nach dem Gipfel und stellte den Blauen Nil sowie den Zugang zum Roten Meer ausdrücklich in einen gemeinsamen strategischen Zusammenhang.
Fast der gesamte Blaue Nil entspringe im äthiopischen Hochland. Der Fluss liefere nach Darstellung des Ministeriums rund 85 Prozent des gesamten Nilwassers. Diese geografische Realität müsse Grundlage jeder Diskussion über Nutzung und Bewirtschaftung des Flusses sein.
Addis Abeba erklärte zugleich, „politische Rhetorik, Zwangsmaßnahmen oder destabilisierende Handlungen“ könnten diese geografischen und historischen Gegebenheiten nicht verändern. Auch Vorgehen über Stellvertreter werde die legitimen Interessen Äthiopiens nicht beseitigen.
Äthiopien bekräftigte gleichzeitig seine Bereitschaft zu Dialog und regionaler Zusammenarbeit.
Nil-Konflikt trifft auf militärische Eskalation am Horn von Afrika
Parallel zum Streit über Nil und Roten Meer hat sich die Sicherheitslage zwischen Äthiopien und Eritrea erheblich verschärft.
Addis Abeba teilte dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in einem Schreiben vom 8. Oktober mit, eritreische Truppen seien in äthiopisches Gebiet eingedrungen. Außenminister Gedion Timothewos forderte deren sofortigen Abzug und erklärte, Äthiopien müsse sich gegen Eritrea verteidigen.
Asmara weist die Vorwürfe zurück. Die eritreische Regierung beschuldigt ihrerseits Äthiopien, einen Krieg vorzubereiten und den Wunsch nach einem souveränen Zugang zum Roten Meer als Grundlage dafür zu nutzen.
Am 10. Oktober wandte sich auch Eritrea an den UN-Sicherheitsrat. Außenminister Osman Saleh bezeichnete die äthiopischen Vorwürfe einer eritreischen Invasion als faktische „Kriegserklärung“ und forderte die Vereinten Nationen zu Maßnahmen gegen eine weitere Eskalation auf.

